Auch Landwirten wie Lea Hettler macht der Iran-Krieg zu schaffen. Hohe Sprit- und Düngerpreise könnten sich auf die kommenden Jahre auswirken. Die Landwirtin überlegt, ob sie ihren Anbau umstellen soll. Andere Landwirte denken darüber nach, Äcker brachzulegen. Das muss für den Boden nicht das schlechteste sein, sagen Wissenschaftler.
Landwirtin: Dünger und Sprit noch rechtzeitig gekauft
Lea Hettler steht mit ihrem Vater Hans-Martin in ihrer Scheune in Eberdingen (Kreis Ludwigsburg). Neben einem Mähdrescher, einem Traktor und gelagertem Weizen steht auch ein Anhänger in der Halle. "Der ist mit Dünger beladen", erklärt Lea Hettler. 35,50 Euro für 100 Kilo. "Noch rechtzeitig gekauft", sagen die beiden. Inzwischen ist der Preis um fast 10 Euro gestiegen.
Auch beim Diesel haben sie ihre Vorräte aufgefüllt, als es noch günstiger war. Doch irgendwann sind die gelagerten Dünger- und Dieselbestände aufgebraucht. "Die Märkte kann man überhaupt nicht einschätzen", sagt Hans-Martin Hettler. "Wird es noch teurer? Wird es wieder günstiger? Das ist schwierig."
Man überlegt sich mit dem Traktor schon zweimal, was man gerade machen muss. Und fährt bewusster.
Dieselpreise auch für Landwirte teuer
Zwar bekommen die Landwirte rund 21 Cent pro Liter über die Energiesteuer zurückerstattet. Aber das erst am Jahresende, nachdem ein Antrag eingereicht wurde. "Das heißt: Wir zahlen aktuell den gleichen Preis, wie der Privatverbraucher auch", sagt Lea Hettler.
Lohnt es sich, die Äcker brachzulegen?
Manche Landwirte denken darüber nach, ihre Äcker brachzulegen. Das hat Lea Hettler, die im Kreisbauernverband aktiv ist, auch mitbekommen. "Wir haben die Möglichkeit dadurch Biodiversität zu erhöhen. Man kann dann Prämien bekommen." Wenn man die Ackerflächen zum Beispiel mit einer Bienenweide einsät. Für Landwirte stellt sich dann die Frage, ob sich die Investition in Diesel und Dünger überhaupt lohnt, oder man über einen brachen Acker mehr verdienen kann.
Auch dem Boden würde das nicht schaden, sagt Torsten Müller, Professor für Düngung und Bodenstoffhaushalt an der Universität Hohenheim. "Der Boden erholt sich, die Bodenbiologie. Aus bodenkundlicher Sicht ist das positiv zu sehen." Müller sagt aber explizit, dass er damit nicht eine Empfehlung für Landwirte aussprechen will, denn: "Aus ökonomischer Sicht wäre das für Landwirtinnen und Landwirte ein Desaster." Für manche aber wohl ein Desaster, um ein noch größeres finanzielles Desaster zu verhindern, sagt Lea Hettler. Sie und ihr Vater wollen aber diesen Schritt nicht gehen.
Landwirtschaftsminister will Landwirte entlasten
Peter Hauk (CDU), Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, fordert von der Bundesregierung mit weiteren Maßnahmen gegenzusteuern. "Hierzu gehört die umgehende Senkung der Energiesteuer, ein Spritpreisdeckel sowie ein Bundeskartellamt, das gegen die Preistreiberei der Mineralölkonzerne einschreitet und diese unterbindet", so Hauk. Das würde auch der Landwirtschaft helfen. "Die langfristigen Auswirkungen von anhaltend hohen Preisen bleiben jedoch noch unklar", heißt es vom Ministerium auf SWR-Anfrage. Aufgrund der globalen Auswirkungen auf die Düngemittel- und Energiemärkte sei mit Auswirkungen auf die internationalen Agrarmärkte zu rechnen, die jedoch noch nicht absehbar seien.
Blick in die Zukunft und Hoffnung auf Besserung
Familie Hettler will in die Zukunft blicken: "Wir überlegen auch, ob wir in den nächsten Jahren anders anbauen, als aktuell". Denn aktuell bauen sie hochwertigen Weizen an, der mehr Dünger und Diesel verbraucht, als andere Pflanzen. "Die Lebensmittelpreise steigen zwar auch in den Supermärkten. Aber bei uns kommt davon nichts an. Wir haben immer noch den selben Preis, der ändert sich aber nicht."
Natürlich hoffen Lea und Hans-Martin Hettler, dass die Politik ihnen bei dieser Problematik hilft. Aber in Bezug auf die Diesel- und Düngerpreise wollen die beiden realistisch sein. "Politik hat nur einen gewissen Spielraum. Ist auch schwierig für die Politik", sagt Hans-Martin. Auch Lea stimmt dem zu. "Wir haben kein innenpolitisches, sondern ein außenpolitisches Problem, nämlich den Iran-Krieg."