Stuttgart hat eine lange Hip-Hop-Tradition. Das Rap-Kollektiv "Junge Arbeiter" erzählt aber nicht wie viele andere Rapper vom "harten Leben auf der Straße". Ihre Songs sind nach eigenen Angaben von Dankbarkeit und Liebe geprägt. Und damit haben sie auch Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) geknackt, der sie sogar ins Rathaus eingeladen hat. Denn in einem ihrer Songs haben sie Teile einer Rede von Nopper über die Landeshauptstadt verwendet.
Song über Stuttgart: Sogar Oberbürgermeister Nopper ist Fan
Der Song "Stuttgart" kommt nicht nur beim Oberbürgermeister gut an. Auf Instagram hat er über 500.000 Aufrufe. Wenn es nicht um Stuttgart geht, handeln die Songs der "Jungen Arbeiter" vom Aufwachsen als Kinder von Gastarbeiterfamilien, von Ehrgeiz und von Zusammenhalt.
Hinter dem Hip-Hop-Kollektiv stehen die Rapper Mohammed-Ali Akyüz, genannt Mo, Marcel-Dennis Çiğ, genannt Marci, und Theo Chawe, genannt Chawe. Ihre Großeltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland. Das habe sie geprägt, erzählt Mo: "Wir sind Kinder von Arbeitern und haben die Mentalität schon sehr früh gelernt, wie wichtig es ist, fleißig zu sein, zu arbeiten".
Musik der "Jungen Arbeiter" soll Werte vermitteln
"Dankbarkeit, Respekt, Liebe, Ehrlichkeit, das sind so die Keywords, die man von zu Hause mitbekommen hat, die wir auch weiter ausleben," so Marci. Mit ihrer Musik wollen die drei diese Werte weitergeben - und gleichzeitig ihren Großeltern und der Gastarbeitergeneration Sichtbarkeit verschaffen.
Uns war es wichtig, einfach dem Schmerz, den die gelebt haben, der Arbeit, die sie geleistet haben, nochmal Sichtbarkeit zu geben.
Denen eine Stimme geben, die oft mehr leisten müssen
Ein zentrales Motiv in ihrer Musik ist auch die Frage nach Heimat. Dabei geht es ihnen nicht nur um sich selbst. Die "Jungen Arbeiter" stehen nach eigenen Worten für eine junge Generation, die wegen ihrer Herkunft oft das Gefühl hat, mehr leisten zu müssen, um das Gleiche zu erreichen.
Die drei kritisieren, dass ihnen über Generationen vermittelt wurde: "Ihr müsst mehr machen und nur dann bekommt ihr das." Mo hält dagegen: "Wenn wir mehr machen, dann bekommen wir auch mehr. Und wenn wir gleich viel machen, dann sollten wir auch gleich viel bekommen." Das sei leider aber nicht die Realität. Mit ihrer Musik und ihren Veranstaltungen wollen die "Jungen Arbeiter" etwas daran ändern.
Stuttgart: Bei Partys ist jeder willkommen
Früher kamen die drei nach eigener Aussage oft nicht in Clubs. Heute organisieren sie selbst Partys, bei denen jeder willkommen ist. "Wir möchten Leute zusammenbringen, wir möchten Geschichten erzählen, die Realität aussprechen und authentisch über das reden, was bei uns passiert", erklärt Marci. Es soll eine Gemeinschaft entstehen, in der die Herkunft keine Rolle spielt.
Die "Jungen Arbeiter" leben auch die Stuttgarter Mentalität: "Schaffe, schaffe, Häusle baue, junge Arbeiter, wir sind da!", ruft Marci im perfekten Schwäbisch im Interview. Das Schwäbische verbindet die drei auch mit dem Oberbürgermeister:
Natürlich, am Ende des Tages ist er Bürgermeister, aber er ist auch ein Schwabe.
Sie und Nopper hätten bei ihrem Treffen viel gelacht, erzählen die drei Jungs. Seit der Veröffentlichung ihres Songs "Stuttgart" hätten ihnen viele Menschen geschrieben, "seit dem Song wäre ich gerne aus Stuttgart", erzählt Mo. Genau das sei ihr Ziel gewesen.