Der Stuttgarter Gemeinderat spricht von einer unvermindert hohen Beschwerdelage bei der Schulwegsicherheit - Elterntaxis würden hier großen Raum einnehmen. Deshalb soll an der Eichendorffschule in Bad Cannstatt eine Schulzone eingerichtet werden - eine autofreie Fußgängerzone. An der Riedseeschule in Möhringen und an der Rappachschule in Weilimdorf soll es Schulstraßen geben - diese werden dann jeweils für den Zeitraum zu Beginn und Ende eines Schultages für den Kfz-Verkehr gesperrt.
Im August vergangenen Jahres hat das baden-württembergische Verkehrsministerium einen Erlass für Schulstraßen in Baden-Württemberg verabschiedet - damit sollen Schulen Schulstraßen und Schulzonen leichter und rechtssicher einrichten können:
Verkehrschaos vor den Schulen Neue Regelung gegen "Elterntaxis": BW will mehr Schulstraßen für Autos sperren lassen
"Elterntaxis" sorgen laut BW-Regierung und Lehrerverband für Gefahren auf dem Schulweg. Deshalb bekommen Städte und Gemeinden jetzt neue Mittel gegen das Verkehrschaos vor Schulen.
BW-Innenministerium: Mehr Kinder haben Unfälle auf dem Schulweg
Laut dem Ministerium gab es 2025 bei Kindern im Alter von sechs bis 17 Jahren 415 Schulwegunfälle. Das sind fast zehn Prozent mehr Unfälle als noch 2024. In Stuttgart sieht die Tendenz anders aus. Denn während die Schulwegunfälle im Rest von Baden-Württemberg steigen, sinken sie in Stuttgart: Laut Polizei gab es im Stadtgebiet Stuttgart 28 Schulwegunfälle im Jahr 2024 und 18 Unfälle im Jahr 2025. Ein Unfall davon war an der Eichendorffschule und einer an der Riedseeschule - an der Rappachschule wurde kein Unfall erfasst.
Die Gefahr bei Schulwegunfällen liegt laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Stuttgart daran, dass Kinder in der Regel kleiner sind und sie nur schwer über parkende Autos hinweg zu sehen sind. Auch an Kreuzungen gebe es immer wieder kritische Situationen. Die Stadt sieht insbesondere enge und unübersichtliche Straßen als kritisch an. An den drei genannten Stuttgarter Schulen sollen solche Straßen sicherer werden.
Elterntaxi vs. selbstständiger Schulweg
Das Ziel sei laut Stuttgarter Gemeinderat, "dass Schulkinder möglichst selbstständig den Schulweg bewältigen können". Elterntaxis werden als Phänomen beschrieben, welches weder vollständig verhindert noch ignoriert werden kann. Auch ein ADFC-Sprecher sagt: "Elterntaxis stellen ein großes Problem dar. Durch den starken Elterntaxiverkehr direkt vor der Schule kommt es immer zu brenzlichen Situationen." Die Stadt Stuttgart will deshalb Verkehrsregelungen einführen, die den "vorhandenen Hol- und Bringverkehr durch Elterntaxis zukünftig verhindern" sollen. Dafür hat sie zwei Lösungen angedacht.
Eichendorffschule: Schulzone mit Kfz-Verbot soll Elterntaxis verhindern
Die Stichstraße Ebitzweg zur Eichendorffschule in Bad Cannstatt soll zu einer Schulzone - also einer Fußgängerzone - umgestaltet werden, so der Stuttgarter Gemeinderat. Elterntaxis würden bisher in den engen Ebitzweg fahren, wo vermehrt jüngere Schulkinder zur Schule laufen, und dort den Verkehr belasten. Ein Verbot für KfZ-Fahrzeuge in der Straße soll die Verkehrssicherheit der Schulkinder erhöhen.
Zusätzlich sollen Bäume gepflanzt werden, um einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel zu leisten. Die Straße soll so umgestaltet werden, dass sich "die Aufenthaltsqualität für das Schulumfeld" erhöhe. Damit hätte die Eichendorffschule nach der Martin-Luther-Schule, ebenfalls in Bad Cannstatt, als zweite Stuttgarter Schule eine Schulzone. Die Umgestaltung zur Schulzone kostet allerdings voraussichtlich rund 600.000 Euro und kann erst mit dem Beschluss des Doppelhaushalts 2028/29 beschlossen werden.
Riedsee- und Rappachschule: Schulstraßen mit temporärem Durchfahrverbot
An der Riedseeschule und an der Rappachschule gebe es laut Stadt wegen der Sackgassenlage eine sehr schwierige Verkehrssituation. Schulkinder würden dort durch Elterntaxis gefährdet. Deshalb sollen dort erstmals Schulstraßen - also temporäre Straßensperrungen für den Kfz-Verkehr - Ende 2026 eingerichtet werden. Schulstraßen werden zu Beginn und Ende eines Schultages für beispielsweise eine halbe Stunde gesperrt. So sollen zu Fuß gehende oder radfahrende Schüler sicher zur Schule kommen.
Schulstraßen soll es aber nicht nur in Stuttgart geben. In Freiburg gibt es sie bereits seit April. Bei einem der ersten Pilotprojekte dieser Art in Baden-Württemberg ist eine Straße rund um die Markgrafenschule in Freiburg für eine bestimmte Zeit gesperrt:
Schulweg soll sicherer werden Erste Schulstraße in Freiburg: Straße zu Stoßzeiten gesperrt - auch für Elterntaxis
Für vorerst ein Jahr ist die Straße vor einer Freiburger Grundschule rund um Schulbeginn und -ende gesperrt. Warum der Stadtteil Tiengen jetzt eine Schulstraße hat und wie es läuft.
Stadt: Lehrerautos halten anders als Elterntaxis nicht vor der Schule
Inwieweit Lehrerautos eine ähnliche Gefahr wie Elterntaxis darstellen, beantwortet die Stadt Stuttgart so: Lehrer, die mit dem Auto kommen, tragen zwar zum Verkehrsaufkommen bei, halten allerdings nicht vor dem Gebäude, sondern steuern einen Parkplatz an.