Ein 58-jähriger Geschäftsinhaber steht seit Montag vor dem Landgericht Stuttgart, weil er für einen Brand und eine Explosion in einem Gebäudekomplex in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) verantwortlich sein soll. Mehrere Personen wurden bei dem Vorfall im Januar verletzt und mussten in Kliniken behandelt werden. Weil der gebürtige Schorndorfer in Kauf genommen haben soll, dass bei dem Brand auch Menschen ums Leben kommen könnten, wird ihm unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.
Explosion in Schorndorf durch Benzin und Gas
Die Staatsanwältin las im Gerichtssaal vor, wie sich das Geschehen an jenem Sonntag Mitte Januar nach Ansicht ihrer Behörde zutrug. Der Angeklagte habe im Erdgeschoss des Schorndorfer Gebäudekomplexes ein Geschäft betrieben und dort auch gewohnt. An diesem Sonntagmorgen habe er sich eingeschlossen, Benzin verschüttet und Gas ausströmen lassen, bevor er alles angezündet habe. Bei der dadurch entstehenden Explosion sei eine Außenwand des Gebäudes weggesprengt worden.
Brand nach Explosion in Schorndorf: Sieben Menschen verletzt
Feuer in Schorndorf: Mieter musste springen
Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war dem Angeklagten bewusst, dass im Gebäude mehrere Menschen wohnen oder sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhielten. Dazu zählte beispielsweise ein Mieter und Cafébesitzer im ersten Stock, der zu diesem Zeitpunkt schlief. Dieser habe sich nach der Explosion nur durch einen Sprung aus dem Gebäude retten können und sich dabei am Fuß verletzt. Dem Angeklagten sei es gleichgültig gewesen, dass der Mann theoretisch hätte zu Schaden kommen können, hielt ihm die Staatsanwältin im Gerichtssaal vor.
Auch Kinder waren beim Brand in Gefahr
Zwei Männer, die in einer muslimischen Begegnungsstätte im Gebäude übernachtet hatten, mussten laut Staatsanwaltschaft über einen Balkon fliehen, um sich zu retten. Der Angeklagte habe gewusst, dass die Begegnungsstätte zu dieser Zeit an Wochenenden in der Regel besucht werde. Alle drei Männer atmeten den Angaben zufolge Rauchgase ein und mussten deshalb in Kliniken behandelt werden. Auch eine Mutter mit zwei Kindern wurde den Angaben zufolge aus einer Wohnung im Gebäudekomplex gerettet.
Psychiater soll klären: Welche Rolle spielte Depression?
Als es brannte, habe der Angeklagte das Gebäude verlassen und das Geschehen aus der Nähe beobachtet. Später sei er zurückgegangen und sei von Rettungskräften in eine Klinik gebracht worden, sagte die Staatsanwältin. Mittlerweile hat der Mann nach Angaben seines Verteidigers knapp sechs Monate in Untersuchungshaft verbracht und befindet sich derzeit im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim. Die Staatsanwaltschaft sprach außerdem von einer depressiven Erkrankung des Angeklagten. Beim nächsten Termin soll deshalb ein psychiatrischer Gutachter aussagen, ob sich der Angeklagte am Tag der Tat möglicherweise in einem Zustand der verminderten Schuldfähigkeit befand.
Verteidiger will Öffentlichkeit zunächst ausschließen
Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem Ordner vor dem Gesicht und verfolgte den ersten Prozesstag weitgehend stumm. Nur zu Beginn beantwortete er ein paar Fragen des Gerichts zu seiner Person. Mehr über sich und seinen Werdegang wolle er am kommenden Prozesstag sagen, kündigte sein Verteidiger an. Dieser beantragte zugleich, das Gericht möge dabei die Öffentlichkeit ausschließen, was nun geprüft werden soll. Das Urteil soll frühestens im November fallen.