Der unweit des Kinzigtals (Ortenaukreis) aufgetauchte Elchbulle könnte schon bald einen Namen bekommen - wohl mehr zum Spaß als im Ernst. Das Landratsamt hat auf seinem Instagram-Account abstimmen lassen, wie er heißen soll. Dabei setzte sich der Vorschlag Erwin durch. Die Alternativen Orti, Otto und Eric fanden deutlich weniger Zuspruch bei den Nutzerinnen und Nutzern des Instagram-Accounts der Behörde.
Elch Erwin: Heißt der Bulle bald wie ein ehemaliger BW-Ministerpräsident?
Das Landratsamt hatte darum gebeten, einen Namen mit Bezug zum Land zu wählen. Der siegreiche Vorschlag könnte etwa an Erwin Teufel erinnern. Der 86-Jährige war von 1991 bis 2005 Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
Der Elch war am Dienstag in Oberwolfach (Ortenaukreis) am Waldrand gesichtet und abgelichtet worden. Seitdem sorgt er landesweit für Aufsehen. Woher das Tier kommt und wie es den Weg ins Kinzigtal gefunden hat, ist weiter unklar.
Elch im Schwarzwald: Ist er eingewandert oder ausgebüxt?
An der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenze gibt es stabile Elch-Populationen. Und auch in den östlichen deutschen Bundesländern werden immer mal wieder Elche gesichtet.
Dass der Elchbulle aber aus eigener Kraft von dort bis in den Schwarzwald gewandert ist, hält der Ortenauer Wildtierexperte Maximilian Lang aber eher für unwahrscheinlich: "Ein solches Wanderverhalten wäre zwar möglich, ist in Deutschland aber bisher nicht dokumentiert."
Im Ortenauer Landratsamt vermutet man, dass der Elchbulle aus einem Gehege ausgebüxt ist. Da Elche aber nur in wenigen Wildparks gehalten werden und nach aktuellem Kenntnisstand kein Tier aus einem Zoo oder Wildgehege der Region vermisst wird, bleibt die genaue Herkunft vorerst offen.
Nicht der erste Elch im Schwarzwald
Auch bei einem Elch der 1971 in Murrhardt (Rems-Murr-Kreis) aufgetaucht war, ließ sich nach Kenntnis des Wildtierbeauftragten nicht sicher nachweisen, woher er stammte. Laut Lang ging man damals zwar davon aus, dass das Tier aus Tschechien gekommen war. Die Wanderroute habe aber nicht nachverfolgt werden können und DNA-Vergleiche habe man damals auch noch nicht gemacht. Der Murrhardter Elch sei schließlich abgeschossen worden. Wie es für den Elch im Schwarzwald weitergeht, ist noch völlig offen.
"Wenn der Elch tatsächlich aus einem Gehege stammt, dann müssten wir den schon wieder einfangen", erklärt Maximillian Lang. Laut dem Experten wäre er dann zu sehr an die Menschen gewöhnt. "Dann kann es für den Elch und auch für die Menschen unter Umständen doch gefährlich werden. Wenn er zum Beispiel auf eine Schnellstraße rennt."
Tier im Kinzigtal gesichtet Warum der Elch gut in den Schwarzwald passt
Der Elch aus dem Kinzigtal gibt weiter Rätsel auf. Das Tier ist bei Oberwalfach im Ortenaukreis gesichtet worden. Warum sich ein Elch im Schwarzwald wohlfühlt.
Experte: Elch sollte nach Osten
Sollte sich kein früherer Besitzer finden, sollte nach Ansicht des Wildtierbiologes Klaus Hackländer zunächst geklärt werden, ob es sich um einen europäischen oder um einen nordamerikanischen Elch handelt. Ein europäischer Elch sollte in die bayerisch-tschechische Grenzregion gebracht und ausgewildert werden, da er im Baden-Württemberg auf lange Zeit Single bleiben würde.
"Ein Elch in Baden-Württemberg ist eine absolute Ausnahme und es ist höchst unwahrscheinlich, dass noch eine Elchkuh dazukommt, um eine Population zu gründen", sagt Hackländer. "Wenn der Elch aber halbwegs normal ist, wird er umherziehen auf der Suche nach einem Weibchen."
Diese Suche über teils sehr weite Strecken setze das Tier aber der Gefahr aus, überfahren zu werden. Das deutsche Straßennetz sei einer der wesentlichen Gründe, warum sich Elche hier nicht etablieren könnten.
"Elche sind grundsätzlich eher friedlich"
Wer das Tier sieht, sollte Abstand halten, um es nicht unnötig zu stressen. Gefährlich sei der Elchbulle aber eher nicht, so die Einschätzung der zuständigen Behörden. "Der Elch ist mit einer Schulterhöhe von über zwei Metern und bis zu 500 Kilogramm Gewicht die größte Hirschart der Welt - grundsätzlich aber friedlich", so Hans-Georg Pfüller, Leiter des Amts für Waldwirtschaft.
Zur weiteren Einschätzung von Aufenthaltsort und Herkunft steht das Landratsamt in engem Austausch mit den anderen zuständigen Behörden, heißt es. Sichtungen oder Fotobelege können an das Landratsamt Ortenaukreis oder direkt per Mail an den Wildtierbeauftragten gemeldet werden.