Schutt, Asche und Splitter von Eternitplatten in Vorgärten und auf den Straßen - in Bad Boll (Kreis Göppingen) in der nahen Umgebung einer abgebrannten Lagerhalle sind die Spuren des Großbrandes noch allgegenwärtig. Vor einer Woche war gleich nebenan, auf dem Gelände eines Wohnmobil-Vermieters, ein Feuer ausgebrochen. Eine Holzhalle sowie zehn Wohnmobile und Camper wurden komplett zerstört, das Übergreifen der Flammen auf angrenzende Gebäude konnte verhindert werden.
Eternit-Splitter vom Dach der abgebrannten Halle enthalten Asbest
Glück im Unglück für die Anwohnerinnen und Anwohner, könnte man meinen. Doch sie sind nachträglich besorgt, denn der Brand und seine Rückstände könnten gesundheitsgefährdende Folgen für sie haben. Und zwar durch Splitter von Eternitplatten, die auf dem Dach der abgebrannten Halle gewesen sind - denn die enthalten Asbest.
Vorsichtsmaßnahme: Kinder sollen nur drinnen spielen
Bis zur Entsorgung der asbestbelasteten Eternit-Bruchstücke sollen Anwohnerinnen und Anwohner unter anderem ihre Straßenschuhe vor der Haustüre abstellen und Kinder sollen nicht draußen spielen. Diese Vorsichtsmaßnahmen und Handlungsanweisungen zum Umgang mit dem Gefahrenstoff hatten Umweltschutzamt und Gesundheitsamt des Landratsamts Göppingen in dieser Woche veröffentlicht.
Viel zu spät, beklagen einige Anwohner. Eine Frau, die mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe zur Brandruine wohnt, erzählt, sie habe mehrfach bei verschiedenen Stellen anrufen müssen, habe Mails geschrieben und immer wieder nachgefragt bis endlich eine Rückmeldung kam.
Vorwurf: Mangelnde Kommunikation der Behörden
Sie befürchtet nun, dass ihre Familie und die anderen Nachbarn in dieser Zeit längst mit dem Asbest in Verbindung gekommen sind und fühlt sich von den Behörden und der Gemeinde Bad Boll allein gelassen.
Diesen Vorwurf weist Bürgermeister Hans-Rudi Bührle (Freie Wähler) zurück. Es habe eine Kommunikation gegeben, "die Behörden (…) haben, wenn Anfragen waren, reagiert. Vielleicht hätte man eher persönlich miteinander sprechen sollen", sagt Bürgermeister Bührle heute bei einem Treffen mit Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort und betont: Man helfe weiter, wenn jemand fragt. "Es war halt eine Situation, mit der man konfrontiert wurde, die für die Gemeinde ein Stück weit Neuland ist", so der Bürgermeister weiter.
Bürgermeister Bad Boll: "Vielleicht hätte man eher persönlich miteinander sprechen sollen"
Nach Angaben des Landratsamts Göppingen haben Mitarbeitende einer Fachfirma für Schadstoffsanierung heute den Brandort und die Grundstücke der betroffenen Anwohner begutachtet. Ab morgen (Samstag) sollen sie die asbestbelasteten Eternit-Bruchstücke in der Umgebung und um die Brandhallen einsammeln und fachgerecht entsorgen, bestätigt David Bertsch vom Umweltschutzamt. Die anfallenden Kosten werden laut Landratsamt vom Versicherer des Brandgrundstücks übernommen.