Es ist eine Premiere: Auf dem Fraunhofer-Campus in Stuttgart-Vaihingen fährt seit vergangener Woche ein autonomer Shuttlebus. Ganz ohne Fahrer kann der schwarz-gelbe Kleinbus namens "BumbleB" Mitarbeitende und Besucher auf eine Fahrt über den Campus mitnehmen.
Probebetrieb auf dem Campus des Fraunhofer-Instituts
Zunächst darf "BumbleB" von der Firma Bertrandt nur probeweise über den Campus des Fraunhofer-Instituts fahren. Ab Juni soll er dann Mitarbeitende und Besucher zwischen der S-Bahn-Station Universität und dem Campus kostenlos und barrierefrei kutschieren. Der bisherige Fußweg von rund 15 Minuten soll damit verkürzt werden.
Mit dem Betrieb auf der Straße will das Fraunhofer-Institut das Fahrzeug unter realen Bedingungen testen und trainieren. Damit sollen autonome Kleinbusse in Deutschland auch außerhalb von Teststrecken genutzt werden, so das Institut. Mit "BumbleB" liefere das Projekt erstmalig einen Baustein für die zukünftige Typenzulassung autonomer Shuttles im ÖPNV, sagt Christopher Legner, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Esslingen und Mitentwickler des Shuttles.
Wie soll der Shuttle ohne Fahrer funktionieren?
Aktuell fährt im autonomen Bus noch sicherheitshalber ein Fahrer mit. "Der Fahrer steht im Bus dabei, hat aber keine Bedienelemente. Er kann zum Beispiel die Fragen der Fahrgäste beantworten", erklärt Legner. Auf dem Gelände fährt der Shuttle mit etwa 10 Kilometern pro Stunde von Gebäude zu Gebäude. Sobald die Fahrgäste aussteigen möchten, drücken sie auf einen Knopf im Bus.
Ab Juni soll der Bus dann mit etwa 25 Stundenkilometern zwischen Campus und S-Bahn-Station fahren. Mithilfe von Sensoren soll der autonome Shuttle Menschen oder Hindernisse auf der Straße erkennen. Dann hält er an oder weicht ihnen aus, so Legner.
Autonomer Shuttle in Stuttgart: Lösung für Fahreremangel im ÖPNV
Das langfristige Ziel des Projekts sei, die Grundlage für zukünftige Mobilität zu schaffen und gleichzeitig die heimische Autowirtschaft zu stärken, heißt es vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg. "Gerade mit Blick auf den absehbaren Fahrermangel im öffentlichen Verkehr ist es entscheidend, neue Mobilitätslösungen voranzubringen. Das sichert verlässliche Angebote im städtischen wie im ländlichen Raum und ermöglicht Mobilitätsfreiheit für alle, auch mobilitätseingeschränkte Menschen" sagt Philipp Franke, Abteilungsleiter im Ministerium für Verkehr Baden- Württemberg.
Eigener Mobility Hub und Fahrgemeinschaften
Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität. Zum neuen Mobilitätskonzept auf dem Forschungscampus gehört laut Fraunhofer-Institut auch ein sogenannter Mobility Hub. Das heißt, dass auf dem Fraunhofer-Gelände ein Teil der rund 700 Pkw-Stellplätze in eine Fläche für kostenlose Sharing-Fahrräder, Lastenräder und E-Scooter umgewandelt wird. Auch Abstellflächen für private Fahrräder, eine Fahrradservicestation und smarte Schließfächer für Helme und Taschen sollen dort entstehen. Die Maßnahmen sollen nach Angaben des Fraunhofer-Instituts den bislang stark Pkw-lastigen Pendelverkehr messbar klimafreundlicher, komfortabler und effizienter machen.