Im Ludwigsburger Raserprozess, der momentan vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wird, haben zwei der drei Angeklagten am Dienstag gestanden. Seit Dezember 2025 stehen ein 32-Jähriger, sein 35 Jahre alter Bruder und ihr 25-jähriger Cousin vor Gericht. Sie sollen sich am 20. März in einer Tempo-50-Zone in Ludwigsburg ein Rennen geliefert und dabei ihre Limousinen teils auf bis zu 150 Kilometer pro Stunde beschleunigt haben. Dabei wurde ein anderes Auto gerammt. Die beiden Frauen starben.
Anwalt liest Erklärung des Angeklagten vor
"Ich würde alles dafür geben, das Geschehen ungeschehen machen zu können", ließ der 35-jährige Angeklagten über seinen Anwalt vor Gericht mitteilen. "Mein Verhalten war von Übermut und Selbstüberschätzung geprägt." Weiter erzählte der Angeklagte, es sei ihm nicht egal gewesen, ob Menschen sterben. Ein Hinweis auch an die Anklage. Denn weil ihm versuchter Mord vorgeworfen wird, unterstellt die Staatsanwaltschaft ihm einen Tötungsvorsatz. Das hätte schärfere Strafen als Totschlag zur Folge, inklusive Mordmerkmale wie Heimtücke oder Gemeingefahr.
Geständnis könnte Prozess verkürzen
Die Aussagen des 35 Jahre alten Mannes und seines 25 Jahre alten Cousins könnten den Prozess vor der 19. Schwurgerichtskammer entscheidend verkürzen. Auch der Verteidiger des dritten Angeklagten, des wegen Mordes angeklagten mutmaßlichen Unfallfahrers, kündigte eine Erklärung an. Außerdem boten alle Verteidiger an, auf die Vernehmung weiterer Zeugen zu verzichten. Den Angehörigen würden so weitere belastende Erinnerungen im Gericht erspart.
Gericht und Anwalt reagieren zurückhaltend auf Geständnis
Die Kammer zeigte sich zunächst zurückhaltend. "Ich habe nur eine Frage an Sie", sagte der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann schließlich zu den Angeklagten: "Warum hat das so lange gedauert?" Damit spielt er auf die monatelange Flucht des Mannes an.
Der Anwalt der Nebenklägerfamilien reagierte skeptisch auf die zweite Einlassung des Cousins, der in einem der Autos mitgefahren sein soll: "Es wirkt ein wenig so, als wollten Sie einfach nur den Kopf aus der Schlinge ziehen."
Zwei Frauen starben noch an der Unfallstelle
Der Unfall passierte abends am 20. März 2025. Eine 23 Jahre alte Frau und ihre 22-jährige Freundin waren aus einer Tankstelle in die Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg eingebogen. Plötzlich krachte eine Limousine in ihren Wagen. Das Auto der Frauen prallte auf eine Mauer und blieb zwischen zwei Bäumen hängen. Beide Frauen starben noch an der Unfallstelle.
Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg gilt als "Rennstrecke"
Die Schwieberdinger Straße, in der der Unfall passierte, führt von der Ludwigsburger Innenstadt schnurgerade zur A81. Anlieger sagen, dass dort oft Autos viel zu schnell unterwegs sind. Mittlerweile gilt auf der Schwieberdinger Straße Tempo 40.