Kann Künstliche Intelligenz in der Suchtberatung helfen? Das ist eine zentrale Frage beim diesjährigen "Symposium Glücksspiel" an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Im Rahmen der Veranstaltung wurde ein entsprechender Chatbot namens SuchtGPT vorgestellt.
Die Technologie soll suchtkranken Menschen eine erste Ansprechmöglichkeit bieten und auch ihre Angehörigen bei Fragen unterstützen. Im Gegensatz zu einer Beratungsstelle bietet die Technologie den Vorteil, ständig erreichbar zu sein. Zugleich sind SuchtGPT klare Grenzen gesetzt, weil er eine professionelle medizinische und psychologische Beratung nicht ersetzen kann und darf.
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Expertin: SuchtGPT ist eine Hilfe, keine Heilungsmethode
SuchtGPT wurde von einem Berliner Unternehmen entwickelt, das auf Forschungsfragen rund um Suchtberatung spezialisiert ist. Der Chatbot wird vom Bundesamt für Gesundheit gefördert und funktioniert ähnlich wie bekannte Chatbots. Es gehe um erste Hilfestellungen, erklärt die Psychologin Nina Becker vom Projektteam: "SuchtGPT hat nicht den Anspruch, Diagnosen zu erstellen oder gar eine Sucht zu heilen. Stattdessen geht es um eine erste Anlaufstelle, die das System bereitstellen soll", so Becker.
Es geht nicht darum, per KI Diagnosen zu stellen oder Suchterkrankungen zu heilen.
Die Idee für SuchtGPT basiert darauf, dass immer mehr Menschen herkömmliche Chatbots wie ChatGPT für Gesundheitsfragen und für psychosoziale Beratung nutzen. Gerade bei sehr schambehafteten Themen wie Suchtproblemen könne ein spezifisches Angebot wie SuchtGPT besser helfen und viel mehr bewirken, finden Becker und ihr Team. Denn das System wird mit ausgewählten, fachspezifischen Daten gefüttert.
SuchtGPT greift auf ausgewählte Daten zurück
Im Gegensatz zu anderen Chatbots, bei denen die Quellen nicht immer klar angegeben werden, greife SuchtGPT auf eine ausgewählte Wissensdatenbank zurück, erklären die App-Verantwortlichen. In dieser Datenbank haben sie mehr als 120 Dokumente mit Fachinformationen aus der Suchthilfe hinterlegt.
Doch es gibt auch klare Grenzen, was die KI nicht leisten kann - und darf. "Wenn es bei Fragen der Nutzerinnen und Nutzer Hinweise auf eine Eigengefährdung gibt und SuchtGPT Indikatoren dafür feststellt, dann wird eine Antwort ausgespuckt, dass sich die Person sofort an eine Notfallhilfe wenden soll", erklärt Becker. Nach langer Planung und einer begleiteten Testphase soll SuchtGPT dann im Herbst dieses Jahres offiziell an den Start gehen.
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Ex-Spielsüchtiger: "Künstliche Intelligenz könnte viel bewirken"
Volker Brümmer aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) war mehr als 20 Jahre spielsüchtig und sieht in SuchtGPT durchaus eine Chance: "Viele Menschen spielen online. Für die ist das eine dauerhafte Gefahr, weil das Spielen 24 Stunden überall möglich ist." Hier eine Unterstützung zu schaffen, die sofort greifbar ist - das könne mit Sicherheit helfen, meint Brümmer.
Brümmer suchte erst nach jahrelanger Sucht eine Beratungsstelle auf. Seit 2007 hat er nicht mehr gespielt und klärt heute über Spielsucht auf. Der 57-Jährige bietet auf einer eigenen Website Hilfe für Betroffene und deren Angehörige und arbeitet in der Suchtprävention.
"Zu meiner Zeit gab es keinerlei Angebote, keine Hilfsmittel und überhaupt keine Aufmerksamkeit für das Thema. Solche präventiven Mittel sind auf lange Sicht gesehen sehr wichtig", findet Brümmer.