Aufwändige Sanierung oder Neubau?

Streit um Stuttgarter Oper: Oettinger soll Vermittler werden

Im Streit um die Zukunft der Stuttgarter Staatsoper soll Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger eine Expertenrunde leiten.

Teilen

Stand

Von Autor/in Henning Otte

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) soll im Streit um die Modernisierung der Stuttgarter Staatsoper vermitteln. Wie der SWR aus der grün-schwarzen Koalition erfuhr, wollen Regierungschef Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) den ehemaligen CDU-Spitzenpolitiker zum Chef der Expertenrunde machen, die Empfehlungen zur Zukunft des weltgrößten Dreispartenhauses machen soll. Der 72-jährige Oettinger hat demnach schon zugesagt, den Posten übernehmen zu wollen. Die Personalie soll an diesem Dienstag offiziell verkündet werden.

Berufung Oettingers als Schachzug

Oettinger war von 2005 bis 2010 Ministerpräsident in Baden-Württemberg, danach wirkte er fast zehn Jahre lang als EU-Kommissar in Brüssel. Er gilt als liberaler CDU-Mann, der gute Kontakte zu den Grünen unterhält. Die Personalie dürfte ein Schachzug von Özdemir und Nopper sein, um die CDU-Landtagsfraktion wieder stärker einzubinden. CDU-Fraktionschef Tobias Vogt (CDU) hatte zuletzt erklärt, man lehne das bisherige Konzept zur Sanierung der Oper aufgrund der verschlechterten Wirtschaftslage ab - und neige zu einem Neubau, weil die Kosten kalkulierbarer seien.

Özdemir hatte "ergebnisoffene Neubewertung" in Aussicht gestellt

Angesichts möglicher Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro und den Bedenken der CDU hatte auch Özdemir die seit Jahrzehnten geplante Sanierung der historischen Oper zuletzt infrage gestellt - und ebenfalls einen Neubau ins Gespräch gebracht. Gemeinsam mit OB Nopper schlug er vor gut einer Woche eine "ergebnisoffene Neubewertung" des Projekts durch eine Expertenkommission vor. Das "Jahrhundertprojekt" brauche eine breite Akzeptanz, erklärte Özdemir. Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) gilt als klare Verfechterin der Sanierung des Littmann-Baus von 1912 in Stuttgarts Mitte.

Landtags-CDU ist teure Ausweichspielstätte ein Dorn im Auge

Die CDU-Landtagsfraktion stößt sich vor allem an den geplanten Kosten für eine Ausweichspielstätte von 289 Millionen Euro. Das geplante Übergangsgebäude sollte etwa zehn Jahre lang als Ausweichquartier für Ballett und Oper dienen, während die eigentliche Oper saniert wird. Aber auch die CDU unterstützt den Plan für eine Expertenanhörung, wenn sie ergebnisoffen ist. Die Fachleute sollen die Frage beantworten, ob ein Neubau die bessere und kostengünstigere Variante wäre.

Sollte Oettinger beispielsweise am Ende der Experten-Beratungen erklären, dass ein Neubau womöglich noch teurer als eine Sanierung wäre, könnte die CDU-Landtagsfraktion kaum darüber hinweggehen. Dem Vernehmen nach war Nopper irritiert darüber, dass die CDU-Landtagsfraktion die geplante Sanierung plötzlich so kritisch sieht.

Einigung zu Sanierung ist über zehn Jahre alt

Vor über zehn Jahren hatten sich Land und Stadt geeinigt, dass man die Sanierung des historischen Operngebäudes angehen will. Die Finanzierung des Hauses mit etwa 1.400 Mitarbeitenden teilen sich Land und Landeshauptstadt. Die eigentlich geplante Sanierung bestünde aus drei Teilprojekten: die Modernisierung der Oper, den Bau einer Ausweichspielstätte und eines Kulissenlagers.

Stuttgart

Sanierungskonzept "nicht tragfähig" CDU lehnt Konzept zur Opernsanierung in Stuttgart ab und dringt auf Neubau

Das historische Opernhaus in Stuttgart ist marode. Doch eine Sanierung wäre teuer und wurde lange verschleppt. Nun kommt aus der CDU der Ruf nach einem Neubau.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Henning Otte
SWR-Reporter und -Redakteur Henning Otte, SWR Landespolitik