Mercedes-Benz will die Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden erhöhen. Das bestätigte das Unternehmen dem SWR am Freitagabend. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Die längere Arbeitszeit solle ohne Lohnausgleich gelten, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf Insider im Umfeld des Stuttgarter Konzerns.
Diskutiert werde demnach, ob die 38-Stunden-Woche dauerhaft oder befristet eingeführt werden soll. Der Betriebsrat betonte am Freitagmittag noch gegenüber dem SWR, dass dazu bislang weder etwas verhandelt noch vereinbart worden sei.
Autobauer in der Krise Massives Sparprogramm: Will Mercedes damit gezielt Beschäftigte vergraulen?
Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz will mit einem Sparprogramm aus der Krise. Manche vermuten: Damit will der Konzern aber auch Arbeitsplätze gezielt unattraktiv machen.
Ohne Senkung der Arbeitskosten sei Mercedes nicht wettbewerbsfähig
Drei Stunden mehr für gleichen Lohn? Das fordert die Konzernleitung des Stuttgarter Autobauers. Ein Sprecher erklärte gegenüber dem SWR, Mercedes-Benz spreche mit der Arbeitnehmerseite darüber, wie gemeinsam tragfähige Lösungen gefunden werden könnten, die die Wettbewerbsfähigkeit stärkten. Dazu gehöre auch eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen aber derzeit noch.
Bislang sind laut Mercedes-Benz die strukturellen Kosten in Deutschland - einschließlich der Arbeitskosten - im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu erhöhen, sei aus Sicht des Unternehmens "der direkteste und fairste Weg", diese Kosten zu senken, so ein Sprecher im "Handelsblatt". Es gehe darum, die starken Wurzeln von Mercedes-Benz in Deutschland langfristig zu sichern. Sollten niedrigere Arbeitskosten in Deutschland nicht erreicht werden, droht das Management laut "Handelsblatt" damit, weitere Teile ins Ausland zu verlagern.
"Källenius soll entlassen werden" Zehntausende Mercedes-Beschäftigte protestieren gegen Sparkurs
Bundesweit haben am Freitag tausende Beschäftigte gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz protestiert. In Baden-Württemberg gab es unter anderem Kundgebungen in Sindelfingen und Rastatt.
IG Metall will bei 35 Stunden bleiben
Die IG Metall lehnt eine Abkehr von der 35-Stunden-Woche ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärte mit Blick auf die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie, die Gewerkschaft werde entsprechende Forderungen regionaler Arbeitgeberverbände entschieden zurückweisen. Nach Unternehmensangaben arbeiteten Ende 2025 rund 164.000 Menschen bei Mercedes-Benz, davon etwa 108.000 in Deutschland.
Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal mit seinen Autos deutlich weniger Gewinn gemacht als im Vorjahreszeitraum. Demnach konnten Steigerungen bei den Verkaufszahlen in Europa und den USA einen Einbruch in China nicht ausgleichen. Unterm Strich verdiente Mercedes trotzdem mehr als vor einem Jahr.