Am Sonntag dürfen in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt rund 7,7 Millionen Menschen wählen. Wie denken sie über die Wahl? Zwischen Social-Media-Videos und dem Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und Grüne? Bei "Zur Sache! Baden-Württemberg" diskutieren kurz vor der Landtagswahl 2026 Protest- und Erstwähler und Menschen, die sich für die Demokratie einsetzen.
Frustrierte Wählerin: Statt Skandal-Video lieber Probleme im Wahlkampf ansprechen
Im Wahlkampf ein prägendes Thema: Ein acht Jahre altes Interview von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. Vergangene Woche veröffentlichte die Grünen-Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer davon ein Video. Hagel erhielt dafür viel Kritik. Margit Müller ist von der Politik frustriert und enttäuscht. Sie findet, Wahlversprechen werden nicht eingehalten. Im Wahlkampf stört sie, dass das Video andere Themen überlagert hat. "Da werden Sachen rausgepickt, um abzulenken, als ob Baden-Württemberg nicht noch andere Probleme hätte", sagt sie in der Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Margit Müller geht es vor allem um die Probleme in der Pflege. Seit 30 Jahren arbeitet sie als Pflegerin. Laut ihr hat die Politik die Probleme "schleifen lassen" und würde nur "kleckerlesweise" etwas gegen den "katastrophalen Zustand" unternehmen. Sie ist der Meinung: "Letztendlich will ich Kompetenz sehen. Ich möchte Menschen sehen, die in der Lage sind, unser Land zu führen und nicht irgendeinen Kindergarten veranstalten."
Das Vertrauen in die Parteien in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken. Vor fünf Jahren hatten noch 20 Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die Parteien. 2025 hat sich diese Zahl halbiert.
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Erstwählerin mit Zukunftssorgen: Zu viele Probleme gleichzeitig
Noelia Steinmeier darf am Sonntag zum ersten Mal wählen gehen und ist eine von rund 650.000 Wahlberechtigten, die zum ersten Mal an die Wahlurne dürfen. Die 18-Jährige ist noch unentschlossen. Sie beschäftigen vor allem die vielen verschiedenen Probleme in der Gesellschaft: Rente, Wirtschaft, die medizinische Versorgung und wie lange diese schon in einem problematischen Zustand sind.
"Wie lange braucht es dann, bis wir wieder ein einigermaßen okayen Zustand haben?", sagt Steinmeier. Damit müsse ihre Generation leben. Sie findet im Wahlkampf sind die Themen zu kurz gekommen. "Bildung hat relativ wenig Aufmerksamkeit bekommen", so Steinmeier.
Vergangene Woche habe einer Ihrer Mitschüler gefragt, ob es sich noch lohne fürs Abitur zu lernen, wegen der Situation im Iran und der Befürchtung der Schülerinnen und Schüler vor einem dritten Weltkrieg. "Das ist jetzt ein extremes Beispiel. Das ist das, was in uns abgeht", sagt Steinmeier.
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Stadtdekan: Hilflosigkeit ist Gift für Demokratie
Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes kritisiert ebenfalls, wie wenig Themen im Wahlkampf angesprochen werden: "Was mich am meisten verdrießt ist, dass die landespolitischen Themen eigentlich gar nicht vorkommen", sagt Hermes. Es gehe ihm besonders um die Themen Gesundheit, Soziales und die Schulpolitik.
Hinzu kommt laut dem Stadtdekan, dass es in der Vergangenheit und jetzt viele Krisen gegeben hat - ganz aktuell ist es seiner Meinung nach die Wirtschaftskrise, die vor allem die Region Stuttgart belastet und für Unsicherheit sorgt. "Ich glaube, das Gift für die Demokratie ist das Gefühl, gar nichts tun zu können, sondern hilflos ausgeliefert zu sein", sagt Hermes.
Politikwissenschaftler: Wahlkampf fokussiert sich immer mehr auf Spitzenkandidaten
Dass das Video von Spitzenkandidat Hagel im Wahlkampf so präsent war, liegt laut Politikwissenschaftler Ulrich Eith aus Freiburg auch daran, dass in Wahlkämpfen der Fokus immer mehr auf die Spitzenkandidaten gelegt werde.
"Die Parteien sind ein Stück weit in dieser pluralen, vielfältigen Gesellschaft, die wir haben, ähnlicher geworden in verschiedenen Punkten", sagt Eith. Und dann sei eine Möglichkeit, dass die Parteien über die Spitzenkandidaten gehen. Hier stehe dann Vertrauen im Vordergrund und die Frage: Wem traue ich zu, Ministerpräsident zu werden?
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Da die Spitzenkandidaten von CDU und Grüne in Umfragen so nah beieinander liegen, geht Politikwissenschaftler Eith davon aus, dass das nochmals Wähler mobilisieren wird. "Wir haben zwei Personen, die beide gute Chancen haben, Ministerpräsident zu werden."
In einer Sache ist sich die Runde drei Tage vor der Landtagswahl einig: Am Sonntag sollte jeder wählen gehen. "Ich wünsche mir, dass jetzt wirklich alle vom Sofa aufstehen und erkennen, dass sie in einer wichtigen Entscheidung mitwirken dürfen", sagt Stadtdekan Hermes.