"Verlässlichkeit derzeit massiv gestört"

S-Bahn Stuttgart: Baustellen auf Rekordniveau, Pünktlichkeit auf Tiefpunkt

Die S-Bahn gilt als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs in der Region Stuttgart. Doch 2025 war für Fahrgäste besonders bitter. Ein Grund sind die vielen Baustellen. Wie sieht 2026 aus?

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Von Autor/in Kerstin Rudat

Im vergangenen Jahr hat es bei der Stuttgarter S-Bahn so viele Baustellen wie noch nie gegeben. An 342 von 365 Tagen wurde im Netz der S-Bahn gebaut. Das wurde am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) bekannt. Zusammen mit der zunehmenden Unpünktlichkeit der S-Bahn ist das eine verheerende Bilanz für 2025. Derweil nehmen die Beschwerden über die aktuelle Situation mit der Sperrung zwischen Stuttgart-Bad Cannstatt und Fellbach (Rems-Murr-Kreis) zu.

S-Bahn-Netz 2025 nur drei Wochen ohne Baustellen

Die baustellenbedingten Ausfälle bei der S-Bahn Stuttgart beziffern sich den Angaben nach für 2025 auf eine Strecke von 2.035.995 Kilometern. Das ist eine Zunahme von nicht gefahrenen Kilometern von 46,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte der scheidende Vorsitzende der Geschäftsleitung der Stuttgarter S-Bahn, Matthias Glaub, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des VRS mit. Alle aktiven Baustellen des vergangenen Jahres auf einem Zeitstrahl aneinandergereiht, würden 3.662 Baustellentage ergeben, so Glaub. Das seien noch einmal 140 Baustellentage mehr als 2024 (3.521 Baustellentage). 

Noch eindrücklicher formuliert: Das S-Bahn-Netz in der Region Stuttgart war 2025 nur rund drei Wochen frei von Baustellen. Der VRS ist der gesetzliche Träger des regionalen Schienennahverkehrs und bestellt und bezahlt somit die Fahrleistung der S-Bahn in der Region Stuttgart. Jeweils im Frühjahr berichtet die Geschäftsleitung der Stuttgarter S-Bahn dem Regionalverband über die Verkehrsleistung des abgelaufenen Jahres.

Jede dritte S-Bahn war 2025 mindestens drei Minuten zu spät

Die vielen Baustellen seien wegen Stuttgart 21 nötig geworden, so die Bahn. Das führte auch dazu, dass im vergangenen Jahr die S-Bahn einen neuen Tiefpunkt in Sachen Pünktlichkeit erreichte. Jede dritte S-Bahn verspätete sich im Schnitt um mindestens drei Minuten, in der Hauptverkehrszeit war es sogar fast jeder zweite Zug, teilte der VRS mit. Die Quote für eine Verspätung von weniger als sechs Minuten lag demnach bei nur rund 85 Prozent. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Deutsche Bahn rund 15 Prozent des vom VRS eingekauften Auftragsvolumens in 2025 nicht erfüllt hat. Hohe Ausgleichszahlungen an den Regionalverband sind die Folge.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Regionalversammlung zeigten sich ernüchtert und konsterniert nach Glaubs Bericht. Michael Lateier (Grüne) sagte, im schriftlichen Bericht müsse eigentlich stehen, dass die bestellte Leistung an 9,9 von 10 Tagen nicht gefahren werden konnte. So könne die S-Bahn ihre Aufgabe als Rückgrat der Region nicht erfüllen. Besonders ärgerlich sei, dass sie selbst oft nichts für die Probleme könne. Die Bahn verspiele weiter Vertrauen, der Gesamtkonzern habe in der Infrastruktur versagt. Hartmut Holzwarth (CDU/ÖDP) kritisierte das Informationsverhalten im Vorfeld sowie die Umsetzung des Schienenersatzverkehrs vor allem im Rems-Murr-Kreis durch beauftragte Unternehmen und deren Personal.

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Neue S-Bahn-Sperrungen drohen - auch kurzfristig

Im Zusammenhang mit der derzeitigen angespannten Lage bei der Stuttgarter S-Bahn verweist die Deutsche Bahn zudem auf die momentan laufenden Umrüstung von Fahrzeugen für den zukünftigen Zugbetrieb im Digitalen Knoten Stuttgart. Diese Fahrzeuge fehlten im S-Bahn-Verkehr als Ersatzfahrzeuge - laut der Bahn bis mindestens April 2026, was ebenfalls zu einer "herausfordernden" Lage beitrage. Gleichzeitig kündigte die Bahn weitere Sperrungen für dieses Jahr an, die auch kurzfristig erfolgen könnten.

Viele Fahrgäste sind alarmiert und wütend. Den SWR erreichen Zuschriften und Anfragen, ob es denn einen Baufortschritt zwischen Bad Cannstatt und Fellbach gebe. Zumal die Sperrung auch zu mehr Problemen und Staus im Straßenverkehr führt. Auch die parallele Sperrung des Engelbergtunnels ist da nicht gerade förderlich.

Bahn: Strecke Bad Cannstatt - Fellbach noch bis 25. März gesperrt

Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilte auf Nachfrage mit, dass die Hauptursache für die aktuelle Sperrung die Erneuerung eines Schaltpostens für die Oberleitung in Bad Cannstatt sei. Und da dieser für die örtliche Bahnstromversorgung zuständig ist, könnten während der Erneuerung des Schaltpostens eben keine Züge fahren. Sprich: Die Arbeiten sind relativ lokal, die Auswirkungen betreffen aber ein größeres Gebiet. Die Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Fellbach dauert noch bis zum 25. März. Im Rahmen von S21 werden insgesamt vier Schaltposten neu montiert und installiert: in Bad Cannstatt, am Hauptbahnhof, in Feuerbach und am Flughafen.

Wir teilen die Frustration der Fahrgäste uneingeschränkt.

Dass im Jahr 2025 sehr viel gebaut wurde und dadurch Millionen von Zugkilometern weggefallen sind, sei für den Verband Region Stuttgart und vor allem für die Fahrgäste äußerst ärgerlich, heißt es in einer VRS-Mitteilung am Freitag auf SWR-Anfrage. "Die marode Infrastruktur und endlose Baustellen verhindern, dass zwei Millionen Zugkilometer des bestellten Angebots überhaupt auf der Schiene ankommt - ein Ergebnis, das unseren Anspruch an einen verlässlichen Nahverkehr komplett verfehlt. Wir teilen die Frustration der Fahrgäste uneingeschränkt: Die Verlässlichkeit des Systems Schiene ist derzeit massiv gestört."

Mehr Fahrgäste 2025 trotz mehr Baustellen

Trotz der vielen Baustellen und Störungen sind im vergangenen Jahr mehr Menschen in der Region S-Bahn gefahren als 2024. Das teilte der VRS vor gut einem Monat mit. Insgesamt fast 106 Millionen Fahrgäste hätten die S-Bahn 2025 genutzt. Das sei ein leichtes Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die am stärksten genutzte Linie war den Angaben nach weiterhin die S1 zwischen Herrenberg (Kreis Böblingen) und Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen). Die Linie S3 zwischen Backnang (Rems-Murr-Kreis) und Messe/Flughafen wies den Angaben nach den höchsten Fahrgast-Rückgang auf. Hier sind es im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Pandemie mehr als 36 Prozent an Fahrgästen weniger. Auch insgesamt habe die Nachfrage noch nicht wieder das Niveau der Vor-Corona-Zeit erreicht: minus 20,4 Prozent im Vergleich zu 2019.

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Kerstin Rudat
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