Angesichts möglicher Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro stellt Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) die geplante Sanierung der Stuttgarter Oper infrage und will einen Neubau prüfen lassen. Es solle eine "ergebnisoffene Neubewertung" des Projekts geben, erfuhr der SWR am Montag nach einem Treffen von Özdemir und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) mit Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU).
Dafür soll es eine Expertenanhörung geben. Die Fachleute sollen die Frage beantworten, ob ein Neubau die bessere und kostengünstigere Variante wäre, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Özdemir und Nopper. Mit der Überprüfung verändert Özdemir den Kurs der Grünen in der Opernfrage - er reagiert damit auch auf Kritik vom Koalitionspartner CDU an den möglichen Kosten.
Neubau soll geprüft werden Kurswechsel bei Opern-Sanierung: Steuerzahlerbund begrüßt Özdemirs Vorstoß zur Neubewertung
BW-Ministerpräsident Cem Özdemir hat die Opernsanierung in Stuttgart infrage gestellt. Fachleute sollen über Kosten und Alternativen beraten. Applaus kommt vom Steuerzahlerbund.
Stuttgarter OB Nopper unterstützt Überprüfung durch Experten
Der Ministerpräsident sprach von einem "Jahrhundertprojekt", das Vertrauen und Unterstützung bei allen Beteiligten brauche. Darum habe er eine Überprüfung vorgeschlagen. "Wir werden die vorhandenen Erkenntnisse zusammenführen, das Gesamtprojekt aus heutiger Perspektive bewerten und dabei ergebnisoffen vorgehen“, teilte der Grünen-Politiker mit.
Nopper unterstützt nach eigenen Worten die Überprüfung durch Experten - allerdings müsse diese schnell vonstatten gehen. Auch die Stadt wolle das Projekt "auf alle Einsparpotenziale" hin untersuchen. Man wolle die Modernisierung mit "vereinten Kräften weiterverfolgen - ohne Tabus, was die Dimension sowie die Art und Form der Ausführung anbelangt.“
Grundsätzlich gab es aber auch ein gemeinsames Bekenntnis zum Opern-Standort Stuttgart. "Alle am Gespräch Beteiligten betonen, dass sie sich ausdrücklich und unmissverständlich zur gemeinsamen Verantwortung für eine moderne, zukunfts- und arbeitsfähige Spielstätte bekennen."
Stuttgarter Oper: Kretschmann stand immer zur Sanierung
Während der frühere Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Olschowski immer zur Sanierung standen, gibt es bei der Landes-CDU schon länger Skepsis. Vor allem die geplanten Kosten von 289 Millionen Euro für die Ausweichspielstätte werden als zu hoch kritisiert.
Vor über zehn Jahren hatten sich Land und Stadt geeinigt, dass man die Sanierung des historischen Operngebäudes angehen will. Die Finanzierung des weltgrößten Drei-Sparten-Hauses mit etwa 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilen sich Land und Landeshauptstadt. Die eigentlich geplante Sanierung bestünde aus drei Teilprojekten: die Modernisierung der Oper, den Bau einer Ausweichspielstätte und eines Kulissenlagers.