Wochenrückblick Stuttgart

Warum sind die Stuttgarter nicht so glücklich, wie sie sein müssten?

Im Glücksatlas der Süddeutschen Klassenlotterie und der Universität Freiburg liegt Stuttgart deutschlandweit nur im Mittelfeld. Wissen die Stuttgarter nicht, wie gut es ihnen geht?

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Stand

Von Autor/in Frieder Kümmerer

"Passt schon!" Die klassische Antwort eines Schwaben auf die Frage: "Na, wie gehts?". Und damit herzlich willkommen zum Wochenrückblick vom Studio Stuttgart. Ich bin Frieder Kümmerer und ich frage mich heute, ob die Stuttgarter eigentlich glücklicher sein müssten, als sie es sind. Im deutschlandweiten Glücksranking liegt zum Beispiel auf Platz 1: Kassel! Ernsthaft? Eine Stadt, bei der alle nur an den ICE-Bahnhof denken und sich fragen, ob man da wohl auch wohnen kann? Mit Stuttgart assoziiert man doch wenigstens die Wilhelma, den Schlossplatz und den nie endenden Aktionismus der S21-Gegner, montags zum gemeinsamen Happening einzuladen. Also lasst uns zum Ende der Woche das Glücksranking mal genauer anschauen.

Warum die Voraussetzungen in Stuttgart eigentlich gut sind

Ein Blick auf das Glücksranking der Süddeutschen Klassenlotterie zusammen mit der Universität Freiburg lässt einen stutzen. Denn laut Umfrage unter der Bevölkerung landet Stuttgart auf Platz 19 der 40 größten Städte. Laut der Universität Freiburg würde Stuttgart aber nach der objektiven Lebensqualität eigentlich auf Platz 7 landen. Wieso das? Die Stadt sei wirtschaftlich stark, habe eine geringe Arbeitslosenquote und insgesamt gute Lebensbedingungen, heißt es.

Prof. Bernd Raffelhüschen - Rentenexperte
Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg, hier im Bild zu Gast in der Sendung SWR1 Leute im Jahr 2023.

"Die Einkommen sind in Ordnung, die Vermögen sind in Ordnung, die Voraussetzungen sind eigentlich gut", erklärt Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Er ist Professor für Finanzwissenschaften und Sozialpolitik. Auch die Stadt Stuttgart selbst hat erst vor zwei Wochen stolz verkündet, dass sie den ersten Platz als Deutschlands vitalste Innenstadt unter den Großstädten (Städte über 600.000 Einwohner) belegt hat. Ein Preis, der von einem Start-Up vergeben wird, der die Passantendichte in Innenstädten misst.

So vital Stuttgart auch sein mag - so ganz glücklich sind die Stuttgarter in ihrer Stadt nicht.
Stolz halten Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) und Holger Siegle, Geschäftsführer der City Initiative Stuttgart, die Urkunde. Doch so vital Stuttgart auch sein mag - so ganz glücklich sind die Stuttgarter in ihrer Stadt nicht.

Darüber hinaus würde laut der Studie "Vitale Innenstädte 2024" das Stadtzentrum mit Bestnoten für seine Attraktivität und das vielfältige Einzelhandelsangebot punkten, sowie die fußgängerfreundliche Gestaltung, die gute ÖPNV‐Anbindung und das reichhaltige Angebot an Veranstaltungen, Gastronomie und Kultur. Das sind doch gute Voraussetzungen, oder nicht? Auch der Freiburger Wissenschaftler Raffelhüschen ergänzt: Die Kriminalitätsrate sei gering, es gebe Betreuungsangebote für Kinder, und die medizinische Versorgung sei gut. Doch die Stuttgarter scheinen das laut seiner Untersuchung einfach nicht so richtig zu fühlen.

Über den Glücksatlas und wie Stuttgart abgeschnitten hat, sprach SWR4 am Donnerstag, 12.06.2025, mit Bernd Raffelhüschen:

Warum die Stuttgarter trotzdem nicht glücklich sind

"Was natürlich wichtig ist: Wo sind die Erholungsflächen und wie schnell komme ich dahin?", erklärt Raffelhüschen. "Wie sind die Mieten und ist es einigermaßen erschwinglich zu wohnen?" Denn ein hohes Einkommen allein nütze nicht viel, wenn die entsprechenden Preisniveaus so hoch sind, dass man sich dennoch keine Wohnung leisten kann. Dazu komme ein allgemeiner Trend: Kleinere Städte schneiden laut Umfrage im Glücksspiegel besser ab, weil sie als familiärer, sicherer und grüner wahrgenommen werden als Großstädte wie Stuttgart. Dass also die subjektive Wahrnehmung von der objektiven Einschätzung abweicht, sei nichts ungewöhnliches.

Gerade die Mietsituation in Stuttgart ist prekär.

Auch die Qualität einer Innenstadt spiele bei der subjektiven Wahrnehmung eine Rolle. Also zum Beispiel Staus und Baustellen. "Was den Kessel angeht, da kann Stuttgart sich nicht ändern. Es ist und bleibt ein Kessel, in dem sich eben halt die Luftqualität immer etwas schwierig gestaltet." Vergangenes Jahr lag Stuttgart noch auf Platz 14, doch das liege laut Raffelhüschen nicht daran, dass sich Stuttgart verschlechtert, sondern die anderen Städte sich im Ranking verbessert hat. Aber immerhin: Es gibt das Potential, dass die Stuttgarter sich bald glücklicher fühlen könnten. Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Deutschlands größte Baustelle dazu beitragen könnte.

ACHTUNG: Stuttgart 21 kann das Glücksempfinden beeinflussen

Doch machen wir uns nichts vor, das Glück kann sich gerade in Stuttgart schnell wandeln. Die Stuttgarter sind ja eigentlich Leid und Kummer gewohnt, vor allem, wenn es um die Großbaustelle Stuttgart 21 geht. Raffelhüschen ist optimistisch: "Wenn der Bahnhof mal fertig ist und die Innenstadt wieder sauber und hergerichtet, werden die Stuttgarter im Ranking wieder weiter oben sein."

Kinder unter 15 Jahren haben die Innenstadt nie ohne Stuttgart-21-Baukräne erlebt. Ob das glücklich macht?
Zur Einordnung: Kinder, die in Stuttgart aufwachsen und jünger als 15 Jahre alt sind, haben die Innenstadt nie ohne die Stuttgart-21-Baukräne erlebt. Wenn die mal weg sind, könnte das Glücksempfinden steigen.

Heißt das im Umkehrschluss: Sollte sich die Eröffnung von Stuttgart 21 und dem Tiefbahnhof ma wieder verschieben, würde Stuttgart womöglich im Glücksranking noch tiefer rutschen? "Das ist schwierig zu prognostizieren, inwiefern eine Verzögerung von ein bis zwei Jahren, die ja immer eigentlich ansteht und erwartungstreu bleibt und ist, so zu Buche schlägt." Die Stuttgarter würden schließlich eh schon damit rechnen, dass der Eröffnungstermin wieder verschoben wird.

Dennoch bestätigt Raffelhüschen, dass das Großprojekt einen Anteil am Glücksempfinden in der Landeshauptstadt haben könne. Mich interessiert jetzt aber am meisten, was eure Meinung dazu ist:

Was müsste passieren, damit ihr in Stuttgart glücklicher seid?

Vergangene Woche haben wir euch gefragt, wie ihr mit dem wechselhaften Wetter umgeht und ob ihr diesbezüglich eure Reisepläne ändert. Die Antwort war eindeutig - 85,5 Prozent haben gesagt: "Ich bleibe hier und mache es mir so schön wie eben möglich!"

Soll ich euch ein Geheimnis verraten? Aber pssst, nicht weitersagen: Ob man glücklich ist oder nicht, hängt tatsächlich nicht alleine nur von der Stadt ab, in der man lebt. Sondern auch von den Freunden und den Menschen, mit denen man sich umgibt und was man mit denen unternimmt. Und mit diesem heißen Tipp wünsche ich euch vor allem eines: ein schönes, sonniges und heißes Wochenende - haut rein!

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