Der Brandschutz ist in Deutschland seit jeher eine Frage des Ehrenamts. In Baden-Württemberg sind 97 Prozent der Feuerwehrler ehrenamtliche Einsatzkräfte, die im Notfall alles stehen und liegen lassen. Und dabei werden sie immer stärker gefordert, denn die Alarm- und Einsatzzahlen steigen, und das nicht immer aus gutem Grund.
Freiwillige Feuerwehr: Katastrophenschutz, Bevölkerungsschutz, Brandschutz
Wenn in Ditzingen (Landkreis Ludwigsburg) der Alarm ertönt, zählt jede Minute. Rund 240 Einsätze fährt die Freiwillige Feuerwehr dort pro Jahr, bis zu fünfmal die Woche. Beim Stichwort "Rauchwolke“ muss gleich ein kompletter Löschzug ausrücken, das heißt: vier Fahrzeuge, 22 Einsatzkräfte.
Feuerwehrmann Andreas Häcker ist seit rund 40 Jahren dabei: "Bei dem Stichwort Rauchwolke weiß ich nicht, ist es ein kleiner Mülleimer oder ist es ein Gebäude, das da am Horizont brennt.“ Um mit genug Einsatzkräften ausrücken zu können, müsse er in solchen Fällen mindestens 40 Mitglieder alarmieren - das ist knapp die Hälfte der Freiwilligen Feuerwehr Ditzingen.
Vor allem tagsüber kann es schwierig werden, genügend Leute zusammenzubekommen. Arbeitgeber und Familien müssen mitspielen und dürfen nicht zu weit entfernt vom Feuerwehrhaus sein. Sollten zwei Alarme gleichzeitig eingehen, ist das schwer zu bewältigen. Aus diesen Gründen haben kleinere Gemeinden sogenannte Ausrückgemeinschaften gegründet. Sie unterstützen sich gegenseitig, um den Grundschutz gewährleisten zu können.
Mehr Einsätze, auch durch Klimawandel und Fehlalarme
Ein weiteres Problem: Die Einsatzzahlen steigen seit Jahren und auch ihre Anforderungen. "Die Einsatzlagen werden komplexer, das Aufgabenspektrum breiter", erklärt Michael Wegel, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes. Dabei spiele auch der Klimawandel eine tragende Rolle. "Die Waldbrände zeigen eindrücklich, dass unsere Feuerwehren im Land Herausragendes leisten - und darauf sind wir sehr stolz." Sie würden aber auch zeigen, vor welchen Herausforderungen die Feuerwehr stünde. "Der Klimawandel bringt längere Trockenperioden, extreme Wetterereignisse und eine erhöhte Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden", so Wegel weiter.
Katastrophenschutz Stuttgart Hitzewelle Stuttgart: Branddirektion ruft Außergewöhnliche Einsatzlage aus
Die extreme Hitze setzt die Stadt unter Druck: Rettungsdienst, Kliniken und Feuerwehr sind am Limit. Die Branddirektion ruft eine Außergewöhnliche Einsatzlage aus. Was heißt das?
Zahlen des Innenministeriums zeigen: Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Brandeinsätze auf dem höchsten Wert der letzten 30 Jahre. Immer mehr Kapazitäten binden aber auch die Fehlalarme: Sie lagen demnach bei rund 23 Prozent. Dieses Problem kennt auch die Freiwillige Feuerwehr Ditzingen: "Ich erinnere mich an einen Einsatz, da hieß es als Stichwort Gas-Alarm", erzählt Andreas Häcker. Beim Erkunden hat sich dann herausgestellt, dass eine halbe Stunde vorher ein Landwirt mit seiner Gülle vorbei gefahren ist."
Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr in Baden-Württemberg
Die Feuerwehren wünschen sich deshalb mehr Bewusstsein bei Notrufen. "Ein heruntergebrochener Ast auf der Gemeindestraße kann meist gefahrlos durch eine erwachsene Person zur Seite gezogen werden", erklärt Wegel vom Landesfeuerwehrverband. "Viele Passanten haben eine Trinkflasche dabei - und können in aller Regel einen qualmenden Mülleimer damit löschen." Das würde auch die Freiwillige Feuerwehr Ditzingen entlasten und Kapazitäten für Ernstfälle schaffen. "Im Zweifelsfall kommt die Feuerwehr auch mal umsonst. Das ist nicht schlimm, aber ich sollte schon eine bestimmte Gewissheit erlangt haben, bevor ich den Notruf 112 wähle", so Häcker.
Freiwillige Feuerwehr: Immer mehr Mitglieder
Trotz der steigenden Belastung fehlt es den Ehrenamtlichen aber nicht an Motivation. Die Zahl der Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren in Baden-Württemberg steige seit Jahren kontinuierlich, so Wegel, genauso wie der Frauenanteil. "Auch wenn dieser in der Feuerwehr ganz sicher noch ausbaufähig ist, stimmen uns die kontinuierlichen Zuwachsraten optimistisch." Während der Anteil im Jahr 2010 noch bei knapp vier Prozent lag, habe er sich bis heute mehr als verdoppelt. Bei der Jugendfeuerwehr lege er schon bei mehr als 20 Prozent.