Nachdem Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) vorgeschlagen hatte, alle Pläne zur Sanierung der Stuttgarter Oper neu bewerten zu lassen, kam es zu einer bemerkenswerten Äußerung von Baden-Württembergs Kulturministerin Petra Olschowski (Grüne). Im SWR-Interview sagte die Politikerin, es gebe aktuell keine seriöse Kostenschätzung für das Gesamtprojekt. "Zwei Milliarden halte ich im Moment - das hängt natürlich von Baupreissteigerungen ab - für deutlich über dem Limit, von dem wir ausgehen." Tatsächlich berichtete der SWR bereits vor fast zwei Jahren, dass Insider von Kosten in Höhe von 1,5 bis 2 Milliarden ausgehen. Offiziell war immer wieder von einer Milliarde die Rede.
Wegen erwarteter Milliarden-Kosten Özdemir stellt Sanierung der Stuttgarter Oper infrage - Neubau soll geprüft werden
Das historische Opernhaus in Stuttgart müsste dringend saniert werden. Doch die Kostenschätzungen sind schwindelerregend - nun kommt ein Neubau ins Spiel.
Stuttgarter Oper: Nur zwei von drei Kostenpunkten beziffert
Tatsächlich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nur für zwei der drei Teilprojekte Kostenvoranschläge, die von Ministeriumsseite genannt werden. So soll die Interimsspielstätte, in welche Ballett und Oper während der Sanierung des historischen Littmann-Baus ziehen sollen, rund 289 Millionen Euro kosten. Der Werkstattneubau, das zweite Teilprojekt, wird mit 127 Millionen Euro beziffert. Für das dritte und sicherlich teuerste Teilprojekt, die eigentliche Sanierung des Opernhauses, könne das Ministerium noch keine Schätzung abgeben.
Der Grund: Aktuell läuft noch der Architektenwettbewerb für die Sanierung und Neugestaltung des Gebäudes. Entschieden wird darüber voraussichtlich am 4. Dezember 2026. Doch auch dann sei nicht unmittelbar danach mit einer Kostenschätzung zu rechnen, so das Wissenschaftsministerium auf SWR-Anfrage. Eine belastbare Kostenschätzung sei erst möglich, wenn das Projekt eine ausreichende Planungstiefe erreicht hat, heißt es.
Keine Kostenobergrenze beim Architektenwettbewerb
Doch kann man vielleicht doch schon mit einem groben Kostenrahmen rechnen? Auch hier verneint das Ministerium. "Eine konkrete, bezifferte Kostenobergrenze für die Sanierung wurde in den Wettbewerbsunterlagen nicht genannt", so die Antwort. Die Wirtschaftlichkeit sei jedoch ausdrücklich Bestandteil der Aufgabenstellung gewesen.
Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, verweist im SWR-Interview auf Untersuchungen zu Beginn der Planungen der Opernsanierung. Damals seien rund 650 Millionen Euro für die Sanierung anberaumt worden. "Um die Kosten im Bauwesen vorherzusehen, braucht man allerdings beinah hellseherische Fähigkeiten", so Müller, der selbst in der Jury des Architektenwettbewerbs zur Opernsanierung sitzt. In den letzten Jahren habe es im Bau Kostensteigerungen von rund 80 Prozent gegeben. Dass die Marke von 650 Millionen noch realistisch sei, glaubt Müller daher nicht. Die CDU-Fraktion im Landtag hält selbst eine Milliarde Euro für die Sanierung des Littmann-Baus allein für zu gering angesetzt.
Müller: Özdemirs Vorschlag verschiebe Debatte nur
Dass jetzt ein Expertengremium nochmals alles neu bewerten soll, hält Architektenkammerchef Müller indes für den falschen Weg. "Das ist doch alles schon diskutiert worden, rauf und runter. Die Infos liegen vor", so Müller. Es werde kein neues Ergebnis geben bei den jetzt angedachten Expertenanhörungen. "Damit verschieben wir die Debatte nur weiter - und irgendwann gehen in der Oper die Lichter aus."