Wer nicht wie bestellt liefert, muss Geld rückerstatten. So ist das auch bei der Deutschen Bahn (DB) als Anbieter des Betriebs der S-Bahn Stuttgart: 2025 gab es so viele Baustellen wie nie zuvor im S-Bahn-Netz der Region. Und diese sorgen für Abweichungen vom Fahrplan und gravierende Zugausfälle - auch im Zusammenhang mit Stuttgart 21, aber nicht nur. Der Verband Region Stuttgart (VRS), der den S-Bahn-Verkehr bestellt und einkauft, bekommt deshalb für 2025 eine Entschädigung von rund zwei Millionen Euro von der Bahn. Und die Fahrgäste als eigentlich Betroffene?
VRS: Lieber pünktliche S-Bahn als Entschädigung
Das Geld wird jedenfalls nicht, wie vielleicht von einigen erhofft, an die S-Bahn-Nutzerinnen und -Nutzer ausgezahlt. Das bestätigt Daniel Deubel, Leitender Direktor für Wirtschaft und Infrastruktur beim VRS, dem SWR. Insgesamt hat der VRS 2025 sogar 8,2 Millionen Euro von der Bahn erhalten. Von einem großen Teil musste der Verband aber Schienenersatzverkehr (SEV) finanzieren, um ausfallende Züge zu kompensieren. Deshalb bleiben nur diese rund zwei Millionen Euro als tatsächliche Entschädigung. Kein Grund zur Freude, so Deubel: Keine Entschädigungen und dafür zuverlässige S-Bahnen wären dem VRS deutlich lieber.
Uns wäre es am liebsten, wir würden gar keine Entschädigung bekommen, sondern die Bahn würde einfach pünktlich fahren.
Die zwei Millionen Euro will der VRS nun wieder investieren - in eine Verbesserung des SEV. In den vergangenen Jahren habe man davon zum Beispiel sogenannte Schienenersatzverkehr-Kümmerer finanziert, Wegeleitungen optimiert, Stellen geschaffen zur SEV-Koordination und ähnliches. So komme das Geld letztlich den leidgeprüften Fahrgästen zugute. "Für uns ist das Wichtigste, dass die Verkehre besser werden", sagte Deubel. Im Falle einer Auszahlung an die Fahrgäste wären es ohnehin nur wenige Euros, die der Verband pro Person auszahlen würde.
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Verkehrsclub: Geld zu erstatten wäre nur symbolischer Akt
Laut Gero Treuner vom Verkehrsclub Baden-Württemberg wäre eine Auszahlung an die Fahrgäste eh nur ein symbolischer Akt. "Ein voller Ausgleich könnte so eine Entschädigung nicht sein. Dafür sind die Beeinträchtigungen zu groß", sagt Treuner. Er selbst sei momentan überfordert mit den vielen Baustellen-Meldungen und komme nicht mehr hinterher. Die Baustellen-Situation beschreibt Treuner als "dramatisch". Das sehen viele Fahrgäste, besonders im Rems-Murr-Kreis, aufgrund der aktuellen Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Fellbach auch so.
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Auch die Regelungen der DB macht den Baustellen-geplagten Fahrgästen in der Region wenig Hoffnung auf Entschädigung. Denn laut DB sind die mit Baustellen verbundenen Einschränkungen im Zug-Angebot und planmäßig längere SEV-Fahrzeiten (unter anderem mit Bussen) keine Grundlage für Entschädigung. Bedeutet: Entschädigung an Fahrgäste seitens der DB gibt es erst, wenn zum Beispiel der Schienenersatzverkehr außerplanmäßig später ankommt.
Für Entschädigung müsste auch der SEV sehr fehlerhaft sein
Für alle, die ein Deutschlandticket besitzen und im Nahverkehr eine Verspätung von mindestens 60 Minuten haben, gibt es 1,50 Euro Entschädigung pro Fall. Aber: Beiträge unter 4 Euro werden aufgrund einer gesetzlichen Bagatellgrenze nicht ausgezahlt. Zumindest in der Theorie gibt es da eine gute Nachricht: Fahrgäste können mehrere Verspätungsfälle sammeln, für jeden ein Fahrgastformular ausfüllen und beim Fahrgastservice einreichen. Maximal werden pro Monat 25 Prozent der Kosten für das Deutschlandticket zurückerstattet. In der Praxis liegen die Hürden und der Aufwand so hoch, dass kaum einer diese Erstattung einfordern wird.