Heute startet "Pumuckl und das große Missverständnis" in den Kinos. Beim neuen Film über den Kult-Kobold hat die Ludwigsburger Animationsfirma "Studio Soi" wieder mitgewirkt. Die Leitung hatte dabei Tamara Lutiger.
SWR Aktuell: Frau Lutiger, wie kann man sich als Laie die Arbeit vorstellen, Pumuckl zu animieren?
Tamara Lutiger: Man macht Bild für Bild die Bewegung von einem Charakter, so dass er sich dann schlussendlich bewegt. Also meistens spricht man von Sekunden, die wir animieren. Man sitzt am Computer und bastelt sich die Posen. Dadurch entsteht eine Bewegung. Wenn zum Beispiel Pumuckl von A nach B geht, muss man innerhalb dieser drei Sekunden all diese Zwischenbilder machen, bis er auf Punkt B ankommt.
SWR Aktuell: Jetzt arbeiten Sie und das Team mit einem dreidimensionalen Charakter - Pumuckl aber kommt zweidimensional daher. Wie funktioniert das, was ist daran die Schwierigkeit?
Lutiger: Das Technische! Denn 3D sieht eben nicht aus als wäre es 2D, das muss man erarbeiten. Das ist schwer, weil die Programme recht limitiert sind - und da muss man diese Grenzen ein bisschen sprengen. In der Animation sollte man sich klarmachen: Es muss so aussehen, als wäre es von Hand gezeichnet. Deshalb muss ich umdenken und nicht 3D, sondern in meinem Kopf 2D animieren, damit es wie gezeichnet wirkt.
Sprich: Man muss die Posen nochmal erarbeiten. Man kann nicht einfach etwas zeichnen und dann den Computer machen lassen, sondern: Man muss selbst die Posen verfeinern. Dann entsteht dieses Gefühl von 2D.
Wie entsteht ein Comicfilm? – Felix Nussbaum
Der Film begleitet die Entstehung eines ganz besonderen Comicfilms: Er basiert auf Entwürfen des Künstler Felix Nussbaum aus den 1930er Jahren.
SWR Aktuell: Was ist die Herausforderung an der frechen Figur Pumuckl?
Lutiger: Ich glaube, das ist dieser recht "cartoonige" Stil. Denn wir machen diese Bewegung nicht möglichst realistisch, sondern stilisieren Bewegung. Das heißt, manchmal gibt es ein einzelnes Bild, das ein bisschen länger ist. Damit bekommt man ein Gefühl von einem Verwischen, wenn sich Pumuckl schneller bewegt.
Das ist die Herausforderung: diesen Stil, dieses "Cartoonige" und Lustige reinzubringen, damit man dem Charakter auch getreu bleibt.
Pumuckl ist bekannterweise sehr frech. Manchmal gibt es aber diese Momente, wo er sehr einfühlsam sein soll. Er ist traurig oder ihm ist etwas zugestoßen. Diese Szenen sind dann die größere Herausforderung, weil sie so authentisch wie möglich wirken müssen.
SWR Aktuell: Kann man beziffern, wie lange es dauert, eine Sekunde Pumuckl zu animieren?
Lutiger: Oh Gott, es kommt wirklich darauf an, was Pumuckl in dieser Sekunde macht. Also wenn es komplexere Bewegungen sind wie eine Drehung oder ein Sprung, kann das schon einen halben bis ganzen Tag dauern. Wenn es nicht so kompliziert ist, braucht es manchmal nur eine Stunde.
SWR Aktuell: Haben Sie selbst einen Bezug zu Pumuckl?
Lutiger: Ich hatte als Kind "Pumuckl und der blaue Klabauter" auf Videokassette. Ich erinnere bis heute gerne mich an den Film. Für mich war es deshalb besonders spannend, als Erwachsene daran arbeiten zu dürfen. Denn dadurch habe ich auch einen Bezug zu diesem Charakter. Jetzt die Animation zu leiten, das war super.
Ich glaube, es ist der Traum jedes Animators, mal an etwas zu arbeiten, das man als Kind gesehen hat - richtig cool!
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SWR Aktuell: Seit gut drei Jahren leben Sie in der Region Stuttgart. Wie gefällt es Ihnen denn?
Lutiger: Ich finde es super schön hier. Stuttgart ist jetzt nicht meine Lieblingsstadt (lacht), aber Ludwigsburg ist schon echt heimelig und es gefällt mir hier! Vor allem, wenn größere Projekte im Studio anstehen.
Tamara Lutiger ist 31 Jahre alt und kommt aus dem schweizerischen Luzern. Sie hat in Dänemark Animation studiert und arbeitet seit dreieinhalb Jahren für das "Studio Soi" in Ludwigsburg.