Landtagswahl Baden-Württemberg

Wie erreichen Parteien die jungen Erstwählenden?

180.000 junge Menschen können erstmals bei einer Landtagswahl in BW wählen. Bei 7,7 Millionen Wahlberechtigten eine kleine Gruppe - und doch ist sie durchaus im Fokus der Parteien.

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Von Autor/in Maren Haring, Hendrik Huber

Luzius Hölzel aus Wangen ist 17 Jahre alt und politisch interessiert. Er engagiert sich im Jugendgemeinderat von Wangen (Kreis Ravensburg) und hat schon eine Podiumsdiskussion zur Landtagswahl auf die Beine gestellt. Dass sich die Politiker da vor 800 Schülerinnen und Schülern auf die Bühne gestellt haben und Rede und Antwort standen, das fand er toll, erzählt er. Sein Eindruck ist dennoch: Es gibt klar an der Politik interessierte Jugendliche, andere, die sie gar nicht interessiert - und dazwischen viele, die von der Politik nicht abgeholt werden.

Landesjugendring: Parteien haben junge Menschen im Blick

In den Wahlprogrammen der Parteien kommen junge Themen durchaus vor. Bezahlbares Wohnen für Azubis, die Erhöhung der Meisterprämie, der vergünstigte Führerschein und vergünstigtes Bus- und Bahnfahren, ein Smartphoneverbot an Schulen und Freiwilligendienste sowie die Beteiligung der Jugend an der politischen Entscheidungsfindung sind in den Programmen der Parteien zu finden, die eine Chance auf den Einzug in den Landtag haben.

Der Landesjugendring in Baden-Württemberg bestätigt den Eindruck. Die Organisation setzt sich für die Interessen junger Menschen im Land gegenüber der Landespolitik ein. Ein "Wahlprogramm-Check" hat die Programme der sechs Parteien unter die Lupe genommen, die eine Chance auf Einzug in den Landtag haben - CDU, Grüne, AfD, SPD, FDP und Linke. Der Check hat ergeben: Das Interesse an den jungen Erstwählern und Erstwählerinnen ist auf jeden Fall da, so Vorstandssprecher Alexander Strobel.

Im Fokus: zum Beispiel Mobilität, Bildung, mentale Gesundheit

"Ich glaube auch, dass das Absenken des Wahlalters noch einmal das Bewusstsein geschärft hat und viele Themen unserer Zeit natürlich auch Jugend oder junge Menschen immer berühren", so Strobel. Viele Parteien gingen mit ihren Plänen zudem in die gleiche Richtung. Beispiel Mobilität: Der Ausbau von jugendgerechter und bezahlbarer Mobilität spiele in allen Wahlprogrammen eine Rolle.

Ein weiteres Beispiel ist das Thema mentale Gesundheit. Auch hier haben die Parteien Pläne für Gesundheitsförderung, Prävention und Intervention, heißt es in der Analyse der Programme. Eine Ausnahme bilde bei fast allen Themen die AfD, so Alexander Strobel. Die Partei mache keine Angaben, äußere sich zum Thema Jugend kaum oder gar nicht.

Themen ja - direkte Ansprache junger Menschen eher selten

Die Themen der Jugend haben die meisten der Parteien also auf dem Schirm, so der Landesjugendring. Doch eine direkte Ansprache finde seltener statt, so die Einschätzung von Alexander Strobel vom Landesjugendring. "Die etablierten Parteien, große Parteien tun sich da glaube ich tatsächlich etwas schwerer."

Die 16- und 17-Jährigen seien zudem eine relativ kleine Wählergruppe, so Frank Brettschneider, Politikexperte an der Universität Hohenheim. Sie machen etwa 2,2 Prozent der Wähler aus. Wenn also Parteien im Wahlkampf überlegen, wo sie ihre Wahlkampf-Aktivitäten konzentrieren, seien das nicht unbedingt die jungen Erwachsenen. Dennoch beobachte er, dass vor allem AfD und die Linke vor allem auf Tiktok versuchten, diese Gruppe zu erreichen.

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Social Media-Wahlkampf: Viel Emotionen, wenig jugendliche Inhalte

Sie sind zu finden, die jungen Themen in den Social Media-Accounts der Parteien und ihrer Kandidierenden: die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel schreibt, dass das Land Meister wie auch Master brauche, Handwerk wie Hörsaal. Die Spitzenkandidatin der Linken, Kim Sophie Bohnen, spricht auf Instagram über bezahlbares Wohnen. SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch spricht sich für das 365-Euro-Ticket aus. Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir plädiert - ebenfalls auf Instagram - für ein Social Media-Verbot für unter 16-Jährige. Auf TikTok fordert die AfD mit Spitzenkandidat Markus Frohnmaier mehr Disziplin im Klassenzimmer. Und Hans-Ulrich Rülke, Spitzenkandidat der FPD, spricht sich gegen die Gemeinschaftsschule aus.

Doch insgesamt steht der inhaltliche Wahlkampf auf den Social Media-Plattformen weniger im Mittelpunkt. Es geht dort eher um Emotionen und Personen, so Frank Brettschneider. So sind häufig auch eher Accounts der Kandidierenden aktiv statt Partei-Accounts. Das beobachtet auch Alexander Strobel vom Landesjugendring. Er hat den Eindruck, dass die Parteien inzwischen verstanden haben, dass sie auch in den Sozialen Medien präsent sein müssen. Dass sich der Wahlkampf dort aber nicht an besondere Wählergruppen richtet.

Braucht es die gezielte Ansprache junger Erstwähler?

Alexander Strobel denkt schon, dass junge Menschen für sie wichtige Themen im Wahlkampf finden möchten. Im Zweifel werde ein Video oder ein Post ansonsten erst gar nicht geklickt. Aber natürlich betreffen auch Themen wie die Rente oder Migration junge Wählende genauso wie die älteren. Hier setzt auch Politikexperte Brettschneider an: Er ist sich nicht so sicher, ob die 16- und 17-Jährigen einen besonderen Wahlkampf wünschen. Wirtschaftsthemen, soziale Themen, Umweltthemen - all das sei für junge Menschen im Land ebenso relevant wie für ältere.

Für Luzius Hölzel zeigt allein der Besuch der Kandidierenden der Parteien, dass die Jugend der Politik wichtig ist. Aber er beobachtet den Wahlkampf auch auf Instagram genau - was dort versprochen wird, an dem man die Parteien später auch messen könne.

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Autor/in
Maren Haring
Maren Haring
Hendrik Huber
SWR-Volontär Hendrik Huber

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