Eine neue Simulationsstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass sowohl regelmäßige Stuhltests als auch Darmspiegelungen (Koloskopien) die Zahl der Darmkrebserkrankungen und -todesfälle deutlich reduzieren können. Entscheidend ist dabei nicht die Wahl der Methode, sondern die regelmäßige Teilnahme an der Vorsorge.
Bis zu 80 Prozent weniger Todesfälle durch Darmkrebs
Die Ergebnisse der Studie, die von Hermann Brenner und seinem Team durchgeführt wurde, zeigen, dass bei konsequenter Nutzung der Vorsorgeangebote bis zu drei Viertel aller Darmkrebserkrankungen verhindert werden können.
Die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs kann sogar um mehr als 80 Prozent gesenkt werden - unabhängig davon, ob die Vorsorge primär über Stuhltests oder Koloskopien erfolgt. Besonders effektiv ist eine Kombination beider Methoden, beispielsweise Koloskopien in jüngeren Jahren und ergänzende Stuhltests im höheren Alter.
"Unsere Analysen zeigen sehr klar: Beide Vorsorgestrategien sind hochwirksam. Entscheidend ist nicht so sehr, welche Methode gewählt wird, sondern dass möglichst viele Menschen die Vorsorge wahrnehmen", betont Studienleiter Hermann Brenner.
Zwei Optionen: Stuhltest oder Darmspiegelung
In Deutschland können Frauen und Männer ab 50 Jahren zwischen zwei Vorsorgeangeboten wählen: einem immunologischen Test auf Blut im Stuhl (FIT), der alle zwei Jahre durchgeführt werden kann, oder bis zu zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Fällt ein Stuhltest positiv aus, wird eine Darmspiegelung empfohlen.
Während die Koloskopie aufwendiger ist, bietet sie den Vorteil, dass Krebsvorstufen direkt erkannt und entfernt werden können. Dabei können im Darm bereits kleinste Auswüchse - sogenannte Polypen - entdeckt und entfernt werden.
Der Stuhltest hingegen ist weniger invasiv und einfacher durchzuführen, muss dafür aber häufiger wiederholt werden. Bei einem positiven Testergebnis folgt die Darmspiegelung als weiterführender Schritt.
Deutschland hinkt bei der Vorsorge hinterher
Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit der Vorsorgeangebote bleibt die Teilnahmequote in Deutschland hinter Ländern wie den Niederlanden, Dänemark oder den USA zurück. "Um die Teilnahme zu erhöhen, braucht es gut organisierte Vorsorgeprogramme mit wiederholten persönlichen Einladungen und Maßnahmen, die die Vorsorge so einfach wie möglich machen", erklärt Brenner.
Die Forschenden schlagen vor, den Zugang zur Vorsorge zu erleichtern, zum Beispiel durch direkte Zusendung von Stuhltest-Boxen, die die Menschen selbst zurücksenden können. Auch gezielte Einladungen durch Krankenversicherungen könnten die Teilnahme erhöhen.