Erst vor wenigen Wochen hat ein Wolf im Südschwarzwald zehn Schafe gerissen. Denn: Die Tiere waren nicht geschützt. Um solche Risse zumindest deutlich zu erschweren und Weidetieren den größtmöglichen Schutz zu bieten, wurde vom Land das Projekt "Herdenschutz Südschwarzwald" ins Leben gerufen.
Eine gut geschützte Herde ist keine leichte Beute
Davon ist auch Landwirt Christian Fehrenbach überzeugt. Sein Paradieshof in Schonach (Schwarzwald-Baar-Kreis) ist ein Bioland-Betrieb. Seine 35 Milchkühe und ihre Kälber lässt er das ganze Jahr über draußen weiden.
Das ist meine Leidenschaft. Ich bin Tierhalter und ich habe Verantwortung für meine Tiere und ich will die so gut schützen, wie es geht.
Um dabei keine Angst um sie haben zu müssen, hat er sich über das Herdenschutzprojekt einen mobilen Elektrozaun angeschafft. Diesen versetzt er regelmäßig.
Schutz vor dem Wolf: Herdenschutz am besten schon präventiv
Noch hatte der Landwirt keine Probleme mit dem Wolf, aber er will gewappnet sein. Nur 20 Kilometer Luftlinie von seinem Hof entfernt wurde im Sommer ein Wolfsrüde gesehen. Für den Wolf nicht mehr als ein entspannter Tagesspaziergang. Spätestens dann sei es Zeit, mit einem konsequenten Herdenschutz anzufangen, meint Rebecca Müller, Projektkoordinatorin bei "Herdenschutz Südschwarzwald".
An schlecht oder unzureichend geschützten Herden können Wölfe lernen, Tiere zu reißen. Das sind also eher Trainingsweiden für die Wölfe.
Deshalb sei es wichtig, dass Herdenschutz flächendeckend umgesetzt werde, so Müller weiter.
Normale Weidezäune reichen nicht
Gegen den Wolf helfe ein normaler Weidezaun nicht, erklärt Projektberater Simon Zimmermann. Er berät nicht nur die Interessentinnen und Interessenten des Herdenschutzprojektes, sondern packt auch beim Zaunbau mit an. Statt eines normalen Weidezauns, brauche es demnach einen lückenlosen Herdenschutzzaun. Unter einem normalen Weidezaun könne nämlich sogar ein erwachsener Wolf bequem durchkriechen.
Erwachsene Rinder brauchen keinen extra Wolfsschutz
Allerdings bräuchten auch nicht alle Weidetiere einen extra Wolfsschutz, so Zimmermann. Wehrhafte Rinderherden, bei denen alte und erfahrene Rinder mit jüngeren zusammenstehen, können sich in der Regel selbst verteidigen.
Landwirt Christian Fehrenbach will mit einem solchen Herdenschutzzaun seine Kälber schützen. Denn die dürfen nach der Geburt bei ihren Mütter auf der Weide bleiben. Erst später kommen sie auf eine eigene Weide - und sind somit laut Fehrenbach leichte Beute für die Wölfe. Neben dem mobilen habe er auch einen festen Zaun - so könne er nachts ruhig schlafen. "Man muss halt mit dem Wolf leben und sehen, wie man das vereinen kann", so Fehrenbach.
Herdenschutz ist sehr individuell
Wie hoch der Aufwand für einen Betrieb ist, hänge von den individuellen Gegebenheiten und der Beratung ab, erklärt Projektberater Zimmermann. Er betont, dass es sehr wichtig sei, Beratung in Anspruch zu nehmen. Beim Herdenschutz werde unter anderem berücksichtigt, welche Tierart geschützt werden soll und wie das Gelände beschaffen ist.
Ein mobiler Zaun kostet 8,50 Euro pro Meter, bei einem festen kann es auch das Dreifache sein. Die Kosten für Beratung und Zaun trägt das Land. Ohne diese Hilfe, sagt Landwirt Fehrenbach, hätte er Herdenschutz nicht umsetzen können. Trotz Skepsis am Anfang sei er mittlerweile überzeugt.
Herdenschutz auf Probe
Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Diesen Herbst ist Halbzeit. Laut der Projektkoordinatorin hätten die Landwirte bis Projektende Zeit ausprobieren, wie Herdenschutz in ihrem Betrieb am besten funktioniert. Das gehe nicht von einem Tag auf den anderen.
Die Bilanz sei bislang gut, 15 Betriebe nähmen bisher an dem Projekt teil, fasst Rebecca Müller zusammen. Nach anfänglicher Skepsis würden sich immer mehr Tierhalterinnen und Tierhalter informieren, die Zahl der Anträge stetig zunehmen. Das sei auch wichtig, sagt Simon Zimmermann. Denn wenn der Wolf schon vor der Herde stehe, sei es zu spät.