Das Amtsgericht Stuttgart hat am Mittwoch die Insolvenz der Merz Akademie in vorläufiger Eigenverantwortung angeordnet. Während die private Hochschule nun sechs Monate Zeit hat, um eine Lösung für die Zukunft zu finden, spricht die Geschäftsführung über die Gründe für die finanziellen Probleme. Einer davon: Durch die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz würden sich immer weniger Menschen für einen gestalterischen Studiengang entscheiden.
Hochschule mit Tradition Merz Akademie Stuttgart insolvent: Lehrbetrieb wird fortgesetzt
Das Amtsgericht hat die Insolvenz der Stuttgarter Hochschule in vorläufiger Eigenverwaltung angeordnet. Damit soll der Betrieb fortgeführt werden. Warum kam es zu der Insolvenz?
Geschäftsführerin: Insolvenz hat mehrere Ursachen
Bis Februar 2027, zufällig auch das Ende des Wintersemesters, hat Andrea Zweifel Zeit, um die Zukunft der Merz Akademie zu sichern. Das heißt: Neue Geldgeber finden und eine stabile Finanzierung gewährleisten. Diese sei zuletzt nicht mehr gegeben gewesen. Laut Geschäftsführerin Andrea Zweifel hatte das verschiedene Ursachen. So sei seit 2017 die Förderung durch das Land für die private, aber staatlich anerkannte Hochschule nominell nicht mehr erhöht worden. Gleichzeitig stiegen Personal- und Energiekosten, sagt Zweifel.
Und auch der verstärkte Wettbewerb der Hochschulen untereinander verschärfe die Situation. Zudem verlor die Merz Akademie zuletzt einen wichtigen Geldgeber: Die Heidelberger Privat-Hochschule SRH hatte Räumlichkeiten der Merz Akademie angemietet. Durch die Ankündigung, den Standort in Stuttgart zu schließen, brachen auch die Mieteinnahmen weg, so Zweifel.
Weniger Studierende: Künstliche Intelligenz sorge für Unsicherheit
Aber auch die Zahl der Studierenden und damit die Einnahmen aus den Semesterbeiträgen waren zuletzt rückläufig, erklärt die Geschäftsführerin. Rund 250 Studienplätze hat die insolvente Merz Akademie. Aktuell seien 200 Studierende eingeschrieben. Je nachdem, ob auf Bachelor oder Master studiert werde, liegen die Semestergebühren bei der privaten Hochschule zwischen 450 und 550 Euro. Viele Studierende würden sich in der aktuellen wirtschaftlichen Lage genau überlegen, ob sie diese Gebühren zahlen können.
Zweifel nennt im Gespräch mit dem SWR aber auch einen weiteren Grund, weshalb die Merz Akademie in finanzielle Schieflage geraten ist. "In dem Bereich, in dem wir unterwegs sind, Gestaltung, Kunst und Medien, besteht auch eine große Unsicherheit", so Zweifel. Und diese Unsicherheit hänge mit Künstlicher Intelligenz zusammen: "Was heißt KI für diese Berufsbilder?", fragt sich die Geschäftsführerin. Viele Studierende, die eigentlich gerne gestalterisch tätig sein wollen, wären durch die Möglichkeiten, die KI in der Gestaltung biete, verunsichert.
Ungewisse Zukunft nach Wintersemester 2026
Trotz der Insolvenz-Ankündigung sei man an der Merz Akademie optimistisch. Studierende, das Kollegium und die Geschäftsführung würden gemeinsam daran arbeiten, nach Lösungen zu suchen, so Zweifel. Dass Studierende kurzfristig die Merz-Akademie verlassen, habe Zweifel bisher nicht mitbekommen.
Bis zum Ende des Wintersemesters sei die Finanzierung des Studienbetriebs garantiert. Erste Gespräche mit Vertretern der Politik und potentiellen Geldgebern haben laut Zweifel bereits stattgefunden. Trotzdem könne sie zum aktuellen Zeitpunkt keine gesicherte Aussage treffen, wie es Anfang 2027 mit der Merz Akademie weitergeht.