Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember

Leben mit HIV: Ein Stuttgarter erinnert sich an seine Schock-Diagnose

Seit 40 Jahren unterstützt die AIDS-Hilfe Stuttgart Menschen mit HIV - wie Gerd Breitfeld, der seit 1993 mit dem Virus lebt. Eine Entwicklung bereitet einer Expertin Sorgen.

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Von Autor/in Markus Frank

Gerd Breitfeld aus Stuttgart erhielt 1993 eine niederschmetternde Diagnose: Die Ärzte teilten ihm mit, dass er HIV-positiv sei. Sie gaben ihm nur noch wenige Jahre Lebenszeit.

"Es war ein Schock! Das war damals natürlich ein Todesurteil", sagt Gerd Breitfeld. "Ich wusste, dass ein neuer Lebensabschnitt für mich beginnt. Ich wusste nicht, wie lange dieser Lebensabschnitt geht. Aber dass sich da sehr viel verändern wird, das war mir an dem Tag bewusst."

Die Ärzte sollten sich zumindest in Sachen Lebenserwartung irren. Inzwischen kann man mit dem HI-Virus gut leben. Es muss nicht mehr heißen, dass die Krankheit AIDS ausbricht, wenn jemand das Virus in sich trägt. Doch am 1. Dezember, dem Welt-AIDS-Tag, wird auch an Menschen erinnert, die ihre Erkrankung im Gegensatz zu Gerd Breitfeld nicht überlebt haben. Dazu zählen auch Prominente wie Schauspieler Rock Hudson, der Queen-Frontmann und Sänger Freddie Mercury sowie der deutsche Tennisspieler Michael Westphal.

HIV-Medikamente wurden stark verbessert

Durch die schwere Infektion verlor Gerd Breitfeld seinen Arbeitsplatz als Diplom-Verwaltungswirt. Täglich habe er bis zu 16 Tabletten am Tag einnehmen müssen, was zu schlimmen Nebenwirkungen führte, wie er berichtet. Heute benötige er dagegen nur noch eine Tablette, die außerdem nur wenig Nebenwirkungen habe. Dank der Kombinationstherapie könne er ein nahezu normales Leben führen und sei seit längerem nicht mehr infektiös, wie er erzählt.

Die Medikamente sind sehr wirksam - mittlerweile mit wenig Nebenwirkungen. Und bei mir ist schon seit Jahren das Virus nicht mehr nachweisbar. Also ich bin auch seit Jahren nicht mehr infektiös.

Seit 1985 berät und betreut die AIDS-Hilfe Stuttgart HIV-positive Menschen. Die Aktivistin, Wirtin und Stuttgarter Kommunalpolitikerin Laura Halding-Hoppenheit hat durch ihre Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten viele erkrankte Menschen betreut und unterstützt. Früher sei eine solche Diagnose mit Diskriminierung und Ausgrenzung verbunden gewesen. "Es waren manchmal zwei, drei Beerdigungen pro Woche. Das war richtig grausam", berichtet sie. Viele Erkrankte seien alleine gestorben, weil sich deren Partner von ihnen trennten. "Familien haben die kranken Menschen rausgeworfen oder sich von ihnen distanziert", erinnert sich Laura Halding-Hoppenheit, die auch Vorstandsmitglied der AIDS-Hilfe Stuttgart ist.

Laura Halding-Hoppenheit sitzt in Räumen der Stuttgarter AIDS-Hilfe.
Laura Halding-Hoppenheit setzt sich seit Jahrzehnten für Menschen mit HIV ein.

HIV: Infektionen nehmen zu

Heute informiert die AIDS-Hilfe Stuttgart in Schulen, Betrieben und Clubs über HIV und bietet die Möglichkeit zu anonymen Tests. Aktuell, so hat das ehrenamtliche Team der AIDS-Hilfe Stuttgart festgestellt, stiegen die Infektionszahlen wieder. Vor allem bei heterosexuellen Menschen. Die hätten Angst, so berichtet Laura Halding-Hoppenheit, Vorständin der Aids-Hilfe, durch eine HIV-Diagnose ihre Familie und ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Deshalb schreckten viele davor zurück, sich überhaupt testen zu lassen. Bei der AIDS-Hilfe gebe es daher anonyme Tests. "Die kommen hierher, werden anonym behandelt und können dann auch zum Arzt gehen", erklärt die Aktivistin.

Die Heteros gehen natürlich nicht offen damit um, denn sie haben Angst um die Familie, den Arbeitsplatz und die Verwandten und die Kinder.

Gerd Breitfeld streichelt seinen Hund und ist froh darüber, dass er trotz seiner HIV-Diagnose inzwischen 66 Jahre alt geworden ist.
Gerd Breitfeld ist froh darüber, dass er trotz seiner HIV-Diagnose inzwischen 66 Jahre alt geworden ist.

Auch Gerd Breitfeld wurde nach seiner Schock-Diagnose von der AIDS-Hilfe aufgefangen. Er verlor in all den Jahren viele Freunde durch AIDS. Nun lebt er sein halbes Leben lang mit dem HI-Virus und ist dankbar dafür, dass er dennoch inzwischen das Alter von 66 Jahren erreicht hat.

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Autor/in
Markus Frank
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Onlinefassung
Christian Spöcker
Christian Spöcker, SWR

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