Nach dem tödlichen Unfall in Esslingen, bei dem im Oktober 2024 eine Frau und ihre beiden Söhne gestorben waren, ist am Donnerstag das Urteil gefallen. Ein 55-jähriger Mann wurde zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungsdauer wurde auf drei Jahre festgesetzt. Der Mann war unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen angeklagt. Ihm wurde die Fahrerlaubnis für mindestens drei Jahre entzogen. Der Prozess am Esslinger Amtsgericht lief seit mehr als einem Jahr.
Mutter und Söhne starben noch an der Unfallstelle in Esslingen
Laut Staatsanwaltschaft war der Angeklagte am 22. Oktober 2024 in Esslingen-Weil kurz vor einer Ampel von der Straße abgekommen und mit seinem Fahrzeug auf den Gehweg gefahren. Dabei habe er die 39-jährige Mutter und ihre beiden Söhne im Alter von sechs und drei Jahren erfasst, die dort zu Fuß unterwegs waren. Alle drei starben noch am Unfallort.
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Eine Mutter und ihre Söhne wurden in Esslingen von einem Auto überfahren. Der Unfallfahrer muss nicht ins Gefängnis. Die Angehörigen sind mit dem Urteil nicht einverstanden.
Außerdem fuhr der Mann direkt danach in einen Zaun, in den Schaltkasten einer Ampelanlage sowie ein in weiteres Auto. Er selbst wurde dabei leicht verletzt, weshalb sich der Angeklagte zusätzlich wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Gericht verantworten musste.
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Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Bewährungsstrafe gefordert
Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre auf Bewährung gefordert, zwei Jahre Führerscheinentzug sowie ein Schmerzensgeld für die Angehörigen. Ihrer Ansicht nach hatte der Mann Brems- und Gaspedal verwechselt. Die Anwälte der Nebenklage hatten ein höheres Strafmaß für notwendig gehalten. "Das Leben geht leider weiter. Es gibt keine andere Möglichkeit. Aber wir wollen Gerechtigkeit", erklärt Gaetano Ribisi, der Vater der getöteten 39-Jährigen. Zusammen mit seiner Frau und seinem Schwiegersohn trat er als Nebenkläger auf.
Der Verteidiger des Angeklagten hatten einen Freispruch für den 55-Jährigen gefordert. Er glaubte, dass eine kurze Ohnmacht seines Mandanten der wahrscheinlichste Grund für den Unfall war. Dass er unter der Beeinflussung von Alkohol oder Rauschgift stand, konnte durch eine toxikologische Untersuchung ausgeschlossen werden. "Ich bin nicht kaltherzig. Es tut mir unendlich leid", sagte der Angeklagte vergangene Woche im Rahmen der Plädoyers und ergänzte: "Egal, wie das Urteil ausfallen wird, es wird niemandem helfen."
Angehörige leiden: "Mein Herz ist zur Hälfte tot"
Für die Angehörigen der Getöteten ist die Situation nahezu unerträglich. "Seit dem Tag des Unfalls bin auch ich irgendwie gestorben", erzählt die Mutter und Großmutter Maria Ribisi. Unter Tränen ergänzt sie: "Mein Herz ist zur Hälfte tot. Meine Tochter war alles für mich." Kraft schöpfen, das fällt ihr und ihrem Mann schwer. Doch sie wissen: Sie dürfen nicht aufgeben, auch für ihren Sohn und die drei Enkelkinder.
Nicht nur Familie und Freunde hat der Unfall mitgenommen. Bei einem Trauermarsch hatten hunderte Menschen der Opfer gedacht. Auch Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) zeigte sich betroffen. Er bezeichnete den Unfall als einen der traurigsten Momente in seiner fast 20-jährigen Amtszeit.
Seit Dezember: Tempo 30 an der Unfallstelle in Esslingen
Mittlerweile gilt an der Unfallstelle Tempo 30, zuvor war hier Tempo 50 erlaubt. Auswertungen eines technischen Gutachtens hätten ergeben, dass der Angeklagte bereits vor dem Unfall viel zu schnell gewesen sei, hieß es am dritten Prozesstag Mitte März. In den letzten 5,5 Sekunden vor dem Unfall habe das digitale Unfallsystem des Autos eine Geschwindigkeit von 69 bis final 108 Kilometern pro Stunde aufgezeichnet.
Bereits im Vorfeld des Urteils am Amtsgericht Esslingen hatte sich angedeutet, dass alle Parteien außer der Staatsanwaltschaft das Urteil anfechten werden. Dann würde das Verfahren neu aufgerollt werden. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.