Neben ungewöhnlichen Orten, wie Achterbahnen und Hochspannungsleitungen, suchen Störche auch Nistplätze auf Privathäusern. Obwohl die Vögel seit 2016 nicht mehr auf der roten Liste stehen, bleiben sie dennoch geschützt. Das Entfernen von Nestern ohne Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde ist illegal und kann strafrechtliche Folgen haben. Dies gilt auch für Schwalben, die es laut dem Naturschutzbund Baden-Württemberg (NABU) immer schwieriger haben, geeignete Nistmöglichkeiten zu finden.
Der Konflikt von Störchen und Kaminen
In Langenau (Alb-Donau-Kreis) gibt es mit Jörg Müller einen eigenen Storchenbeauftragten der Stadt. Das größte Problem für Hausbesitzer mit einem Storch auf ihrem Dach sei laut Müller, wenn intakte Kamine durch ein Nest zugebaut würden. Das sei beispielsweise ein Fall für eine Ausnahmegenehmigung, um das Nest entfernen zu dürfen. Allerdings sei die Stadt Langenau mit etwa 40 Storchennestern ein Sonderfall. "Wenn man da jetzt drei Nester entfernt, ist das kein großes Problem für die Population", erklärt Müller. Schäden an Häusern durch Nester sowie Kot seien ihm nicht bekannt. Es sei höchstens ein "ästhetisches Problem."
Wenn die Störche im Oktober in ihr Winterquartier fliegen, werden in Langenau die Nester und Dachrinnen von Müller begutachtet und wenn nötig, anschließend gereinigt. Damit soll unter anderem die Wasserdurchlässigkeit der Nester wieder hergestellt werden. Besonders hohe Nestaufbauten werden abgetragen, um die Standfestigkeit zu gewährleisten. Dabei können hunderte Kilogramm an Nistmaterial zusammenkommen, das entsorgt werden müsse.
Für Betroffene Hausbesitzer entstehen nach Angaben der Stadt Langenau für die Reinigung keine Kosten - die übernimmt die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis. Das sei ein Entgegenkommen vor allem für jene Hausbesitzer, die sich vor längerer Zeit freiwillig dazu entschieden haben, eine Nistplattform der Stadt auf ihrem Dach installieren zu lassen.
Nisthilfen und Kotbretter: Schutz für Schwalben, Lösungen für Häuser
Störche und Schwalben haben eine wichtige Gemeinsamkeit: Beide legen jedes Jahr weite Strecken als Zugvögel zurück, um ihre Brutstätten zu erreichen. Während Störche trotz mancher Schwierigkeiten meist noch geeignete Brutplätze finden, stehen Schwalben vor einem "Nestbauproblem", so Schwalbenexperte Rudi Apel, der sich seit fast 40 Jahren beim Naturschutzbund Baden-Württemberg engagiert.
Früher habe es viele Schotterstraßen gegeben, auf denen sich Kalkschlamm gebildet habe. Diesen würden Schwalben als Nistmaterial nutzen, erklärt Apel. Auch glatte Außenwände an modernisierten Fassaden bieten den Vögeln kaum Halt für ihre Nester. Apels Lösung: Nisthilfen aus Holz anbringen. Außerdem bevorzugen die Tiere zugluftgeschützte Ecken und Nischen für das Großziehen ihrer Jungen.
Störche und Schwalben sind standorttreu
Wie die Störche sind auch Schwalben standorttreu und kommen, nach Angaben des NABUs, jährlich wieder an ihr Nest zurück - auch wenn ein Haus renoviert werden soll. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen Schwalbennester ohne Ausnahmegenehmigung nicht entfernt werden, andernfalls drohen hohe Bußgelder. Selbst mit Genehmigung müsse dennoch jedes einzelne Nest ersetzt werden, fügt Apel hinzu. Wer sich dennoch an den Nestern stört, kann sogenannte "Kotbretter" installieren, die den herunterfallenden Kot abfangen, "obwohl das der beste Dünger für den Garten ist", so der Schwalbenexperte.