Streit zwischen Unternehmer Herrenknecht und Gemeinde

Schwanauer Blumenkübel im Internet inseriert - Polizei ermittelt

Die Blumenkübel, die der Unternehmer Herrenknecht in Schwanau abtransportieren ließ, sind auf Umwegen wieder bei der Gemeinde gelandet. Zu Ende ist der Streit damit aber nicht.

Teilen

Stand

Von Autor/in Leon Löffler, Ulf Seefeldt

Der Zwist zwischen dem Unternehmer Martin Herrenknecht und der Gemeinde Schwanau-Allmannsweier (Ortenaukreis) nimmt immer kuriosere Züge an. Vor zwei Wochen hatte Herrenknecht in seinem Heimatort eigenmächtig 20 Blumenkübel zur Verkehrsberuhigung entfernen lassen. Seitdem standen die Kübel auf dem Gelände des Unternehmens. Einer neben dem anderen aufgereiht. Jetzt wurden sie entfernt und sind wieder bei der Gemeinde Schwanau gelandet - allerdings auf Umwegen.

Blumenkübel im Internet inseriert

Wie die Polizei dem SWR auf Nachfrage mitteilte, waren die Blumenkübel am Samstag im Internet angeboten worden. In dem Inserat hieß es, die Kübel könnten kostenlos vom Gelände der Firma Herrenknecht abgeholt werden. Zwei Männer hätten sich dann auf den Weg gemacht, um sie einzuladen, so die Polizei. Dabei seien sie beobachtet worden. Eine Frau verständigte die Polizei. Vor Ort forderten die Beamten die beiden Männer dann auf, die Blumenkübel zur Gemeinde zu bringen. Gegen das Duo und den Inserenten wird nun ermittelt.

Die Blumenkübel stehen nicht mehr auf dem Gelände der Firma Herrenknecht.
Inzwischen stehen die Blumenkübel nicht mehr auf dem Gelände der Firma Herrenknecht.

"Sesselfurzer" - Herrenknecht wettert gegen Landratsamt

Zwischen der Gemeinde Schwanau und dem Unternehmer Herrenknecht sollten Gespräche stattfinden. Doch sowohl Herrenknecht als auch das Rathaus zeigen sich unversöhnlich. Eine Einigung im Blumenkübel-Streit ist nicht in Sicht.

Der Schwanauer Unternehmer Martin Herrenknecht
Für den Schwanauer Unternehmer Martin Herrenknecht sind die Blumenkübel "ein rotes Tuch".

Für Martin Herrenknecht sind die Kübel "ein rotes Tuch". Das hat der Gründer des Unternehmens für Tunnelvortriebsmaschinen jetzt noch einmal in der "Badischen Zeitung" klargemacht. Sobald die Gemeinde die Blumenkübel wieder aufstelle, wolle Herrenknecht sie wegschaffen und dieses Mal dann vor dem Landratsamt abstellen. Damit, so Martin Herrenknecht, "die Sesselfurzer endlich mal merken, worum es geht in Deutschland".

Bürgermeister: Pflicht, Recht und Ordnung herzustellen

Schwanaus Bürgermeister Marco Gutmann (parteilos) betonte laut der Zeitung, er sei zwar bereit, eine Lösung zu finden, es gebe auch bereits Ideen. Er stellte allerdings auch klar: "Wenn das aber nicht funktioniert, bin ich in der Pflicht, Recht und Ordnung herzustellen." Die Gemeinde erklärte, dass die Kübel bald wieder in der 30er-Zone aufgestellt werden sollen. Allerdings umgerüstet mit größeren Reflektoren, so wie es das Landratsamt gefordert hat.

Streit entbrannte vor zwei Wochen

Der Zankapfel sind Blumenkübel, die die Gemeinde vor rund zwei Monaten auf Durchgangsstraßen aufgestellt hatte. Sie sollen Parkbuchten besser sichtbar machen und den Verkehr beruhigen. So hatte es der Ortschaftsrat zuvor beschlossen. Der Tunnelbau-Unternehmer Herrenknecht war mit diesen Blumenkübeln aber offenbar nicht einverstanden.

Der Familienkonzern bestätigte, dass sein Gründer die Pflanzenbehälter von einer öffentlichen Straße habe entfernen lassen. Denn laut Herrenknecht stellten die Kübel eine Gefahr für seine Mitarbeitenden auf dem Weg zur Arbeit dar. Herrenknecht stellt große Tunnelbohrmaschinen her und beschäftigt rund 5.000 Menschen.

Schwanau-Allmannsweier

ARD-Rechtsexperte ordnet ein Keine Konsequenzen nach Blumenkübel-Aktion von Herrenknecht? So ist die Rechtslage

Der Unternehmer Martin Herrenknecht ließ vor einigen Tagen in Schwanau-Allmannsweier 20 Blumenkübel entfernen. War das Diebstahl? Ein Rechtsexperte gibt seine Einschätzung.

Schwanau

Blumenkübel in Tempo-30-Zone geklaut Meinung: Martin Herrenknechts seltsames Verständnis von Demokratie

Ein Unternehmer entscheidet selbst, was gilt – und die Gemeinde schaut zu. So schwächt man demokratische Regeln, findet SWR-Autor Jan Ludwig.

Schwanau-Allmannsweier (Ortenaukreis)

Protest gegen die Gemeinde Schwanau Blumenkübel in Tempo-30-Zone entfernt: Diskussion um Aktion von Konzernchef

Der Unternehmer Martin Herrenknecht hat in seinem Heimatort Schwanau-Allmannsweier aus Protest eigenmächtig 20 Blumenkübel entfernt. Damit hat sich die Sache aber nicht erledigt.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Leon Löffler
Leon Löffler
Ulf Seefeldt
Ulf Seefeldt mit Mikrofon in der Hand im SWR Studio Offenburg
Onlinefassung
Paulina Flad
Foto von Paulina Flad

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!