"Da ist einer", sagt Dennis zu seinem Kollegen. Mit zügigen Schritten gehen die beiden in der Stuttgarter Innenstadt auf einen Mann zu, der sich gerade eine Zigarette angezündet hat. "Entschuldigen Sie, das ist eine Bushaltestelle, hier ist das Rauchen seit heute verboten", sagt Dennis. Der Mann zeigt sich überrascht, entfernt sich aber zügig.
SSB-Sicherheitsdienst "verwarnt und erklärt"
"Die allermeisten akzeptieren das gleich", sagt Dennis, der seinen Nachnamen nicht nennen will. Er arbeitet für eine Sicherheitsfirma, die im Auftrag der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) für Sicherheit an den Haltestellen der Stadt sorgt - und neuerdings auch dafür, dass dort nicht geraucht wird. Heute sind er und sein Kollege an den Bushaltestellen am Hauptbahnhof unterwegs - um zu "verwarnen und aufzuklären". Bußgelder verhängen dürfen die beiden nicht, dafür müssen sie die Polizei rufen. "Das machen wir nur, wenn einer uneinsichtig ist", sagt Dennis.
"Ja klar war ich überrascht. Ich bin hier doch im Freien!" Robert Schneider ist der Mann, den Dennis gerade angesprochen hat - und er ist verärgert. "Es kommen immer noch mehr Verbote - bald sind wir alle wie Roboter", schimpft der 38-Jährige.
Nichtraucherschutzgesetz in Baden-Württemberg Rauchverbot ausgeweitet: Diese Regeln gelten ab 1. Juni
Baden-Württemberg verschärft das Rauchverbot. Auch E-Zigaretten sind dann betroffen. Welche Regeln gelten dann?
Seit dem 1. Juni gelten in Baden-Württemberg für Raucherinnen und Raucher strengere Regeln. Das Rauchverbot gilt ab jetzt an weit mehr Orten als seither. Und es greift auch insofern weiter, dass nun auch E-Zigaretten, Shishas und Vaporizer unter das Gesetz fallen. An Tag 1 mit der Novellierung zeigt sich in Stuttgart wie in Freiburg, dass diese noch nicht alle Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr mitbekommen haben.
Wie lang ist eine Haltestelle, was gehört alles dazu?
Erika Maradiova ist vor allem eines: verunsichert. Ganz am Rand der Haltestelle steht sie, an einen Bauzaun gelehnt und raucht. "Darf ich hier? Gehört das zur Haltestelle?" Das Risiko ist der 26-Jährigen zu groß, sie drückt die Zigarette aus. Das Verbot findet sie richtig, nur: "Ich erwarte ein großes Schild, auf dem steht, in welcher Entfernung zur Haltestelle ich noch rauchen darf. Sonst breche ich ja ein Gesetz, ohne es zu merken."
Auch Dennis ist sich nicht sicher: "Also bis zu den Fahrradständern würde ich es durchgehen lassen." Zwei Schritte weiter? "Ich persönlich denke, ab da wird es kritisch." Besonders viel Aufklärungsarbeit müssten er und seine Kollegen noch bei jungen Vapern leisten. "Da hören wir ganz oft: Aber ich vape doch nur. Die wollen das noch nicht wahrhaben."
Seither keine Rechtslage für Verbote
Ja, es gebe noch Unsicherheiten und Verbesserungsbedarf. Aber Johannes Waibel, Betriebsleiter der Freiburger Verkehrs AG (VAG), begrüßt die neue Regelung, denn es habe immer wieder viele Beschwerden übers Rauchen an Haltestellen gebeben. "Und bisher konnten wir einfach nichts tun, denn das ist eine öffentliche Anlage, so eine Haltestelle. Jetzt hat der Gesetzgeber das geregelt."
Direkt auf den Hauptbahnhöfen an den Gleisen in Freiburg und Stuttgart ändert sich nichts: Auf Bahnhöfen und Haltepunkten der Deutschen Bahn (DB) ist das Rauchen seit 2007 verboten und nur in gesonderten und besonders gekennzeichneten Bereichen gestattet. Diese werden beibehalten, teilte die DB auf SWR-Anfrage mit.
In Freiburg Hinweisschilder, in Stuttgart Durchsagen
Die VAG hat wie vermutlich alle Verkehrsbetriebe in Baden-Württemberg in den letzten Wochen Mitarbeitende informiert und geschult, Infomaterial erstellt, Haltestellen entsprechend gekennzeichnet. Durchsagen in den Bahnen sind bis jetzt nicht vorgesehen - die gab es hingegen schon in der vergangenen Woche in Stuttgart. Dafür kommen hier die Hinweisschilder erst jetzt nach und nach.
Denn für das Aufstellen von Hinweisschildern an Haltestellen sind die Kommunen beziehungsweise die Busunternehmen zuständig, so der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS). Dies werde nun sukzessive erfolgen.
Fahrgäste reagieren unterschiedlich auf die neue Regelung
"Obwohl ich selbst Raucher bin, finde ich das total super! Das ist besser für Kinder", sagt ein Fahrgast in Freiburg. "Man kann ja weggehen, wenn der Rauch einen stört", sagt hingegen eine junge Frau, die das alles für Überregulierung hält. Viele ärgern sich aber über den Müll und zu wenige Aschenbecher. "Das wird alles nur hingeworfen! Sobald die hier geputzt haben, müssen sie schon wieder putzen!", so eine Frau in Freiburg.
Der Stuttgarter Philipp Adzimahe gehört zu den Angesprochenen, die putzen müssen. Der 31-Jährige arbeitet für den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft in Stuttgart. "Wenn ich Frühschicht habe, ist das einfach Wahnsinn: alles voll." Er und seine Kollegen kämen oftmals nicht hinterher. Das striktere Rauchverbot werde nicht helfen: "Dann werden die Kippen halt 100 Meter weiter weggeschmissen."
Auch Sicherheitsmitarbeiter Dennis in Stuttgart hat Bedenken, obwohl er das Verbot grundsätzlich richtig findet: "Die Polizei wird das zwei Wochen genauer beobachten, und dann geht es weiter wie bisher. Die haben Wichtigeres zu tun."