Der Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) warnt, die von Baden-Württemberg angestoßene Regulierung der Spritpreise für Autofahrer könnte nach hinten losgehen. Das Land will im Bundesrat den Vorschlag einbringen, dass die Preise - wie in Österreich - nur noch einmal am Tag erhöht, aber beliebig oft gesenkt werden dürfen. Der Kraftstoffmarktexperte des ADAC, Christian Laberer, rät deutlich davon ab - es könnte Sprit nämlich teurer machen.
Autofahrer könnten durch neue Tankstellenregel mehr zahlen
"Wenn die Konzerne nur einmal am Tag die Preise anheben dürfen, besteht die Gefahr, dass die Erhöhung von vorneherein stärker ausfällt als in einem flexiblen Modell wie bei uns", sagt der Experte. Der Gedanke dahinter: Wer später nicht mehr erhöhen kann, geht im Zweifelsfall lieber weiter nach oben. Das könne laut Laberer dazu führen, dass die Tagesdurchschnittspreise durch eine solche Regulierung steigen. Aus Verbrauchersicht wäre das kontraproduktiv. "Ziemlich sicher kann der informierte Autofahrer mit dem deutschen System günstiger tanken - wenn er sich an die seit Jahren geltende Faustregel hält: Tanke abends, meide den teuren Morgen", sagt Laberer.
So haben sich die Benzinpreise seit Januar 2024 entwickelt:
Günstigster Tankzeitpunkt wäre mitten am Tag
Auch hier schneidet das österreichische Modell in den Augen des Kraftstoffmarktexperten schlechter ab. Dort darf nur um 12 Uhr mittags erhöht werden. Der günstigste Tankzeitpunkt ist daher in der Regel kurz davor: "Und dann zu tanken ist für die meisten Arbeitnehmer unpraktisch." Dennoch sind die Spritpreise im Nachbarland Österreich in der Regel niedriger als in Deutschland. Das habe mit der Beschränkung auf eine Erhöhung am Tag aber nichts zu tun, betont Laberer. Sondern liegen an den dort niedrigeren Steuern auf Kraftstoffe.
Region und Tageszeit Spritpreise - wann Sie wo am günstigsten tanken
In manchen Regionen ist Tanken deutlich billiger als in anderen. Das zeigt eine neue Auswertung. Einen großen Unterschied macht auch, zu welcher Tageszeit man tankt.
Der baden-württembergische Vorschlag soll am Freitag im Bundesrat eingebracht werden. Hintergrund ist Kritik, dass die Spritpreise in Deutschland sich sehr häufig ändern. Im Schnitt sind es nach Daten des Bundeskartellamts um die 20 Anpassungen pro Tag und Tankstelle. Typischerweise folgt auf eine hohe Spitze im morgendlichen Berufsverkehr eine wellenförmige Abwärtsbewegung bis zum Tief am Abend.