Studierende der Uni Stuttgart werfen dem Betreiber eines Wohnheims vor, zu wenig gegen Schimmel zu unternehmen. Von einer heimeligen Wohnatmosphäre kann man im Wohnheim Pfaffenhof I nahe der Universitätsgebäude auf dem Campus in Stuttgart Vaihingen wirklich nicht sprechen: Schimmel in den Duschen, an den Fugen, den Fenstern, der Decke und den Wänden. Zum Teil offensichtlich mehrfach behandelt und überstrichen. Sogar an Zetteln oder Plastikteilen finden sich Schimmelspuren.
Auch in den gemeinschaftlich genutzten Küchen, zum Beispiel an den Waschbecken oder in den Kühlschränken - Schimmel. Oder Spuren von Wasserschäden an den Decken in den Aufenthaltsräumen. Überall stehen die Fenster offen.
Studierende sorgen sich um Gesundheit
"Das ist doch gesundheitsgefährdend", meint Student Christoph Ströhle. Er gehört zum Verein "Pfaffenhof Tutorien". Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen kümmert er sich um die Gemeinschaftseinrichtungen, der Verein organisiert Events und hilft bei Fragen rund ums Wohnen.
Zurzeit haben die Vereinsmitglieder aber vor allem ein Thema: Die Zustände in dem in die Jahre gekommenen Wohnheim. Bei den Studierenden hat sich einiges angestaut. Sie kritisieren, wie der Eigentümer mit den Problemen umgeht, und wie dieser mit den Studenten kommuniziert. Eigentümer des Wohnheims ist der Verein "Vereinigung Stuttgarter Studentenwohnheime (VSSW)".
Laut Christoph Ströhle haben sich die Studierenden schon über einen langen Zeitraum über die Probleme in den Wohnheimen beschwert. Die VSSW habe darauf aber nur teilweise oder gar nicht reagiert. Seit einigen Monaten sei die Kommunikation per E-Mail gar nicht mehr möglich.
Im Gespräch mit dem SWR widerspricht der zuständige Leiter des Immobilienmanagements der VSSW, Andreas Wirth, entschieden. Auf Beschwerdemails reagiere die Vereinigung innerhalb von zwei Tagen und die Hausmeister würden sich mit Fachpersonal der Schimmelprobleme annehmen.
Die Studierenden erklären, bei einem Runden Tisch vor etwa einem Vierteljahr habe man Bilder des Schimmelbefalls vorgelegt. Die Vertreter der VSSW hätten die Bilder aber gar nicht angesehen, mit der Begründung, man wisse, wie es in den Wohnheimen aussieht.
Inzwischen haben die Studierenden hunderte Bilder gesammelt, die den Schimmelbefall in den gemeinschaftlich genutzten Räumen und den persönlichen Zimmern dokumentieren.
Studierende sprechen von baulichen Mängeln
Auf die Kritik der Vereinigung Stuttgarter Studentenwohnheime, die wiederkehrende Schimmelproblematik habe auch etwas mit dem Lüftungsverhalten der Bewohnerinnen und Bewohner zu tun, kontern sie mit Lüftungsprotokollen. Damit wollen sie belegen, dass die Luftfeuchtigkeit in den Räumen trotz fachgerechtem Lüften weiter zu hoch bleibe. Die Studenten sprechen von baulichen Mängeln.
Auch der Zustand der Flucht- und Rettungswege sei ein Problem. Stellenweise wachsen dort Moos und andere Pflanzen, bei Nässe werde das zur gefährliche Rutschpartie, so die Studenten.
Weggenommener Gemeinschaftsraum als Streit-Katalysator?
Der Vorstand der VSSW reagiert im SWR-Gespräch emotional auf das Vorgehen der Studierenden. Die Kommunikation sei immer völlig in Ordnung gewesen, heißt es. Man habe online zuletzt nur gute Bewertungen erhalten.
Erst seit einem Generationswechsel in den Tutorien, und seitdem die VSSW den Pfaffenhof Tutorien ihren Gemeinschaftsraum entzogen habe, nach wiederholten Abmahnungen wegen "verdreckter Räume" nach Partynächten, sei die Situation eskaliert. Für die Studierenden waren die Räume ein wichtiger Ort der Begegnung.
Seitdem die Studierenden mit ihren Vorwürfen an die Presse gegangen sind, sei viel passiert: Die VSSW habe Ende Mai schriftlich angekündigt, dass im Laufe dieses Jahres Sanierungsarbeiten in der Wohnheimanlage Pfaffenhof I durchgeführt würden. Das betreffe die Küchen und Bäder. Ein Auszug der Studierenden sei dafür nicht erforderlich.
Lange geplante Sanierungsmaßnahmen oder Reaktion auf Presseanfragen?
Die Maßnahmen seien eine direkte Reaktion auf die mediale Aufmerksamkeit, davon ist Student Ströhle überzeugt. Die VSSW widerspricht entschieden. "Solche Sanierungen schüttelt man nicht mal eben aus dem Ärmel", heißt es. Die Arbeiten seien seit Monaten geplant und mit hohen Kosten verbunden.
Auf erneute SWR-Nachfrage erklärt Andreas Wirth, dass der ursprüngliche Plan der VSSW gewesen sei, den Gebäudekomplex Pfaffenhof I aus den 1970er Jahren komplett zu ersetzen.
Gebäude aus den 1970ern: Schocknachricht Denkmalschutz
Doch die Pläne seien durchkreuzt worden, weil Pfaffenhof I im vergangenen Jahr unter Denkmalschutz gestellt wurde. "Das war ein Schock für uns", sagt Andreas Wirth. Probleme wie die schlechte Isolierung der Gebäude, die Feuchtigkeit in den Innenräumen und damit Schimmel begünstigen, könnte jetzt nur schwer begegnet werden. Außerdem liege das Gelände in der Erdbebenzone I, was Umbauten zusätzlich erschwert.
Eine Kernsanierung sei jetzt nicht mehr möglich, so Wirth. Man könne nur im Rahmen des Möglichen die Situation verbessern. Ihm sei aber bewusst, dass Schimmel in dem Gebäude ein wiederkehrendes Problem sei: "Wir reden hier sicher nicht von einem Hilton Hotel."
Ein Faktor sei auch, dass sich viele Mieter nicht trauen würden, Schimmel in ihren Zimmern zu melden, dann könne man natürlich auch nichts unternehmen. Aber dass so viele Bewohnerinnen und Bewohner unzufrieden seien, sei ihm nicht bewusst. Größere Maßnahmen seien nur wegen der anstehenden Sanierungen nicht mehr angegangen worden.
Dem SWR liegen mehrere Beschwerden vor
Dem SWR liegen aber inzwischen mehrere Beschwerden von Mietern aus dem Gebäudekomplex vor, die angeben, schon länger Probleme und Bedenken an die Hausverwaltung oder die Hausmeister zu melden. Viele blieben ungelöst, heißt es in mehreren Nachrichten.
Immer wieder ist von Schimmel und mangelhafter Instandhaltung die Rede. Dass die Situation also wie nach VSSW-Angaben nur von den Mitgliedern der Tutorien als bedenklich eingestuft wird und es sonst keine Klagen gebe, stimmt so also nicht. Viele der Studierenden wünschen sich eine klarere und bessere Kommunikation mit der VSSW.
Das wird dem SWR so auch aus anderen Wohnheimen der Vereinigung Stuttgarter Studentenwohnheime e.V. gemeldet. Es ist von einem "Klima der Angst" die Rede. Studierende, die Probleme ansprechen, haben Angst, ihre Zimmer zu verlieren.