7.000 Euro und viele Briefe eingegangen

Stuttgart: Spende von "Schwalbe" löst Welle der Hilfsbereitschaft aus

Vor Weihnachten hat ein Wohnungsloser 200 Euro Pfand für Mütter in Stuttgart gespendet. Das Echo ist enorm. Aus ganz Deutschland schicken Leute Briefe und Pakete an "Schwalbe" - und spenden ebenfalls.

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Stand

Die Spende eines Obdachlosen an alleinerziehende Mütter kurz vor Weihnachten hat in der Region Stuttgart viele Menschen berührt. "Die Reaktionen sind sehr bewegend", sagte Svenja Gruß, Vorständin vom Sozialdienst katholischer Frauen der Diözese Rottenburg-Stuttgart dem SWR. "Unter dem Stichwort 'Schwalbe' sind seitdem rund 7.000 Euro Spenden bei uns eingegangen. Die Spenden lagen zwischen 5 und 1.000 Euro. Wir werden das Geld in Schwalbes Sinne für alleinerziehende Mütter verwenden", so Svenja Gruß.

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"Schwalbe", wie sich der Mann selbst nennt, hatte im Dezember 200 Euro Pfand gesammelt und das Geld dem Sozialdienst katholischer Frauen übergeben. In einem Brief, den er der Spende beigelegt hatte, schrieb er: "Mit dem Geld sorgt bitte dafür, dass alleinstehende Mütter ein etwas schöneres Fest haben." 

Reaktionen: Gutscheine, Wohneinladungen und Burger

Beim Sozialdienst katholischer Frauen in Stuttgart trudelten in den vergangenen Wochen aber nicht nur Geldspenden ein. Viele Menschen aus ganz Deutschland sind beeindruckt von "Schwalbes" Aktion und bieten dem Mann Hilfe an. "Zum Beispiel hat eine alleinerziehende Frau aus Ulm mit einem kleinen Sohn geschrieben, dass Schwalbe bei ihr wohnen könnte", so Gruß. "Die Frau hat eine Dreizimmerwohnung und würde alles vorbereiten, Schwalbe könne direkt einziehen."

Svenja Gruß vom katholischen Sozialdienst zeigt eine Isomatte und einen wasserabweisenden Biwak-Sack, den ein Mann aus Bonn für "Schwalbe" geschickt hat.
Svenja Gruß vom katholischen Sozialdienst zeigt eine Isomatte und einen wasserabweisenden Biwak-Sack, den ein Mann aus Bonn für "Schwalbe" geschickt hat.

Zuletzt kam ein Paket in Stuttgart an. Ein Psychiater aus Bonn, der früher selbst mit Obdachlosen gearbeitet hat, schickt "Schwalbe" eine Isomatte und einen wasserabweisenden Biwak-Sack für den Schlafsack. Svenja Gruß trifft sich immer wieder mit "Schwalbe" und bringt ihm die Sachen und Briefe.

Auch die SWR-Aktuell-Community war von der Aktion bewegt:

Zudem hatte ein lokales Gastronomieunternehmen angekündigt, die Spende von "Schwalbe" an alleinerziehende Mütter um weitere 300 Euro zu erhöhen. Das Team will auch noch 150 Burger spenden. Frau Gruß vom Sozialdienst sagte dem SWR, dass sie die Spende gerne annimmt. Auch die Burger könne man beim Tagestreff der Wohnungsnotfallhilfe speziell für Frauen bestens gebrauchen. "Schwalbe" erhalte selbstverständlich auch einen.

Obdachloser "Schwalbe" freut sich über die Reaktionen

"Schwalbe" selbst war von den Reaktionen gerührt, sagt Svenja Gruß. Er betone aber, dass er nichts brauche. "Schwalbe sagt, es geht ihm gut. Er lebt anders als andere Menschen, aber er hat alles, was er braucht, sagt er", so Gruß. "Er hat die Einstellung: Ich habe alles, was ich brauche, und was ich übrig habe, gebe ich weiter." Bei ihrem letzten Besuch habe "Schwalbe" ihr zum Beispiel eine Packung Süßigkeiten geschenkt für die Frauen, die der Sozialdienst betreut. "Er schenkt uns etwas. Jemand, der aus unserer Sicht wenig hat, teilt mit anderen. Das ist einmalig. So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt."

Kürzungen beim Sozialdienst katholischer Frauen

Für den Sozialdienst katholischer Frauen kommen die Spenden in einer besonderen Zeit. Denn die Haushaltskürzungen der Landeshauptstadt Stuttgart betreffen auch seine Angebote. Der Sozialdienst bietet unter anderem einen Tagestreff für wohnungslose Frauen in Stuttgart an. Außerdem gibt es in einer Mutter-Kind-Einrichtung Wohnplätze für Schwangere und Alleinerziehende, die in einer Krise sind.

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"Wir rechnen damit, dass die Gelder der Stadt Stuttgart für unsere Projekt um zehn Prozent gekürzt werden", so Svenja Gruß - obwohl die Nachfrage steigt. Zum Beispiel beim Tagestreff: Vergangenes Jahr seien etwa 7.000 Frauen zu dem Treff gekommen und damit rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwar gebe es noch andere Treffs für Wohnungslose in Stuttgart.

"Aber wir sind der einzige speziell für Frauen", so Gruß. Viele Frauen, die in den Treff kommen, seien sexuell traumatisiert. Sie könnten nicht in Treffs gehen, wo auch Männer sind, sagt Gruß. Bei der Weihnachtsfeier hätten viele Frauen sie gebeten, die Öffnungszeiten auszuweiten, so Gruß. Deshalb ist Svenja Gruß sehr dankbar für die Spenden, die durch "Schwalbes" Aktion eingegangen sind.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christoph Schöneberger
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Siri Warrlich
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