Im Kreis Göppingen geht der Streit über zwei Windkraftanlagen auf einem Höhenzug über dem Uhinger Stadtteil Baiereck weiter. Die Bürgerinitiative (BI) "Pro Schurwald" wirft dem Betreiber des "Windparks Königseiche" und dem Landkreis Rücksichtslosigkeit vor: Denn eine Lärmmessung im März sei nicht unter regulären Bedingungen abgelaufen, kritisieren die Windkraftgegner. Stattdessen bestehe der "Verdacht einer Manipulation bzw. Täuschung", wie die BI dem SWR am Donnerstag mitteilte.
Vorwurf der Täuschung steht im Raum
Die BI kritisiert eine Messung vom 13. auf den 14. März 2026, die ein fränkisches Ingenieurbüro durchgeführt hat. Denn während dieser Messung seien die beiden Windräder "nicht im genehmigten Betriebsmode 0, sondern in einem anderen, unbekannten und ungenehmigten Betriebsmode betrieben" worden. Dadurch sei die Lärmmessung niedriger ausgefallen und zähle daher nicht.
Die BI kritisiert in diesem Zusammenhang nicht nur den Windkraftbetreiber Uhl Windkraft Projektierung aus Ellwangen (Ostalbkreis), sondern auch die Göppinger Kreisverwaltung: Das Landratsamt habe Mitte August nicht die Öffentlichkeit darüber infomiert, dass es sich um den falschen Betriebsmodus gehandelt habe. Stattdessen habe die Behörde fälschlicherweise den Eindruck erweckt, der maßgebliche Immissionsrichtwert sei eingehalten. "Soll die Öffentlichkeit hier bewusst irregeführt werden?", fragt die Bürgerinitiative.
Sie beruft sich stattdessen auf eine spätere Untersuchung der Prüfgesellschaft DEKRA. Ein Kurzversion davon wurde im Mai vorgestellt. Demnach würden die Windkraftanlagen auch bei unterschiedlichen Windstärken, -richtungen und Temperaturen unzulässige Brummtöne verursachen. Als Konsequenz fordert die Bürgerinitiative, die Windkraftanlagen müssten sofort stillgelegt werden.
Betreiber stoppt Windräder freiwillig Wegen Brummton: Windpark Königseiche bei Baiereck wird in der Nacht abgeschaltet
Ein Gutachten hatte einen Brummton durch Windräder über Uhingen-Baiereck festgestellt. Der Betreiber stoppt deshalb zunächst nachts den Betrieb. Man wolle die Ergebnisse nun prüfen.
Windkraftbetreiber: "Vorwurf unberechtigt"
Der Windkraftbetreiber Uhl weist die Vorwürfe der BI als "völlig haltlos" zurück. "Der Vorwurf der Schummelei ist unberechtigt", sagt Projektleiter Philip Gohl auf SWR-Anfrage. Bei einer Lärmmessung müssten "in bestimmten vorgegebenen Zeitfenstern die Anlagen laufen und nicht laufen, um sauber alle Hintergrundgeräusche ermitteln zu können", so Gohl. Dafür habe eine andere Firma "leider nicht den Volllastmodus, sondern einen geringfügig reduzierten Modus ("Mode 1") eingestellt, der anschließend vermessen wurde", teilt die Firma Uhl dazu mit. Das sei keine Absicht gewesen.
Das hatten wir anders beauftragt, und diese falsche Einstellung war unbeabsichtigt.
Um zu unterstreichen, dass es sich nicht um Schummelei handle, sagt das Unternehmen: Es werde wegen des Einbaus neuer Bauteile zur Schallvermeidung bald ohnehin wieder eine Messung erfolgen - "dann im 'richtigen' Mode 0", so Projektleiter Philip Gohl. "Insoweit hätte eine Schummelei überhaupt nichts gebracht", argumentiert er. Diese Messung werde wohl erst durchgeführt, wenn die windarme Sommerzeit vorbei sei. In Bezug auf die Messungen der DEKRA äußerte er Zweifel an der Aussagekraft.
Kreis Göppingen will Lärmgutachten prüfen
Die Kreisverwaltung Göppingen teilte am Donnerstag mit, die Langversion des DEKRA-Gutachten liege ihr erst seit dem Vorabend vor. Es werde nun von den Fachleuten im Landratsamt und möglicherweise auch mithilfe der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg geprüft. "Sobald die Prüfung abgeschlossen ist, wird die Öffentlichkeit in bewährter Weise informiert", so eine Sprecherin. Die fachliche Prüfung werde jedoch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, auch wegen der Ferienzeit.
Mit Blick auf die Kritik der Bürgerinitiative erwidert das Landratsamt, es habe die Öffentlichkeit nicht täuschen wollen: "Alle bisherigen Pressemitteilungen und Berichte zum Stand des Verfahrens sind immer auf Basis der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Datengrundlage und dem Stand der Sachverhaltsermittlung erfolgt", so das Landratsamt.
In Baiereck setzen viele nun ihre Hoffnung auf das DEKRA-Gutachten. "Ich gehe jetzt auch davon aus aufgrund der Indizien, dass das Landratsamt als Aufsichtsbehörde nochmal deutlich genauer hinschaut und im Rahmen der Anhörung, die ja gerade läuft mit dem Betreiber, die entsprechenden Fragen stellen wird", so Ortsvorsteher Vincent Krapf (CDU).