Reise als Risiko?

Hantavirus: Das sollte man bei der Urlaubsplanung beachten

Nachdem drei Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff nach einem Ausbruch des Hantavirus gestorben sind, sind viele Menschen verunsichert. Was man jetzt bei der Reiseplanung beachten sollte.

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Von Autor/in Luisa Bleich

Anfang Mai sind drei Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff nach einem Ausbruch des Hantavirus gestorben. Seitdem machen sich viele Sorgen und sind verunsichert, auch hinsichtlich ihrer Urlaubsplanung.

Die unterschiedlichen Typen des Hantavirus

Zuerst einmal ist es wichtig, zu unterscheiden: denn Hantavirus ist nicht gleich Hantavirus. Die Viren sind auf der ganzen Welt verbreitet, es gibt aber verschiedene Virustypen. Nach Angaben des baden-württembergischen Landesgesundheitsamts können je nach Virustyp unterschiedliche Symptome auftreten und die Krankheit kann unterschiedlich schwer verlaufen. Die einzelnen Virustypen unterschieden sich auch in ihrer geografischen Verbreitung. In Südamerika gibt es die Variante "Andes". An diesem Virustyp sind auch die drei Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff gestorben. Das Schiff war unterwegs von Argentinien nach Kap Verde.

In Europa findet man hauptsächlich den Virustyp "Puumala", auch in Baden-Württemberg treten regelmäßig Hantavirus-Erkrankungen mit diesem Typ auf. "Andes" und "Puumala" seien aber nicht miteinander vergleichbar, heißt es von Seiten des Landesgesundheitsamts. "Puumala" hat einen milderen Krankheitsverlauf und kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, sondern nur durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere.

Quarantäne angeordnet Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Kontaktperson ist wieder zu Hause

Eine Person aus Baden-Württemberg war auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius", auf dem es einen Ausbruch des Hantavirus gab. Nun ist sie wieder zu Hause - und dort lange in Quarantäne.

Seit 2021 wurden insgesamt 1.632 "Puumala"-Virus-Fälle an das Landesgesundheitsamt übermittelt. 2021 traten mit 1.198 die meisten Fälle auf, in diesem Jahr ist auch eine Person an den Folgen der Krankheit gestorben. 2026 wurden seit Jahresbeginn 16 Fälle übermittelt. "Es sieht auch gar nicht so aus, als ob wir ein starkes Hantavirus-Jahr bei uns kriegen würden", meint Professor Jörg Latus. Er ist Chefarzt für Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart und forscht seit Jahren zum Hantavirus.

Laut dem Landesgesundheitsamt treten die meisten Erkrankungen in Stadt- und Landkreisen auf, in denen es flächenmäßig sehr viele Buchen gibt. Denn der Virustyp "Puumala" wird über Rötelmäuse übertragen, die in Buchenwäldern heimisch sind und das Virus, wenn sie infiziert sind, über Kot und Urin ausscheiden. Der Stadtkreis Stuttgart gehöre beispielsweise zu den Regionen mit einem hohen Buchenwaldanteil. Auf dieser Webseite kann man bis zum Jahr 2017 zurückverfolgen, welche Landkreise in Deutschland wie stark vom Hantavirus betroffen waren.

Was muss ich beachten, wenn ich meinen Urlaub plane?

Bei der Urlaubsplanung hilft der Blick auf die Webseite des Auswärtigen Amts. Hier findet man für jedes Land eine Übersicht, welche Krankheiten dort auftreten können, welche Gesundheitsgefahren eventuell bestehen und welche Impfungen empfohlen werden. Gegen das Hantavirus gibt es aber keine Impfung. "Man muss sich bewusst machen, dass es in anderen Ländern andere Formen von Hantaviren gibt, die ganz hässlich sind", so Latus. Außerdem sollte bei der Urlaubsplanung klar sein, dass in anderen Ländern auch andere Krankheiten auftreten können. Deswegen sei es wichtig, sich im Voraus zu informieren. Bezogen auf Hantaviren ist es laut dem Professor aber nicht nötig, irgendetwas anders zu machen, wenn man in den Urlaub geht.

Stuttgart

Unterschiedliche Virustypen Hantavirus: Experten geben für BW Entwarnung

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff stellt sich die Frage, ob auch in Baden-Württemberg Infektionen möglich sind. Experten beruhigen.

Wie kann ich mich vor dem Hantavirus schützen?

Hier in Süddeutschland hilft es, wenn man beim Ausfegen seines Gartenhäuschens eine FFP-Maske aufsetzt und am besten gleich nass wischt, empfiehlt Latus. So ist man besser vor den Ausscheidungen geschützt, falls sich eine infizierte Rötelmaus in das Gartenhäuschen verirrt hat. Den Wald zu meiden, aus Angst vor dem Virus, sei aber nicht richtig, meint Latus. Die "Puumala" Variante, die in Baden-Württemberg vorkommen kann, habe einen anderen Verlauf als die südamerikanische Variante "Andes".

Nicht mehr in den Wald zu gehen, weil man Angst hat, eine Hantavirus-Erkrankung zu bekommen, das ist nicht richtig.

Bei der Frage, wie man sich im Urlaub am besten vor einer Infekton schützen kann, hilft ein Blick auf die Webseite des Auswärtigen Amts. Für Argentinien wird hier beispielsweise geraten, den Kontakt zu Tieren und deren Ausscheidungen zu meiden, außerdem den Kontakt zu langsam fließenden Gewässern. Diese könnten mit dem Urin von infizierten Nagetieren verunreinigt sein.

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Sind Kreuzfahrten noch sicher?

Dass das Virus auf das Schiff gelangt ist, spricht laut Latus "auf gar keinen Fall gegen Kreuzfahrten". Auf einem Schiff kämen generell viele Menschen von verschiedenen Orten auf kleinem Raum zusammen. Dieses Risiko sei immer schon da gewesen. Gleichzeitig spräche aber nichts dafür, dass das Virus aktiver oder mutiert sei.

Welche Symptome löst das Virus aus?

Wenn man sich mit dem Virustyp "Puumala" angesteckt hat, hat man laut Latus erstmal grippeähnliche Symptome. "Es beginnt mit Fieber, mit Gliederschmerzen, man fühlt sich richtig beschissen." Bei besonders schweren Verläufen können die Nieren versagen. Latus gibt aber auch Entwarnung: "Es gibt ganz, ganz viele Erkrankungen, die viel, viel häufiger sind, als eine Hantavirus-Infektion", so Latus. Deshalb gelte, wenn man im Urlaub krank werden sollte: "Ruhe bewahren und nicht gleich denken 'Ich habe eine Hantavirus-Infektion'."

Droht ein neuer Lockdown?

Auch wenn auf Social-Media-Plattformen manche Nutzerinnen und Nutzer einen Lockdown 2.0 wie zu Corona-Zeiten befürchten - Latus beruhigt: Das Hantavirus sei eine "komplett andere Liga". "Es wird keinen neuen Lockdown wegen Hantaviren geben", so Latus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte ebenfalls bereits Entwarnung gegeben. Die Patienten des Kreuzfahrtschiffes würden jetzt isoliert werden, erklärt Latus. Gleichzeitig warnte er davor, dass die Patienten nicht stigmatisiert werden dürften.

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Eine Person aus Baden-Württemberg war auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius", auf dem es einen Ausbruch des Hantavirus gab. Nun ist sie wieder zu Hause - und dort lange in Quarantäne.

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Gliederschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit: Im Sommer kann dahinter auch das Hantavirus stecken. Es kommt vor allem im Südwesten vor - und kann besonders die Nieren angreifen. 

Doc Fischer SWR

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Luisa Bleich
SWR Reporterin Luisa Bleich

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