Seit Freitagnachmittag läuft das erste Canna-Festival in Freiburg. Noch das ganze Wochenende über zeigen hier mehr als 40 Aussteller an der Messe alles rund um Hanf. Das Festival zieht vor allem junge Menschen an. Der Einlass zu der Messe ist ab 18 Jahren erlaubt. Während der Konsum von Cannabis nur draußen gestattet ist, gibt es in den Hallen der Freiburger Messe an den Ständen Informationen zum Anbau und zu technischen Innovationen im Bereich Cannabis. Daneben gibt es Informationen zu Aufklärung und Prävention. Das ist eine der Bedingungen, um überhaupt ein solches Festival anbieten zu können.
Besuchende hoffen auf mehr Toleranz in der Gesellschaft
Es sollten mehr Menschen mit Cannabis in Kontakt kommen, findet so manch ein Messe-Besucher. Andere erhoffen sich weniger Stigmatisierung. Gerade für Menschen, die aus medizinischen Gründen Cannabis konsumieren, sei es vor der Teillegalisierung von Cannabis oft schwer gewesen, so eine Besucherin.
Laut dem Gründer der Messe, Phillip Ganter, gibt es auf der Messe Speaker, die über die Themen Prävention und Aufklärung sprechen. Dadurch, dass die Messe sowohl drinnen als auch draußen stattfindet, sei eine Abwechslung vorhanden, die bei Messen nicht immer so zu erleben sei, so der Schweizer weiter.
Festival hätte eigentlich in der Schweiz stattfinden sollen
Eigentlich sei die Veranstaltung in der Schweiz geplant gewesen, erzählt Ganter. Doch in der Schweiz sei die Entwicklung nicht so schnell wie in Deutschland - durch die Legalisierung im vergangenen Jahr. Der Gründer sagte dem SWR, dass man mit der Messe auch Grundlagen in Sachen Cannabisprävention biete. Auch Firmen hätten so einen Zugang in den Markt. Hanf sei vielfältig einsetzbar, so der Schweizer weiter. Es kommt bereits in Nahrungsmitteln, Baustoffen und Kleidung zum Einsatz.
Das ist eine Mischung aus Festival und Cannabismesse.
Firmen, Social Clubs und Besuchende könnten sich auf der Messe mit Equipment zum Anbau der Pflanzen eindecken. Dem Gründer der Messe zufolge gibt es aktuell deutschlandweit rund 300 Cannabis-Social Clubs. Vor einer Rücknahme der Teillegalisierung warnt Ganter. Gerade die medizinische Forschung könne sich jetzt besser entwickeln. Man verfolge die Politik, wolle sich dazu aber nicht positionieren, so Philipp Ganter weiter.
Evaluierung der Teillegalisierung von Cannabis im Herbst
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im Bundestagswahlkampf angekündigt, die Teillegalisierung aufheben zu wollen. Manche Unternehmen, die in die Branche investiert haben, befürchten dadurch drohende Einbußen, andere Firmen sehen dagegen eher entspannt in die Zukunft. Klar ist, dass eine Evaluation des Cannabisgesetzes für den Herbst 2025 geplant ist. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD wurde eine ergebnisoffene Bewertung der Auswirkungen des Gesetzes vereinbart. Es gibt bereits verbindliche Evaluationsfristen, darunter eine erste Bewertung bis Oktober 2025 zur Auswirkung des Konsumverbots in Gegenwart von Jugendlichen, heißt es auf der Homepage des Bundesministeriums für Gesundheit.
BW: Cannabis-Anbau bisher in 24 Social Clubs erlaubt
Auf SWR-Anfrage hat das Regierungspräsidium Freiburg, das für die Genehmigungen der Social Clubs in ganz Baden-Württemberg zuständig ist, mitgeteilt, dass die vorliegenden Anträge Stück für Stück nach Eingang abgearbeitet würden. Seit dem 1. Juli 2024 seien demnach dort rund 100 Anträge von Anbauvereinigungen in Baden-Württemberg eingegangen. Fünf Anträge wurden demnach abgelehnt und sechs Anträge zurückgezogen. Damit sind noch 66 Anträge offen. Davon sind aktuell rund 36 in der intensiveren Prüfung.
Für die Verfahrensdauer komme es unter anderem auf die Vollständigkeit und Qualität der eingereichten Unterlagen an. Auch sei maßgeblich, wie zügig und zielgenau die jeweilige Anbauvereinigungen die erforderlichen Punkte umsetzen oder umsetzen können. Die Suche nach einem geeigneten Standort ist laut Regierungspräsidium oft schwieriger, als zunächst von den Social Clubs angenommen. Wann ein Social Club eine Genehmigung erhält, müsse jeweils im Einzelfall geprüft werden, hieß es vom Regierungspräsidium Freiburg weiter.