Das Eisenbahnbundesamt (EBA) hat den Bau des Pfaffensteigtunnels genehmigt. Das bestätigten am Freitag S21-Sprecher Jörg Hamann und eine EBA-Sprecherin dem SWR. Die Röhre soll die Gäubahn aus Zürich, Singen und Horb kommend mit dem Flughafen und somit S21 verbinden. Bislang sind dafür 1,69 Milliarden Euro im Bundeshaushalt eingestellt. Anvisierte Fertigstellung soll 2032 sein. Zuerst hatte die "Stuttgarter Zeitung" von der Baufreigabe berichtet.
Pfaffensteigtunnel: Baubeginn im Februar
Im Februar soll mit dem Bau begonnen werden. Der elf Kilometer lange Pfaffensteigtunnel soll die Gäubahn dann von Böblingen zum Flughafen Stuttgart führen. Im neuen Flughafen-Fernbahnhof, der im Rahmen von S21 gebaut wurde und der sich derzeit im Innenausbau befindet, ist bereits ein "Anschlussstutzen" für den Pfaffensteigtunnel vorgesehen.
Von dort aus sollen sich nun zwei Tunnelbohrmaschinen in Richtung Böblingen auf den Weg machen. Für diesen bergmännischen Vortrieb soll die bestehende Baustellenlogistik nahe Stuttgart-Plieningen genutzt werden - dort greifen S21 und der Bau des Pfaffensteigtunnels direkt ineinander. Von der Gegenseite aus, also aus Richtung Böblingen, ist ein Tunnelbau in offener Bauweise geplant, erklärte S21-Sprecher Hamann.
Kritik an Kosten-Nutzen-Rechnung
Vor einigen Wochen hatte es noch Kritik von zwei S21-kritischen Ingenieuren und dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 gegeben. Sie beklagten, der Pfaffensteigtunnel sei nicht rentabel und die Kosten-Nutzen-Rechnung geschönt. So habe man den durchgehenden zweigleisigen Ausbau der Gäubahn mit in die Kalkulation aufgenommen. Außerdem befürchteten die Kritiker eine Kostenexplosion.
Zweifel an Wirtschaftlichkeit S21: Pfaffensteigtunnel kurz vor Baubeginn in der Kritik
Der Pfaffensteigtunnel soll künftig Fahrgäste aus Zürich und Singen zum Flughafen Stuttgart und in den neuen S21-Tiefbahnhof bringen. Doch Kritiker zweifeln am wirtschaftlichen Nutzen.
Bahn und Land hatten dieser Darstellung dem SWR gegenüber widersprochen. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) begrüßte nun die Baufreigabe: "Bislang ist der neue Anschluss der Gäubahn in vielfacher Hinsicht ein Positivbeispiel dafür, dass Großprojekte auch schnell geplant und genehmigt werden können." So zügig müsse nun auch gebaut werden. Der Pfaffensteigtunnel ist ein Pilotprojekt von "Partnerschaftsmodell Schiene", bei dem von Beginn an alle am Bau Beteiligten eingebunden sind.
Anbindung der Gäubahn an Stuttgart soll gekappt werden
Die Gäubahn-Strecke führt seither über die Panoramabahn vom Bahnhof Stuttgart-Vaihingen über den Nordbahnhof zum oberirdischen Kopfbahnhof. In Zusammenhang mit der Inbetriebnahme von S21 und damit dem Tiefbahnhof soll diese Trasse allerdings gekappt werden. Bis zur Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels soll dann die Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen enden, Reisende müssen von dort auf die S-Bahn zum Hauptbahnhof umsteigen.
Anschluss an Stuttgart 21 Pfaffensteigtunnel: Bundesregierung will 1,69 Milliarden bereitstellen
Über den Tunnel sollen zukünftig die Züge der sogenannten Gäubahn aus Zürich, Singen und Horb zum Stuttgarter Flughafen und dem Stuttgart-21-Tiefbahnhof fahren können.
Das soll allerdings nur eine Interimslösung sein, bis der Pfaffensteigtunnel fertig ist. Mit dieser Direktverbindung werden nicht nur Fernreisende, sondern auch viele Pendlerinnen und Pendler gerade aus den Kreisen Böblingen und Freudenstadt direkt an den Flughafen und Stuttgart 21 angebunden. Der Böblinger Landrat Roland Bernhard (parteilos) begrüßte deshalb die Baufreigabe: Sie sichere dem Kreis Böblingen "langfristig eine schnelle und attraktive Verbindung für diese wichtige Magistrale im Südwesten".