Nach dem Rassismus-Vorfall an der Stuttgarter Merz Schule hat Comedian und Podcaster Aurel Mertz die Schule und die Reaktion des Schulleiters kritisiert. Bei einem Sommerfest hatte eine Gruppe von Schülern beim Lied "L'Amour toujours" von Gigi D'Agostino die rassistische Parole "Deutschland, den Deutschen, Ausländer raus" skandiert. Im Interview mit dem SWR räumte Schulleiter Frederik Merz die Vorfälle ein, erklärte jedoch, dass diese Rufe zur Schule überhaupt nicht passen.
Aurel Mertz sieht "lange Tradition" von Rassimus in Stuttgarter Merz Schule
Diese Aussage sorgt bei Aurel Mertz für Ärger, der nach eigenen Aussagen selbst auf der Schule war. "Zum Kotzen, 20 Jahre später zu sehen, dass sich da nichts geändert hat, und noch mehr zum Kotzen finde ich, dass man sich jetzt hinstellt und so tut, als hätte man davon nichts gewusst", sagte der Influencer und Comedian.
Mertz sei selbst mit Unterstützung eines Stipendiums auf der Privatschule gewesen, die er so beschreibt, dass es alles "wahnsinnig reiche Kinder" seien. "Wenn man sich als Schulleiter jetzt so naiv hinstellt und sagt: 'Ja, eigentlich hat sowas auf unserer Schule keinen Platz und es tut uns leid', dann greift das viel zu kurz, weil das hat eine lange Tradition, dass diese Schüler durch die Stadt laufen, rassistisch sind", so Mertz' Kritik an der Reaktion des Schulleiters.
Mertz sieht Versäumnisse der Schule gegen Rassismus
Denn der Comedian hat laut seinen Aussagen selbst Rassismus erlebt, als er dort auf der Schule war. "Ich habe alle rassistischen Erfahrungen, die ich in meiner Jugend gemacht habe, mit Schülern dieser Schule oder auf dieser Schule gemacht", sagte Mertz. Damals sei es um optische und soziale Merkmale gegangen. "Schon harte Kost zu sehen, dass ihr auf diesem Level stagniert seid", sagte der Influencer. Es werde sich nie etwas ändern, wenn die Schule den Kindern nicht ihr Privileg erkläre, dass sie in Wohlstand geboren worden seien. "Dann seid ihr als Schule nicht nur Nebensteher dieses Rassismus, zu diesen volksverhetzenden Aussagen, dann seid ihr wirklich Fahrer des Busses", so der Vorwurf.
Wenn man sich als Schulleiter jetzt so naiv hinstellt und sagt: 'Ja, eigentlich hat sowas auf unserer Schule keinen Platz und es tut uns leid', dann greift das viel zu kurz, weil das hat eine lange Tradition, dass diese Schüler durch die Stadt laufen, rassistisch sind.
Schulleiter kommentiert den Beitrag von Mertz
Unter dem Instagram-Post meldeten sich auch andere ehemalige Schüler und Schülerinnen der Merz Schule, die ähnliche Erlebnisse wie Aurel Mertz beschreiben. Auch Schulleiter Frederik Merz reagierte auf das Posting des Influencers. "Was du beschreibst, macht mich betroffen", schrieb der Schulleiter. Für vieles aus der Vergangenheit trage er keine persönliche Verantwortung, für die Zukunft aber sehr wohl, so Merz. "Mein Wunsch ist, dass aus dieser schwierigen Situation etwas entsteht, das größer ist als Empörung: mehr Aufmerksamkeit füreinander [...] und mehr Mut, gemeinsam für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzustehen."
Die Schule hat den Vorfall laut Schulleiter Merz jedoch aufgearbeitet - und Videos gesichtet. In der Woche danach habe die Schulleitung Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern geführt. Bereits am Abend des Festes habe der DJ das Lied gestoppt, als er die Parolen gehört habe. Ein ehemaliger Schüler, der sie gerufen habe, sei des Platzes verwiesen worden und habe in einem anschließenden Gespräch Reue gezeigt.