Aktion im Theater Rampe

"Stop being poor" in Stuttgart: Obdachlose entscheiden, wer 15.000 Euro bekommt

Jeder kann sich für das Preisgeld bewerben und muss dann ein öffentliches Interview durchlaufen. Einer der Juroren erklärt, worauf er bei seiner Entscheidung achtet.

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Im Glaskasten im Theater Rampe in Stuttgart entscheiden seit Donnerstag Obdachlose im Rahmen einer Kunstaktion darüber, wer 15.000 Euro geschenkt bekommt. "Wir haben beschlossen, einer Person 15.000 Euro auszuhändigen", erklärt die Schauspielerin Eva Löbau, die auch durch ihre Rolle im "Tatort" bekannt geworden ist.

Die Schauspielerin Eva Löbau beteiligt sich an der Aktion "Stop being poor" und steht in Unterwäsche unter einem großen Schirm.
Die Schauspielerin Eva Löbau beteiligt sich an der Aktion "Stop being poor".

Durch Interviews 15.000 Euro gewinnen

Zur Ermittlung des Preisträgers oder der Preisträgerin werden sieben Tage lang je 12 Interviews geführt, von denen jedes 20 Minuten dauert. Dabei muss begründet werden, warum man sich für das Preisgeld beworben hat. An jedem Tag gibt es einen Tagessieger. Diese Person zieht anschließend ins Finale ein. Doch nur eine von diesen insgesamt sieben Tagessiegerinnen und Tagessiegern erhält am Ende das Preisgeld von 15.000 Euro.

Roger sitzt in einem Stuhl.
Roger ist obdachlos und Teil der Jury bei "Stop being poor".

Obdachlose entscheiden über Preisträger

Die Interviews finden vor Publikum statt. Eine Strandkulisse soll die sorgenlose Traumwelt symbolisieren. Die Gespräche werden von Obdachlosen geführt. Roger ist einer dieser Entscheider. Er hat eine klare Vorstellung davon, wer das Geld nicht verdient. "Ich mag das nicht, wenn jemand Drogen nimmt, Alkohol nimmt, dem Staat nur auf der Tasche liegt", erklärt der Obdachlose. "Ich lebe nur von meiner Rente, ich beziehe keinen Pfennig vom Staat, deswegen bin ich auf der Straße."

Ein Glaskasten im dunklen Theaterraum.
Die Interviews finden in einem verspiegelten Glaskasten statt. Von innen kann man das Publikum außen nicht sehen. Laura Grabowski
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"Stop being poor": Kunstaktion in Stuttgart

Die Kunstaktion trägt den Titel "Stop being poor", also "Hör(t) auf, arm zu sein". Für den Regisseur Julian Hetzel handelt es sich um ein soziales Experiment. "Was passiert, wenn man die Verhältnisse umdreht?", darum gehe es, erklärt er. Bei "Stop being poor" bekämen Menschen Macht, die sonst keine Macht hätten und unsichtbar seien, indem sie Kulturfördermittel und Steuergelder in die Hand bekämen, "um eine Entscheidung zu treffen, die das Leben einer anderen Person verändern kann", sagt Regisseur Hetzel.

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Reporter/in
Laura Grabowski
Laura Grabowski
Onlinefassung
Christian Spöcker
Christian Spöcker, SWR

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