Um die Bakterien im Magen-Darm-Trakt zu untersuchen, ist normalerweise eine aufwendige und unangenehme Magenspiegelung nötig. Ein Forschungsteam der Universität Hohenheim hat nun untersucht, ob sich auch anhand von Speichelproben Rückschlüsse über die Bakterienzusammensetzung im Magen ziehen lassen.
So könnten Mediziner künftig anhand eines Speichel-Screenings das individuelle Risiko für bestimmte Erkrankungen erkennen. Wie das Forschungsteam zeigen konnte, liefert unser Speichel wertvolle Hinweise auf die Zusammensetzung des Mikrobioms in Magen und Dünndarm. Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen:
- Welche Krankheitsrisiken konnten die Forschenden nachweisen?
- Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?
- Welchen medizinischen Nutzen haben die Erkenntnisse?
Welche Krankheitsrisiken konnten die Forschenden durch den Speicheltest nachweisen?
Die Forschenden haben Magen-, Dünndarm- und Speichelproben von 20 Personen mit Magen-Darm-Beschwerden miteinander verglichen. Dabei fanden sie zwei unterschiedliche Muster in der Bakterienzusammensetzung, in denen jeweils eine Bakteriengattung besonders häufig vertreten war. Diese blieben vom Mundraum über den Magen bis in den Dünndarm gleich.
Eine dieser Zusammensetzungen wies dabei deutlich weniger Bakterien auf, die möglicherweise krankmachen. Diese werden unter anderem mit Darmkrebs und Entzündungen des Herzens in Verbindung gebracht.
Außerdem fanden die Forschenden im Blut von Menschen mit dieser Bakterienzusammensetzung niedrigere Entzündungswerte - ein Hinweis auf ein niedrigeres Risiko für chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen.
Wie zuverlässig sind die Daten über Bakterien im Dünndarm und Magen?
Um die Zuverlässigkeit ihrer Methode zu beurteilen, überprüften die Forschenden ihre Ergebnisse anhand einer Datenbank aus den USA, die rund 250 Personen umfasst. Auch hier fanden sie bei der entsprechenden Bakterienzusammensetzung deutlich weniger potenziell krankmachende Bakterien.
Um auszuschließen, dass es sich bei den gefundenen Bakterien um Verunreinigungen handelt, führte das Forschungsteam außerdem in allen Arbeitsschritten strenge Kontrollen durch.
Welchen medizinischen Nutzen haben die Erkenntnisse?
Das Team der Uni Hohenheim hofft, dass Speicheltests in Zukunft dazu beitragen können, das Risiko von Patienten für bestimmte entzündliche und infektiöse Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Mit vorbeugenden Maßnahmen, wie etwa der Gabe von Antibiotika, ließen sich diese Erkrankungen möglicherweise verhindern.
Auch bei Zahnbehandlungen könnte eine vorbeugende Antibiotika-Gabe bei gefährdeten Patientinnen und Patienten sinnvoll sein, wie das Forschungsteam in seiner Studie schreibt.
Derzeit sind Speicheltests keine klinische Routine, um die Zusammensetzung des Mikrobioms zu untersuchen. Ob sich in Zukunft das Krankheitsrisiko durch ein Speichel-Screening tatsächlich reduzieren lässt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.