Christbäume als Energiespeicher: Der Reisigplatz ist nicht die Endstation

Wie viel Energie steckt eigentlich im Weihnachtsbaum?

Weihnachtsbäume sind mehr als nur Deko. Nach den Feiertagen werden sie in Heizkraftwerken zu Strom und Wärme. Wie das funktioniert.

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Von Autor/in Jakob Sax

Weihnachtsbäume schmücken jedes Jahr Millionen Wohnzimmer - doch was passiert mit ihnen nach dem Fest? Im Kreis Heidenheim werden die ausgedienten Christbäume nicht einfach entsorgt, sondern in einem Heizkraftwerk zur Energiegewinnung genutzt.

Aus den Nadeln und Ästen werden Strom und Wärme erzeugt, wie Jürgen Wiedenmann vom Heizkraftwerk Herbrechtingen erklärt: "Die Entsorgung findet energetisch hochwertig statt. Wenn wir ihn irgendwo in den Wald schmeißen, verrottet der Baum und setzt genauso viel CO2 frei, wie wenn wir ihn verbrennen."

Zwei Mitarbeiter laden Weihnachtsbäume auf ein Pressfahrzeug.
Von der Sammelstelle aus landen die Weihnachtsbäume auf dem Pressfahrzeug, damit werden sie zum Entsorgungszentrum nach Mergelstetten gefahren. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Traktor schmeißt Weihnachtsbäume in einen Häcksler, der spuckt die Bäume fein gehäckselt wieder aus. Ein großer Berg türmt sich auf.
Im Häcksler wird aus 2m Tannen wenige Zentimeter großes Häckselgut. Bild in Detailansicht öffnen
Aus einem Container werden 40 Kubikmeter geschrederte Weihnachtsbäume abgekippt.
Insgesamt 16 solcher Container geschredderter Weihnachtsbäumen werden im Heizkraftwerk angeliefert. Bild in Detailansicht öffnen
Ein orangener Radlader verteilt eine LKW-Ladung voller Weihnachtsbäume aus dem Landkreis Heidenheim.
Ein Radlader vermischt die Weihnachtsbäume mit anderem hölzernen Material, beispielsweise Altzholz. Gemeinsam mit den geschrederten Weihnachsbäumen transportier ein Förderband das Material zum Brennofen. Bild in Detailansicht öffnen
Hinter einem kleinen Bullauge lodern die Flammen im Brennofen.
Bei Temperaturen von weit über 400 Grad verbrennen die Weihnachtsbäume im Brennofen. Bild in Detailansicht öffnen
Der Geschäftsführer des Heizkraftwerks steht vor der Turbine in der aus Dampf Strom wird.
In dieser Turbine strömt der heiße Dampf ein und erzeugt in einer Drehbewegung Strom, ein Teil der Wärme wird in Form von Fernwärme noch weitergenutzt. Bild in Detailansicht öffnen

Weihnachtsbäume als wertvolle Ressource

Der Prozess der Energiegewinnung beginnt mit dem Sammeln der Bäume. Im Kreis Heidenheim werden sie mit Lkws zum Entsorgungszentrum gebracht, wo ein Häcksler die bis zu zwei Meter hohen Tannen in handliches Häckselgut zerkleinert. Eine wertvolle Ressource im Heizkraftwerk.

So ein Christbaum ist auch ein Energiespeicher und deswegen ist es natürlich sinnvoll, die Christbäume thermisch zu nutzen.

Deswegen sei es sinnvoll, "sie thermisch zu nutzen, egal ob zur Strom- oder zur Wärmebereitstellung, weil wir damit die Nutzung von fossilen Energieträgern verhindern und damit fossile CO2-Emissionen einsparen", erklärt er.

Vom Wohnzimmer ins Heizkraftwerk

Zwei Gebäude und ein großer Schornstein im Industriegebiet in Herbrechtingen sind das Heizkraftwerk, links und rechts davon wartet Brennmaterial auf seinen Einsatz.
Im Biomasse-Heizkraftwerk in Herbrechtingen (Landkreis Heidenheim) wird aus Baumschnitt und Altholz Strom, jetzt nach Weihnachten werden hier auch Weihanchtsbäume verwertet.

Im Heizkraftwerk Herbrechtingen werden die gehäckselten Weihnachtsbäume zusammen mit anderem Holzmaterial in einer Brennkammer verbrannt. Die dabei entstehende Wärme wird genutzt, um Wasser zu Dampf zu erhitzen. Dieser treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt. Pro Stunde liefert die Anlage 15 Megawatt elektrischen Strom - genug, um etwa viereinhalb Haushalte ein Jahr lang mit Energie zu versorgen.

Doch die Weihnachtsbäume allein reichen nicht aus, um die Anlage dauerhaft zu betreiben. "Wir bekommen aus dem Landkreis Heidenheim etwa sechs Lkw-Ladungen Weihnachtsbäume. Damit können wir die Anlage etwa acht Stunden auf Volllast betreiben", so Wiedenmann. Zusätzlich werden Altholz und Baumschnitt als Brennmaterialien genutzt.

Kurze Transportwege und doppelte Nutzung

Die Nutzung der Weihnachtsbäume als Biomasse hat gleich mehrere Vorteile: Sie fallen regional an, haben kurze Transportwege und wurden bereits als Dekoration genutzt, bevor sie zu Energie umgewandelt werden. "Die Weihnachtsbäume sind zwar nur ein kleiner Teil unseres Brennmaterials, aber sie sind trotzdem wichtig", betont Wiedenmann.

So endet der Lebenszyklus eines Weihnachtsbaums nicht nach den Feiertagen. Stattdessen leistet er einen Beitrag zur nachhaltigen Energiegewinnung - und sorgt nicht nur an Weihnachten für ein warmes Zuhause.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Jakob Sax
Multimedialer Autor Jakob Sax
Onlinefassung
Michael Ströbel

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