Salvatore Marrazzo muss derzeit oft Fragen beantworten, seitdem die "BILD"-Zeitung bundesweit berichtete, in seinem Esslinger Lokal sei es verboten, getrennt zu bezahlen. Das sei durch die Überschrift des Artikels etwas überspitzt dargestellt worden, stellt der Restaurantinhaber klar, als ihn an diesem Dienstagmorgen gerade ein bayerischer Radiosender telefonisch dazu interviewt. "Wenn man den Text komplett liest: Die Rechnungen werden gesplittet", stellt er klar. "Wenn sie im Vorfeld uns die Informationen geben, ist das alles kein Thema", sagt Marrazzo den Journalisten am Telefon.
Esslinger Lokal in den Schlagzeilen
"Unsere Kassensysteme sind so programmiert, dass man am Tisch Parteien erstellen kann, und jede Partei hat dann ihre Rechnung. Egal, wie ihr zahlt, in bar, mit Karte, egal wie." Getrennt zu zahlen sei bei ihm aber nicht verboten. Kommuniziere der Gast das am Anfang, könne man die Rechnung auch splitten, wie SWR3 am Dienstag aufklären konnte.
Salvatore Marrazzo hatte seine Gründe für die Regelung und den Hinweis in der Karte. Es habe ein paar Vorfälle gegeben, nach denen er beschlossen hat: Wer getrennt bezahlen will, muss das sagen, bevor eine seiner Servicekräfte mit der Rechnung zum Tisch kommt. Er schildert dazu zwei extreme Vorfälle, bei denen das Personal extrem unter Druck stand, berichtet der Lokalinhaber.
Am Ende war in der Gruppe nicht klar: Wer zahlt den Rest?
"Es gab einen Split-Vorgang an einem Tisch für fünf Personen, wo der Kellner zehn Minuten gebraucht hat", erzählt er. Das Restaurant sei voll gewesen, er hätte die Servicekraft an anderen Tischen gebraucht. "Der stand da und kam von dem Tisch nicht weg, weil die untereinander diskutiert haben, wer was gehabt hat", kritisiert er.
Die Gäste hätten untereinander über Details diskutiert wie beispielsweise, dass eine Person doch nur ganz wenig Wein von der bestellten Flasche getrunken habe. "Dann hat er alles gesplittet und am Schluss kommt raus: Da fehlt noch ein Wasser und ein Kaffee. Und keiner wusste mehr, wer das Wasser verkonsumiert hat und wer den Kaffee." Das habe dazu geführt, dass viel Zeit verloren gegangen sei und andere Gäste in dieser Zeit schlecht bedient wurden.
Ärger beim Kassieren im Lokal: Wirt zog Konsequenzen
Beim zweiten Vorfall seien 20 Personen zu Gast gewesen, doch am Schluss seien von einer Rechnung über 1.000 Euro nach dem Splitten noch 200 Euro offen geblieben. "Wie regelt man das? Ich kann nicht meinen Mitarbeitern sagen: 'Das ist dein Problem'." Er komme dann nicht drum herum, mit jemandem aus der Gruppe unter vier Augen zu sprechen, damit der offene Betrag doch noch bezahlt wird - und das führe wiederum zu Unannehmlichkeiten, gibt Salvatore Marrazzo zu bedenken. Nach diesen beiden Vorfällen habe er sich entschlossen, einen Aushang zu machen: "Die Gäste dürfen gerne splitten, aber sollen es im Vorfeld sagen, damit wir nachher sauber abrechnen können", erklärt Marrazzo.
Italienischer Wirt erhält rassistische Kommentare
90 Prozent seiner Gäste sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Gastronomie hätten ihm signalisiert, dass sie seine Entscheidung nachvollziehen können. Doch Marrazzo berichtet auch von Anfeindungen über Social Media und per Mail. Einige hätten den Zeitungsbericht wohl nicht aufmerksam gelesen. "Die Kommunikation war's, in der Überschrift von der Bild-Zeitung", vermutet er.
"Ich habe versucht alle zu beantworten und zu besänftigen, um mich zu erklären und die Situation darzustellen." Doch es seien auch beleidigende oder rassistische Kommentare darunter gewesen - beispielsweise "Wir sind hier in Deutschland und nicht in Italien", "Wenn Sie in Deutschland nicht bleiben wollen, gehen Sie nach Italien zurück" oder "Wer nicht rechnen kann, sollte mal wieder in die Schule gehen". Salvatore Marrazzo sagt, er versuche dann in Ruhe darauf zu antworten und auch "ein bisschen Humor reinzupacken". "Das war nicht die Absicht, dass das so hohe Wellen schlägt, aber damit muss man umgehen", sagt er.