Die baden-württembergische Regierung plant, dass Rauchverbot im Land auszuweiten. So sollen etwa die bestehenden Regelungen auf E-Zigaretten ausgeweitet werden - Ausnahmen sollen aber bestehen bleiben. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, der dem SWR vorliegt. Experten kritisieren das und fordern strengere Regeln.
Forschende kritisieren Ausnahmen vom Rauchverbot
Demnach soll weiterhin in Ein-Raum-Kneipen mit weniger als 75 Quadratmetern geraucht werden dürfen, solange keine oder nur kalte Speisen serviert werden. "Das ist für den Nichtraucherschutz natürlich nicht gut", sagt Katrin Schaller, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, dem SWR am Montag.
Schaller bedauert, dass Baden-Württemberg nicht so umfassende Nichtraucherschutz-Regelungen hat wie Bayern. Dort gibt es keine Ausnahmen für die Gastronomie und Festzelte. "Und wichtig wäre es auch, die Außenbereiche miteinzubeziehen, insbesondere Terrassen von Restaurants, weil dort häufig, gerade wenn Sonnenschirme da sind oder eine Seitenwand, deutliche Tabakrauchmengen gemessen werden können", so Schaller.
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Im Jahr 2007 war es noch ein umstrittenes Thema: Rauchen in Gastwirtschaften. Zum Weltnichtrauchertag eine Bestandsaufnahme: Die liberale Gangart im Land hat sich wohl bewährt.
Frankreich als Nicht-Raucher-Vorbild
Die Expertin fordert zudem, Bereiche rauchfrei zu machen, in denen sich regelmäßig Kinder aufhalten - zum Beispiel Schwimmbäder und Strände. Zu solchen Maßnahmen wird bereits jetzt in Frankreich gegriffen. Seit Ende Juni ist dort das Rauchen an verschiedenen öffentlichen Orten untersagt - zum Beispiel am Strand, in Parks, rund um Schulen und in den offenen Bereichen von Sportanlagen und Bibliotheken.
"Ideal wäre natürlich eine rauchfreie Gesellschaft, wie andere Länder das jetzt schon politisch sich als Ziel gesetzt haben", sagt Schaller. Rauchfrei bedeute in diesem Fall, dass weniger als fünf Prozent der Erwachsenen und weniger als zwei Prozent der Jugendlichen rauchen. Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums rauchen in Deutschland aktuell 20,1 Prozent der Frauen und Männer über 18 Jahren.
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Expertin fordert höhere Tabaksteuer
Vor allem auf Bundesebene müsse viel mehr für den Nichtraucherschutz und die Krebsprävention getan werden. "Da würden wir ein politisches Bekenntnis brauchen zu einer Tabakpräventionsstrategie", so die Expertin.
Rauchen ist nach wie vor der wichtigste vermeidbare Krebsrisikofaktor.
Es gehe darum, das Rauchen für die Menschen unattraktiv zu machen. "Wir brauchen vor allem deutliche Tabaksteuererhöhungen, weil die die wirksamste Maßnahme zum Nichtrauchen sind", sagt Schaller.