Putzen hoch über den Dächern

Der Dreck muss weg: Großreinemachen in den Storchennestern von Langenau

Rund 100 Störche leben den Sommer über in Langenau. Da die Tiere jetzt ausgeflogen sind, lässt die Stadt Nester und Dachrinnen reinigen, damit an Gebäuden keine Schäden entstehen.

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Mit einem leisen Brummen setzt sich der wackelige Hubsteiger in Bewegung. 25 Meter geht es in die Höhe, innerhalb weniger Sekunden erreicht er das Dach des Langenauer Rathauses. Auch hier haben wieder Störche genistet. Das Brutpaar hat dafür ein altes Nest weiter ausgebaut. Etwa anderthalb Meter hoch türmen sich Äste, Schlamm und andere Baumaterialien auf dem Rathausdach.
Mit Handschuhen und Werkzeug ausgestattet, beginnt Ferdinand Erhardt von der gleichnamigen Baumpflegefirma das Nest von der obersten Schlammschicht zu befreien. Es wird dauern, bis er auf dem Boden des wagenradgroßen Nestes sein wird.

Störche sind ausgeflogen, ihre Nester werden gereinigt

Langenau im Alb-Donau-Kreis gilt längst als Storchenstadt. Rund 100 Tiere, viele davon Jungstörche, haben es sich in der kleinen Stadt bei Ulm gemütlich gemacht. Nun sind die Tiere ausgeflogen und das bedeutet: Das ist die Chance, ihre zahlreichen Nester sauber zu machen.

Dieses Jahr gibt es 29 Nester im Stadtgebiet, 56 Jungtiere wurden hier gezählt. Weitere Nester sind im Langenauer Ried, eines in Göttingen und eines in Albeck. Die Storchennester stehen unter Schutz und dürfen nicht ohne Genehmigung beseitigt werden.

Storchennester können bis zu einer Tonne schwer werden

Also müssen sie sauber gemacht werden. Fünfzehn bis zwanzig Nester reinigen Jörg Müller, der Storchenbeauftragte der Stadt Langenau, und Ferdinand Erhardt an zwei Tagen. Bis zu 100 Kilogramm Schlamm und Storchenkot holen sie dabei aus einem Nest. Und leider auch so manches tote Küken, das es nicht geschafft hat, zu überleben.

Hoch hinaus geht es für den Storchenbeauftragten Jörg Müller. Er und Ferdinand Erhardt von der gleichnamigen Baumpflegefirma säubern die Nester von Kot und Schlamm, damit die Störche im Frühjahr dort wieder brüten können.
Hoch hinaus geht es für den Storchenbeauftragten Jörg Müller. Er und Ferdinand Erhardt von der gleichnamigen Baumpflegefirma säubern die Nester von Kot und Schlamm, damit die Störche im Frühjahr dort wieder brüten können. Maximilian Springer

Wenn die Nester nicht gereinigt werden, dann besteht die Gefahr, dass Eier im Schlamm versinken oder dass die Jungstörche im Nest ertrinken, wenn es im Frühjahr stark regnet.

Problematisch ist auch das Gewicht. So ein Nest kann bis zu 1.000 Kilogramm schwer werden. Da können durchaus Schäden an Gebäuden entstehen. Mit der Hebebühne geht es hoch an die Dächer, um die grob gereinigten Nester für Wasser durchlässig zu machen. Außer den Nestern werden auch gleich die Dachrinnen gesäubert.

Hausbesitzer zahlen nichts für die Reinigung der Nester

Für die Hausbesitzer ist die Reinigung der Nester und Dachrinnen kostenlos. Die Stadt Langenau trägt die Kosten, der Landkreis übernimmt die Hälfte davon. In Langenau wird die Reinigung der Storchennester von der Stadt organisiert. Weil es hier so viele sind.

In anderen Orten übernehmen das zum Beispiel die Feuerwehr oder die Umweltverbände Nabu oder BUND, erzählt Jörg Müller: "In Langenau liebt der Storch die hohen spitzen Dächer und Kamine." In der freien Landschaft dagegen errichteten die Tiere ihre Nester auf abgebrochenen Bäumen, oft in Moorgebieten, immer wieder neu.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Maja Nötzel
Porträt der Redakteurin Maja Nötzel im blauem Pullover
Maximilian Springer
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