Ein weißer Kleintransporter mit der Aufschrift "Mobile Jugendarbeit" fährt auf den Platz vor der Stuttgarter Oper. Simon Fregin und seine Kollegin steigen aus. Als erstes wird ein Teppich ausgerollt. Dann kommen Stühle, Bierbänke und Tische. "Wir wollen es ein bisschen gemütlich gestalten", sagt Sozialarbeiter Simon Fregin. Jeden Donnerstag ist die mobile Jugendarbeit hier. Aber nicht immer hat es bis zu 30 Grad, wie an diesem Tag. Die Streetworker merken: Die Hitze macht sich auch bei ihrer Arbeit bemerkbar.
Hitze erhöht das Konfliktpotential unter jungen Menschen
Kaum stehen die Stühle, kommen zwei Kinder, um die zehn Jahre alt. Ihre Eltern sind auch hier irgendwo, sagen sie. Offenbar ist ihnen langweilig. Sie erzählen von ihrem letzten Urlaub, spielen ein bisschen Ball mit Simon Fregin. Es bleibt entspannt. "Die suchen einfach jemanden, der sich mit ihnen beschäftigt", sagt der Streetworker.
Simon Fregin ist nicht alleine am Stuttgarter Eckensee. Von verschiedenen Organisationen sind Vertreterinnen und Vertreter da: eine Suchtberatung, eine ukrainische Hilfsorganisation und eine Beratungsstelle speziell für Menschen unter 21 Jahren. Die große Hitze der vergangenen Tage und Wochen spüren auch sie - bei sich selbst und bei vielen jungen Menschen, mit denen sie sprechen. Das Konfliktpotential wächst.
"Bei über 30 Grad sind wir alle gestresster"
"Die Zündschnur wird kürzer, je gestresster mein Körper ist", sagt Simon Fregin. "Das heißt, wenn es hier mal über Tage hinweg, wie es ja war, über 30 Grad hat, sind wir alle gestresster. Und dann treffen gestresste Menschen auf gestresste Menschen, die sich um wenige Schattenplätze ja irgendwann auch kabbeln müssen." Die Street Worker müssten dann sehr genau in den Gesprächen zuhören und auf Nuancen achten.
Hitzephase erinnert den Street Worker an die Corona-Zeit
Vor allem die anhaltende Hitze Ende Juni mit Temperaturen an die 40 Grad hat den Sozialarbeiter sehr an die Corona-Zeiten erinnert. Damals seien Alte und Kranke von der Situation betroffen gewesen, "und die Menschen, die halt nicht einen Wohnraum haben, der das aushält". Menschen, die nicht zu Hause sein können, weil sie keinen Rollladen haben oder eben weil das Zuhause auch nicht sicher für sie sei.
Auch bei Hitze haben wir ein soziales Thema in der Stadt.
Die Streetworker in der Stuttgarter City passen während heißer Tage ihr Angebot an: Sie bieten zum Beispiel Wasser an - das wird auch an diesem Tag vor der Stuttgarter Oper immer wieder gern angenommen.
Was sagen die Jugendlichen?
Immer wieder bleiben junge Menschen am Stand der mobilen Jugendarbeit stehen. Manche wollen hier nur ihr Handy aufladen, andere interessieren sich für die Angebote. Einer von ihnen ist der 20-jährige Toby Raistick. Er hält ein Skateboard in der Hand. Stuttgart sei nicht so schlimm wie andere Städte, sagt er. Einige Skate-Anlagen würden tatsächlich im Schatten liegen.
Es fehlen manchmal Orte, an denen viel Schatten ist, wo Menschen gerne abhängen. Weswegen viele einfach in Kaufhäuser reingehen.
Das beobachtet auch Sozialarbeiter Simon Fregin. Doch auch die Geschäfte seien keine Lösung. "Im Supermarkt kann ich jetzt auch nicht länger als eine halbe Stunde bleiben. Insbesondere, wenn ich nichts kaufe."
Wünsche: Mehr Trinkwasserstellen, mehr Bäume
Unter einem Baum sitzen Katharina und Philipp. Sie blicken auf den Eckensee vor der Oper. Was ihnen fehlt? "Ich würde sagen, es gibt zu wenig öffentliche Trinkwasserstellen. Ich kenne ein, zwei", sagt Philipp. "Und ich würde sagen, es gibt zu wenig Bäume im Park. Dass man sich darunter legen kann für ein entspanntes Picknick." Katharina ergänzt: "Aber ich muss auch sagen, ich meide die Innenstadt, wenn es so heiß ist."
Auch das ist eine Aussage, die Simon Fregin kennt. "Viele kommen und fragen: Simon, kannst du uns aus der Stadt rausbringen? Fahr mit uns ins Freibad - Hauptsache raus aus der heißen Innenstadt."
Regen bringt endlich Abkühlung
Immerhin: Zwar hat es an diesem Tag 30 Grad, aber es geht ein Wind, es fühlt sich nicht so drückend an. Gegen Abend wird es plötzlich hektisch: Dunkle Wolken ziehen auf. Simon Fregin und sein Team räumen schnell alles in den Transporter. Langsam fährt Simon Fregin den weißen Kleintransporter vom Platz. Keine zehn Minuten später geht ein Regenschauer nieder. Ein junger Mann steht ruhig im Regen, die Arme ausgebreitet, und genießt sichtlich die Abkühlung.