Nach dem Brand auf dem Großmarkt in Stuttgart steht Thomas Lehmann, Geschäftsführer der Märkte Stuttgart, am Montag vor eingestürzten Dächern und grauen Schutthaufen. "Das war einer der schrecklichsten Momente meines Berufslebens," sagt der Geschäftsführer, der auch auch für den Großmarkt verantwortlich ist. Bis auf die Bereiche des Brandherds laufe der Großmarktbetrieb derzeit wieder und die Lieferungen kämen an, berichtet Lehmann. Es seien aktuell nur noch drei Händler des Großmarkts betroffen, für die Ersatzflächen gesucht würden, damit diese ihren Betrieb nach und nach wieder hochfahren könnten.
Ich bin froh, wie gut die Zusammenarbeit mit den Hilfskräften geklappt hat - ein gutes Zeichen, wie gut das in Deutschland noch funktioniert.
Wie hoch ist der Sachschaden durch den Brand?
Zu dem Schaden, der durch den Brand angerichtet wurde, könnten noch keine genauen Angaben gemacht werden, so Lehmann. In den nächsten Tagen würden sich Schadensgutachter und Versicherungen ein Bild von der Lage vor Ort machen, ebenso die Kriminaltechnik. Vor Ort müsse außerdem noch der Schutt entsorgt werden, Bereiche gesäubert und Elemente teilweise abgerissen werden. Als Schadenssumme stand Lehmann zufolge bereits ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum.
Lob an Feuerwehr, Rettungskräfte und THW
Lehmann zieht ein Resümee der vergangenen Tage und lobt dabei vor allem die Arbeit von Feuerwehr, Rettungskräften und THW: "Ich bin froh, wie gut die Zusammenarbeit mit den Hilfskräften geklappt hat - ein gutes Zeichen, wie gut das in Deutschland noch funktioniert." Auch unter den Händlern auf dem Großmarkt sei trotz der eigentlichen Konkurrenz die Hilfsbereitschaft groß gewesen, so Lehmann.
Wohin mit den Waren für den Großmarkt?
Auch Peter Bürkle wurde am Samstag vom Brand überrascht. Drei Mal pro Woche liefert seine Gärtnerei in Remseck (Kreis Ludwigsburg) frische Schnittblumen an den Stuttgarter Großmarkt. Am frühen Samstagmorgen war allerdings schon auf dem Parkplatz Schluss: "Da hat uns die Polizei gestoppt."
Doch wohin mit all den frisch geschnittenen Blumen im Lkw? In seiner Verzweiflung wandte Bürkle sich an seine Follower auf Facebook und Instagram, schilderte die Lage und bot einen Sonderrabatt von 25 Prozent. "Es sind dann ein paar mehr Leute in die Gärtnerei gekommen und haben uns mit einem Strauß unterstützt." Das aber sei nur "ein Tropfen auf den heißen Stein" gewesen. Der ganz überwiegende Teil der Blumen sei auf dem Kompost gelandet.
Den Schaden beziffert Bürkle auf drei- bis viertausend Euro. "Für einen kleinen Betrieb wie uns ist das viel Geld", sagt der Gärtnerei-Besitzer. Da die Blumenhalle vom Brand nicht betroffen sei, hofft er, seine Blumen am Dienstag wieder normal anliefern zu können - denn seine Blumen müsse er schneiden. "Denen kann ich nicht sagen: Blüh heute mal ein bisschen weniger."
Wie geht es mit den Lebensmitteln weiter, die in den Hallen des Großmarkts lagern?
Neben Blumen werden auf dem Stuttgarter Großmarkt vor allem Lebensmittel gehandelt. Die Stadt Stuttgart teilte diesbezüglich mit, die Lebensmittelüberwachung habe die durch den Brand betroffenen Betriebe unmittelbar kontrolliert und eng begleitet. Ziel sei es, sicherzustellen, dass ausschließlich gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittel in den Verkauf gelangen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei der Stadt Stuttgart zufolge auf möglichen Auswirkungen von Rauch, Brandgasen, Löschwasser oder Gebäudeschäden auf gelagerte Lebensmittel. Die Lebensmittelüberwachung werde die betroffenen Betriebe auch in den kommenden Tagen weiter begleiten.
Feuerwehr seit Freitag auf dem Großmarkt im Einsatz
Am Freitagabend war es auf dem Großmarkt in Stuttgart zu einem Großbrand gekommen. Feuerwehr, Rettungsdienst und Technisches Hilfswerk (THW) waren im Einsatz. Die Feuerwehr hatte nach 60 Stunden Dauereinsatz am Montagvormittag "Feuer aus" gemeldet. Doch schon am Montagnachmittag brannte es auf dem Gelände des Großmarkts erneut. Die Feuerwehr ist weiterhin vor Ort.