Mehrere Verletzte durch Brand und Explosion

Nach Großbrand in Schorndorf: Mann in Stuttgart vor Gericht

Hat ein Geschäftsmann in Schorndorf Feuer gelegt? Und war es ihm egal, dass Menschen im Gebäude sind? Das soll nun ein Prozess am Stuttgarter Landgericht klären.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Spöcker

Ein 58-jähriger Geschäftsinhaber steht seit Montag vor dem Landgericht Stuttgart, weil er für einen Brand und eine Explosion in einem Gebäudekomplex in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) verantwortlich sein soll. Mehrere Personen wurden bei dem Vorfall im Januar verletzt und mussten in Kliniken behandelt werden. Weil der gebürtige Schorndorfer in Kauf genommen haben soll, dass bei dem Brand auch Menschen ums Leben kommen könnten, wird ihm unter anderem versuchter Mord vorgeworfen.

Ein Angeklagter im Landgericht Stuttgart hält sich einen Ordner vor das Gesicht. (Archivbild)
Der Angeklagte hielt sich zu Beginn der Gerichtsverhandlung einen Ordner vor das Gesicht. (Archivbild) Christian Spöcker

Explosion in Schorndorf durch Benzin und Gas

Die Staatsanwältin las im Gerichtssaal vor, wie sich das Geschehen an jenem Sonntag Mitte Januar nach Ansicht ihrer Behörde zutrug. Der Angeklagte habe im Erdgeschoss des Schorndorfer Gebäudekomplexes ein Geschäft betrieben und dort auch gewohnt. An diesem Sonntagmorgen habe er sich eingeschlossen, Benzin verschüttet und Gas ausströmen lassen, bevor er alles angezündet habe. Bei der dadurch entstehenden Explosion sei eine Außenwand des Gebäudes weggesprengt worden.

Feuer in Schorndorf: Mieter musste springen

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war dem Angeklagten bewusst, dass im Gebäude mehrere Menschen wohnen oder sich zu diesem Zeitpunkt dort aufhielten. Dazu zählte beispielsweise ein Mieter und Cafébesitzer im ersten Stock, der zu diesem Zeitpunkt schlief. Dieser habe sich nach der Explosion nur durch einen Sprung aus dem Gebäude retten können und sich dabei am Fuß verletzt. Dem Angeklagten sei es gleichgültig gewesen, dass der Mann theoretisch hätte zu Schaden kommen können, hielt ihm die Staatsanwältin im Gerichtssaal vor.

Ein Feuerwehrfahrzeug steht vor dem abgebrannten Gebäude in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis). Stundenlang hatten die Einsatzkräfte gegen die Flammen angekämpft. Sieben Menschen wurden verletzt.
Einsatzkräfte der Feuerwehr löschten stundenlang das brennende Gebäude in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis). Sieben Menschen wurden bei dem Brand des Wohn- und Geschäftsgebäudes verletzt. picture alliance/dpa | Jan-Philipp Strobel

Auch Kinder waren beim Brand in Gefahr

Zwei Männer, die in einer muslimischen Begegnungsstätte im Gebäude übernachtet hatten, mussten laut Staatsanwaltschaft über einen Balkon fliehen, um sich zu retten. Der Angeklagte habe gewusst, dass die Begegnungsstätte zu dieser Zeit an Wochenenden in der Regel besucht werde. Alle drei Männer atmeten den Angaben zufolge Rauchgase ein und mussten deshalb in Kliniken behandelt werden. Auch eine Mutter mit zwei Kindern wurde den Angaben zufolge aus einer Wohnung im Gebäudekomplex gerettet.

Von dem abgebrannten Wohn- und Geschäftshaus in Schorndorf steht nicht mehr viel. Ausgebrannte Autos stehen vor der Ruine.
Bei einem Brand in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) ist ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Mehrere Menschen wurden verletzt und verloren ihr Dach über dem Kopf.

Psychiater soll klären: Welche Rolle spielte Depression?

Als es brannte, habe der Angeklagte das Gebäude verlassen und das Geschehen aus der Nähe beobachtet. Später sei er zurückgegangen und sei von Rettungskräften in eine Klinik gebracht worden, sagte die Staatsanwältin. Mittlerweile hat der Mann nach Angaben seines Verteidigers knapp sechs Monate in Untersuchungshaft verbracht und befindet sich derzeit im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim. Die Staatsanwaltschaft sprach außerdem von einer depressiven Erkrankung des Angeklagten. Beim nächsten Termin soll deshalb ein psychiatrischer Gutachter aussagen, ob sich der Angeklagte am Tag der Tat möglicherweise in einem Zustand der verminderten Schuldfähigkeit befand.

Vor einem Saal im Landgericht Stuttgart hängt eine Info, dass es im Prozess um versuchten Mord geht.
Geht es nach dem Verteidiger, soll der nächste Prozesstag nicht-öffentlich sein. Christian Spöcker

Verteidiger will Öffentlichkeit zunächst ausschließen

Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem Ordner vor dem Gesicht und verfolgte den ersten Prozesstag weitgehend stumm. Nur zu Beginn beantwortete er ein paar Fragen des Gerichts zu seiner Person. Mehr über sich und seinen Werdegang wolle er am kommenden Prozesstag sagen, kündigte sein Verteidiger an. Dieser beantragte zugleich, das Gericht möge dabei die Öffentlichkeit ausschließen, was nun geprüft werden soll. Das Urteil soll frühestens im November fallen.

Schorndorf

Millionenschaden entstanden Nach Großbrand in Schorndorf: 57-jähriger Hausbewohner festgenommen

Nach einer Explosion ist ein Haus in Schorndorf Mitte Januar abgebrannt. Sieben Menschen wurden dabei verletzt. Jetzt wurde ein Mann festgenommen.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Schorndorf

Bevölkerung soll helfen, Ursache zu finden Großbrand in Schorndorf - Polizei schließt Brandstiftung nicht aus

Nach einer Explosion und einem Feuer in Schorndorf sucht die Polizei weiter nach der Ursache. Nichts wird ausgeschlossen - auch Brandstiftung ist eine Option.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Schorndorf

Nach Explosion und Brand Schorndorf: Schwerverletzten ins künstliche Koma versetzt

Nach einer Explosion in Schorndorf ist ein schwerverletzter Mann außer Lebensgefahr. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen. Betroffene wissen nicht, wie es weitergeht.

SWR4 am Abend SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christian Spöcker
Christian Spöcker, SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!