20 Jahre La.Meko – Kurzfilmfieber in Landau
In Landau laufen in dieser Woche wieder Filme, die man sonst gar nicht so leicht zu sehen bekommt: kurz, kreativ – und manchmal ganz schön schräg.
Das Internationale Kurzfilmfestival La.Meko feiert in diesem Jahr seine 20. Jubiläumsausgabe – und das mit einem neuen Rekord. Über 1900 Filme aus rund 100 Ländern wurden eingereicht, so viele wie noch nie. Nach unzähligen Sichtungen haben es 75 Kurzfilme aus 26 Ländern ins Programm geschafft.
Von der Uni-Idee zum internationalen Festival
Was einst als studentisches Projekt der Universität Landau begann, ist heute ein international beachtetes Festival. Der ungewöhnliche Name „La.Meko“ geht auf die Fachschaft Medienkommunikation zurück: Aus „Fameko“ wurde „La.Meko“ – mit einem Augenzwinkern und Landau-Bezug. Geblieben ist der studentische Geist: viel Idealismus, wenig Bürokratie und ganz viel Leidenschaft fürs Kino.
„Das Besondere an unserem Festival ist, dass alles handgemacht ist und mit Herzblut gemacht wird“, sagt Moderator Olaf Kapitz, der seit vielen Jahren dabei ist.
Wir machen das, weil wir Filme lieben – und das spürt man auch. Unser Publikum, aber auch unsere Gäste aus dem In- und Ausland, kommen immer wieder gern, weil es bei uns einfach so besonders ist.
Matinee und Langfilmpremiere zum Jubiläum
Den Auftakt zum 20. Jubiläum bildet eine Matinee, in der die Ergebnisse der Filmworkshops gezeigt werden. Am Sonntagabend lädt das Festival dann zur Deutschlandpremiere von „Paul and Paulette Take a Bath“ von Jethro Massey ein. Der mehrfach ausgezeichnete La.Meko-Preisträger und enge Freund des Festivals ist persönlich anwesend.
Der unkonventionellen, romantischen Film wurde unter anderem mit dem Cinema & Arts Award bei den Filmfestspielen in Venedig 2024 ausgezeichnet. Im Film begegnet ein junger amerikanischer Fotograf in Paris einer Französin mit Vorliebe für das Makabre – ein düsteres Spiel zwischen Realität und Fantasie entfacht eine ungewöhnliche Beziehung.
Filme zwischen Witz, Wucht und Weltoffenheit
Die Filme beim La.Meko sind zwischen einer und 30 Minuten lang. Die große Auswahl sorgt in diesem Jahr für ein besonders hohes Niveau, sagt Vorstandsmitglied Andreas Berg.
Wir haben auch ein Herz für regionale Filme. Die haben bei uns immer einen festen Platz, weil sie es oft schwerer haben, mit internationalen Produktionen mitzuhalten.
Gezeigt wird fast alles, was sich in Kurzform erzählen lässt: Animation, Experimentalfilm, Komödie, Musikclip oder Drama. Zu sehen ist etwa die skurrile Komödie „Smoke Gets In Your Eyes“ aus Singapur, in der eine Urne verwechselt wird, oder „Oro rojo“ aus Spanien, ein dokumentarischer Animationsfilm über den Protest marokkanischer Erdbeerpflückerinnen in Huelva.
Publikum statt Jury
Wer beim La.Meko gewinnt, entscheidet keine Jury, sondern das Publikum. Nach jedem Filmblock werden Stimmzettel ausgefüllt – am Ende steht fest, wer in den regionalen, nationalen und internationalen Kategorien das Rennen macht.
„La.Meko ist nahbar – wir wollen, dass unser Publikum die Filme nicht nur schaut, sondern mitredet und mitfühlt“, erklärt Berg. Diese Mitmachstruktur ist ein wichtiger Teil der Festivalphilosophie.
Herzliche Begegnungen und lange Wege
Zur Preisverleihung am letzten Tag reisen traditionell viele Filmemacherinnen und Filmemacher nach Landau. Eingeladen werden sie meist von Vorstandsmitglied Heike Koch, für die solche Begegnungen den besonderen Zauber des Festivals ausmachen:
Wir haben Rumänen eingeladen – die haben sich einfach ins Auto gesetzt und sind den ganzen Weg hierhergekommen. Das war ganz toll. Und hinterher hieß es: ‚Ach, ihr Deutschen seid ja gar nicht so gefühllos, gar keine Maschinenmenschen.‘ Solche Momente, in denen Vorurteile aufbrechen, gefallen mir besonders gut.
Den weitesten Weg hat in diesem Jahr der Kasache Samgar Rakym mit seiner Komödie „Koshe Aqyny“, in der ein traditioneller Dichter Parallelen zwischen alter Kunstform und dem Rap seines Sohnes entdeckt.
Filme mit Haltung – und Humor
Auch das diesjährige Programm spiegelt die kreative Vielfalt wider: introspektive Dramen, schrille Musikclips, Knetfigurenfilme oder medienkritische Experimente. Unter den 29 deutschen Beiträgen sind etwa „StatGlasses“ von Rayne Rettich, ein Stummfilm über KI und den Verlust der Selbstbestimmung, sowie „Lines“ von Martin Schmidt, ein visuelles Farbduell zwischen Rot und Dunkelblau.
Viele Filme erzählen leise Geschichten, andere experimentieren wild mit Form und Ton. Doch fast alle eint: Sie kommen von unabhängigen Filmemacherinnen und Filmemachern, oft mit geringem Budget, aber großer kreativer Freiheit.
Musik, Gespräche und Festivalfeeling
Im Jubiläumsjahr darf extra viel gefeiert werden. Zwischen den Filmblöcken treten im Foyer des Universum-Theaters jeden Abend Bands auf – der Eintritt zu den kleinen Konzerten ist frei. Die Filmblöcke starten täglich um 18 Uhr und 21 Uhr.
Nach den Vorführungen nehmen viele der eingeladenen Regisseure noch auf dem Festivalsofa im Kinosaal Platz – zum Gespräch mit Moderator Olaf Kapitz. Für ihn ist das „das Schönste am Festival – die Nähe zwischen Publikum und Filmschaffenden. Man spürt sofort, dass hier echte Begeisterung im Saal ist.“
Kreative Workshops und studentische Wurzeln
Zum Jubiläum gab es im Vorfeld außerdem Workshops unter dem Motto „La.PumsFi – Landauer Publikum macht selbst Filme“: Vom 48-Stunden-Dreh „Schlaflos in Landau“ bis zu Super-8-Experimenten mit der Berliner Filmkünstlerin Dagie Brundert. So bleibt das Festival seinem Entstehungsgeist treu – offen, experimentell und immer ein bisschen verspielt.
Nach einer Pause im vergangenen Jahr ist La.Meko also stärker zurück als je zuvor. Ein Festival, das längst internationale Strahlkraft hat – und trotzdem tief in Landau verwurzelt bleibt.
Oder, wie Olaf Kapitz sagt: „Wir machen das, weil es Spaß macht – das ist unser Lohn. Und das Publikum merkt genau das.“