Kurz vor der Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg ist das Rennen zwischen CDU und Grünen wieder offen. Nachdem die Union lange mit großem Abstand geführt hatte, liegen die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir fast gleichauf. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag von ARD/SWR. Die AfD, die in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall gilt, verliert den Anschluss an die beiden führenden Parteien.
Eine Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU ist momentan am wahrscheinlichsten - die spannende Frage ist nur, wer stärkste Kraft und Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wird: Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir (60) oder CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37).
- Sonntagsfrage zur Landtagswahl 2026 in BW mit Koalitionsrechner
- Özdemir, Hagel oder Frohnmaier - wer ist beliebter?
- Wie zufrieden sind die Menschen mit den Politikern?
- Welche Partei soll die nächste BW-Landesregierung anführen?
- Wie zufrieden sind die Menschen mit der aktuellen Landesregierung?
Grünen gewinnen deutlich hinzu, AfD und Linke verlieren
Wenn an diesem Sonntag Landtagswahl wäre, käme die CDU auf 28 Prozent und würde damit einen Prozentpunkt verlieren. Die Grünen steigern sich um 4 Punkte und liegen nun mit 27 Prozent knapp hinter der Union. Die AfD, die im Herbst noch auf Rang zwei hinter der CDU lag, büßt laut Umfrage weiter an Zustimmung ein und kommt auf 18 Prozent. Die SPD fällt auf den tiefsten Wert, der jemals bei ihr gemessen wurde: 7 Prozent. Die FDP erholt sich etwas, liegt bei 6 Prozent (plus 1 Punkt) und kann auf einen Wiedereinzug in den Landtag hoffen. Die Linke, die lange stabil bei 7 Prozent gelegen hatte, muss bangen: Sie kommt auf 5,5 Prozent (minus 1,5 Punkte).
Führende Regierungsparteien in BW und RLP machen Boden gut
Die CDU um Hagel muss nun fürchten, dass sie auf den letzten Metern doch noch von ihrem grünen Koalitionspartner überholt wird. Dabei waren die Christdemokraten im BW-Trend in den vergangenen zwei Jahren immer klar stärkste Partei. Im Oktober 2024 hatte die CDU sogar mal 16 Punkte Vorsprung vor den Grünen. So war die Hoffnung der Christdemokraten groß, die Grünen nach 15 Jahren Kretschmann wieder als führende Partei abzulösen und an die 58 Jahre, in denen sie bis 2011 ununterbrochen in der BW-Regierungszentrale saßen, anzuknüpfen. Doch deutet sich an, dass kurz vor den Wahlen sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz die führenden Regierungsparteien an Boden gewinnen. Allerdings tritt die SPD in Rheinland-Pfalz mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer an, während in Baden-Württemberg Özdemir als Kandidat ohne Amt Wahlkampf macht.
Erinnerung an Ampel verblasst, CDU ohne Rückenwind aus Berlin
Hinzu kommt, dass das Ende der Ampel-Bundesregierung nun auch schon ein Jahr her ist. Die damalige Unzufriedenheit mit den Grünen hatte sich offensichtlich auch auf die Umfragen in Baden-Württemberg niedergeschlagen, diese scheint nun verblasst. Bei der CDU gibt es dagegen kaum Rückenwind durch die schwarz-rote Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Zuletzt hatte es vor dem CDU-Bundesparteitag heftige Debatten um Sozialabbau gegeben, etwa um die Abschaffung von "Lifestyle"-Teilzeit - oder dass Kassenpatienten ihren Zahnersatz selbst bezahlen sollen. Zuletzt wurde Hagel auch noch mit einem acht Jahre alten Video konfrontiert, indem sich der CDU-Politiker aus Grünen-Sicht sexistisch geäußert hatte.
Ex-Bundesminister Özdemir bei Direktwahl klar vor Hagel
Beim Personal ist die CDU auch zu Beginn der heißen Phase des Wahlkampfs noch klar im Nachteil. Das liegt vor allem an der Bekanntheit des 60-jährigen Özdemir. Wenn die Menschen in Baden-Württemberg den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich 42 Prozent (plus 3 Punkte) für Özdemir entscheiden. Sein CDU-Kontrahent Hagel punktet zwar auch, liegt aber mit 21 Prozent (plus 2 Punkte) weit dahinter. Markus Frohnmaier von der AfD wünschen sich 11 Prozent (plus 2 Punkte) als BW-Regierungschef. Interessant: Gut ein Fünftel der CDU-Anhänger würde bei einer Direktwahl für Özdemir stimmen.
Jeder zweite kennt CDU-Kandidaten nicht oder kann ihn nicht beurteilen
Hagel ist - trotz zahlreicher Wahlkampfauftritte - auch zehn Tage vor der Wahl vielen Befragten nicht wirklich bekannt. So tut sich jeder zweite Wahlberechtigte schwer damit, seine politische Arbeit zu bewerten. Von denjenigen, die sich ein Urteil zutrauen, sind 23 Prozent (plus 4 Punkte) damit zufrieden oder sehr zufrieden. Er bleibt weit hinter Özdemir (49 Prozent, plus 2 Punkte) zurück. Allerdings sagen 40 Prozent auch, dass sie nicht zufrieden sind mit dem Ex-Bundesminister. Zur politischen Arbeit der Spitzenkandidaten von SPD, AfD und FDP trauen sich viele Befragten ebenfalls keine Einschätzung zu. Alle drei können aber leicht bei ihrer Popularität zulegen: Andreas Stoch von der SPD kommt auf 17 Prozent (plus 4 Punkte), Frohnmaier von der AfD auf 14 Prozent (plus 4 Punkte) und Hans-Ulrich Rülke auf 13 Prozent (plus 1 Punkt).
Nur noch hauchdünne Mehrheit für CDU-geführte Landesregierung
Bei der Frage, wer die nächste Landesregierung führen soll, holen die Grünen ebenfalls auf. Laut Umfrage finden noch 36 Prozent (minus 4 Punkte), die nächste Regierung sollte von der CDU angeführt werden. Dagegen hätten 34 Prozent lieber weiter einen Grünen in der Regierungszentrale, das ist ein Plus von zwei Punkten. Eine Landesregierung unter Führung der AfD würde knapp ein Fünftel der Bürgerinnen und Bürger (weiter 19 Prozent) favorisieren.
Zufriedenheit mit Grün-Schwarz wieder gewachsen
Mit der derzeit noch amtierenden grün-schwarzen Landesregierung sind 52 Prozent der Befragten entweder sehr zufrieden oder zufrieden - ein Zugewinn von 4 Punkten. Besonders groß ist die Zustimmung bei denjenigen, die sich den Regierungsparteien verbunden fühlen. Demnach blicken 86 Prozent der Grünen-Anhänger wohlwollend auf die Arbeit der Koalition, bei der CDU sind es 70 Prozent. Im Lager der SPD sind 55 Prozent der Befragten mit der Landesregierung sehr zufrieden oder zufrieden, bei den Linken-Anhängern 42 Prozent, bei den FDP-Anhängern 37 Prozent und bei den AfD-Anhängern 13 Prozent.
Wie war das Ergebnis bei der Landtagswahl 2021 nochmal?
Zur Erinnerung: Bei der Landtagswahl im März 2021 hatten die Grünen 32,6 Prozent erreicht, die CDU kam auf 24,1 Prozent, die SPD schaffte 11,0, die FDP 10,5, die AfD 9,7 Prozent und die Linke 3,6 Prozent.