Einfach mal die Füße ins Wasser hängen, wenn es brütend heiß ist. Was beispielsweise in Freiburg möglich ist - gestaltet sich in Stuttgart bisher eher schwierig. Der Neckar ist kaum zugänglich und für Schiffe reserviert. Übrig bleiben die öffentlichen Brunnen, Wasserspiele oder für Kinder Wasserspielplätze. Dabei gibt es in Stuttgart eigentlich ziemlich viele Bäche - allerdings vom Mensch verbuddelt unter der Erde.
Nesenbach fließt bald wieder ein Stück oberirdisch
Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamts in Stuttgart, arbeitet daran, die Bäche wieder zu befreien und für die Menschen zugänglich zu machen. In der Nesenbachstraße in der Nähe der Stadtbahnhaltestelle "Österreichischer Platz" zeigt er auf eine rund 100 Meter lange und 20 Zentimeter tiefe Steinrinne. Hier floss einst der Nesenbach - oberirdisch.
"Diese Rinne existiert schon seit vielen Jahren und sollte immer den Verlauf des Nesenbachs symbolisieren", erklärt Mutz. Und noch irgendwann diesen Sommer soll hier laut Mutz wieder Wasser durchfließen. Für rund sechs Millionen Euro wurde in den unterirdischen Nesenbachkanal eine Leitung gebaut, die das Bachwasser zumindest hier in der Nesenbachstraße wieder an die Oberfläche bringt.
Der Hauptzweck der neuen Wasserleitung ist es laut Mutz, das Bachwasser aus Umweltgründen wieder direkt in den Neckar zu leiten und nicht - wie bisher - einen Umweg über das Klärwerk nehmen zu lassen. Ein schöner Nebeneffekt dabei sei es, das Wasser wieder für die Menschen nach oben zu holen und sichtbar zu machen.
Bäche wichen einst dem Siedlungsbau
Rund 70 Bäche und Quellen gibt es im Stuttgarter Stadtgebiet, insgesamt rund 150 Kilometer lang. Neben dem Nesenbach sind das zum Beispiel der Feuerbach, der Klingenbach, die Ziegelklinge, die Dornhaldenklinge, der Dietbach, die Körsch, der Ramsbach und viele andere.
Doch warum spielen diese Gewässer im Stadtbild kaum eine Rolle? Das hat mit der Vergangenheit zu tun. "Als der Siedlungsdruck in Stuttgart gewachsen ist, sind viele Bäche verdohlt oder in ein enges Betonkorsett geschnürt worden", erklärt Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz. Die Bäche seinen dorthin gelegt worden, wo sie nicht gestört und eine Bebauung ermöglicht haben.
Feuerbach stellenweise renaturiert - Pläne für Ramsbach
Der Feuerbach - der mit über elf Kilometern längste Bach in Stuttgart - ist laut Mutz bereits an sechs Stellen wieder aus seinem Korsett befreit worden: unter anderem bei Stuttgart-Mühlhausen. Dort ist schon vor Jahren wieder ein natürliches, renaturiertes Bachbett entstanden. Ähnliches ist laut Mutz auch für den Ramsbach in der Nähe des Klärwerks in Stuttgart-Plieningen geplant.
Nesenbachwasser für den Eckensee in Stuttgart
Zurück zum Nesenbach: Kommendes Jahr will die Stadt einen weiteren Abschnitt des Bachs freilegen, dann in der Nähe des Marienplatzes in der Möhringer Straße. Dort solle eine Rinne für das Wasser gebaut werden, sagt Mutz. Perspektivisch - allerdings noch ist das Tiefbauamt noch nicht soweit - soll das Nesenbachwasser auch den Eckensee im Schlossgarten vor der Oper füllen, ebenso die Seen im Unteren Schlossgarten.