Die Krebs-Diagnose ist für Betroffene ein Schock. Anlässlich des Weltkrebstags am 4. Februar wirbt das Klinikum Stuttgart dafür, sich von der Erkrankung nicht kleinkriegen zu lassen und neben den Krebs-Therapien Sport zu machen. Denn laut Experten zeigen immer mehr Studien, dass Bewegung einen positiven Effekt auf den Behandlungsverlauf hat.
Extrem-Abenteurer erkrankt an Ewing-Sarkom-Krebs
Das weiß auch John Müller. Sein Kampf gegen einen tödlichen Krebs soll anderen Mut machen. Müller kommt ursprünglich aus dem Allgäu, lebt und arbeitet seit ein paar Jahren in Stuttgart. Er selbst bezeichnet sich als "Extrem-Abenteurer". Mit 21 Jahren absolvierte der junge Mann noch einen 107 Kilometer langen "Ultramarathon" und stieg auf den Montblanc, den höchsten Berg der Alpen. Er war kerngesund.
Doch dieses Bild änderte sich schlagartig. 2022 spürte er im Schweden-Urlaub auf einmal ein Stechen. Wieder in Stuttgart schickte man ihn ins Klinikum Stuttgart. Nach 16 Stunden Notaufnahme war klar: Es ist Krebs. Zu Beginn dachte er noch, dass alles schnell vorbeigehen würde, dass man den Tumor ganz schnell rausschneiden könnte. Doch dem war nicht so. "Als sie gesagt haben, es sind nicht nur drei oder vier, sondern mindestens 14 Chemozyklen, die auch immer so fünf Tage gehen, da hab ich dann schon stark angefangen zu weinen. Weil ich dachte, wie soll ich das schaffen? Wo ist das Licht am Ende des Tunnels?", erzählt Müller. Dazu kommt, dass es sich um Ewin-Sarkom-Krebs handelte, eine extrem seltene Krebsart, die vor allem Knochen angreift und tödlich enden kann.
Es folgte eine belastende Zeit. Ein Jahr lang musste Müller im Klinikum Stuttgart behandelt werden. Doch Müller biß sich durch, kämpft gegen den Krebs und die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Immer wieder habe er sich gesagt: Mit 22 kann das Leben noch nicht zu Ende sein, ich will noch so viele Sachen machen, ich muss gesund werden, egal was die Indikationen sagen.
Klinikum Stuttgart: Sport treiben hilft gegen Krebs
Geholfen hat ihm dabei neben der Chemotherapie der Sport. Auf der Onkologie-Station im Klinikum Stuttgart haben Dr. Dennis Hahn und seine Kolleginnen und Kollegen mehrere Sportgeräte, es gibt sogar einen eigenen Fitnessraum für die Patientinnen und Patienten. Und das aus gutem Grund: Letzten Endes gibt es immer mehr Daten, die zeigen, dass Sport während der Krebstherapie wirklich Vorteile bringt, erklärt Dr. Hahn, Oberarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs nach erfolgreicher Behandlung zurückkommt, werde durch regelmäßigen Sport reduziert, so der Experte.
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Auch Müller machte Sport während seiner Chemotherapie. Allerdings nicht mehr wie früher, denn selbst Treppensteigen war auf einmal schwer. Für den Extrem-Sport-Fan eine belastende Situation: In so einer kurzen Zeit, so einen körperlichen Verfall zu sehen, das war schwer und ich wusste nicht, kann ich jemals wieder in die Berge gehen, beziehungsweise, okay, erlebe ich den nächsten Geburtstag wieder, erinnert er sich. Doch Müller gab nicht auf. Im Endeffekt habe es für ihn den Unterschied zwischen Überleben und Aufgeben ausgemacht, sich selbst in den schwersten Momenten aufzuraffen. "Und sei es nur kurz auf dem Fahrrad, sei es eine kleine Runde im Park." Der Sport sei genau das gewesen, was ihm am Ende geholfen habe.
Weil Sport bei der Krebsheilung einen immensen Unterschied machen kann, hat das Klinikum Stuttgart die Kampagne "Sport ist keine Option – Sport ist ein Gamechanger" ins Leben gerufen. Auf der Kampagnen-Website bietet das Klinikum Informationen rund um die Bedeutung von Sport für den Genesungsverlauf von Krebs-Patientinnen und -Patienten. Unterstützt wird die Kampagne auch von diversen Spitzensportlerinnen und -Sportlern wie Olympia-Turnerin Elisabeth Seitz oder Ruderer Oliver Zeidler.
Mit dem Fahrrad nach Indien: John Müller will anderen Mut machen
Dank der Therapie am Klinikum Stuttgart ist John Müller zwar noch nicht geheilt, aber mittlerweile krebsfrei. Ins Klinikum muss er noch für die Nachsorge, die Sportgeräte dort hat er hinter sich gelassen. Doch Sport als Weg aus dem Krebs heraus, das bleibt Motiv und Antrieb. Demnächst will er rund 8.000 Kilometer von Berlin zum Taj Mahal nach Indien radeln.
Dafür hat er extra eine Spendenkampagne gestartet. Mindestens 8.000 Euro möchte er dabei für krebserkrankte junge Erwachsene sammeln. "Ich habe mir geschworen, wenn ich es aus dem Krankenhaus schaffe, dann will ich was zurückgeben." Mit seiner Tour will er anderen Krebserkrankten Mut machen und zeigen: "Wenn ihr jetzt gerade leidet und eine harte Zeit durchmacht, dann werde auch ich eine harte Zeit beim Radeln haben." Aber zwei Jahre, nachdem der Krebs ihn fast umbrachte, sei genau das sein Antrieb. Denn nur überlebt haben, das will John Müller nicht. Er will seine "Träume in die Hand nehmen."