Im Schwarzwald ist ein Elch gesichtet worden. Bislang weiß niemand, woher er stammt. Spuren des mächtigen Tieres gab es in Oberwolfach und Oberharmersbach im Ortenaukreis. Der Wildtierbeauftragte des Kreises, Maximilian Lang, hält es für sehr wahrscheinlich, dass der überraschend zutrauliche Bulle aus menschlicher Obhut stammt - und nicht aus Polen oder Tschechien über Bayern eingewandert ist. "Allerdings vermisst aktuell kein Wildpark und kein Zoo bei uns in der Umgebung einen Elch", sagte Lang dem SWR. Zudem wäre ein natürlich zugewanderter Elch wahrscheinlich unterwegs jemandem aufgefallen und er wäre nicht plötzlich im Schwarzwald aufgetaucht.
Aber diese Umgebung scheint eine gute Wahl: "Der Elch würde im Schwarzwald wunderbar zurechtkommen. Der Lebensraum würde definitiv passen", sagte Lang der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch weiterer Elch-Zuwachs sei nicht schlimm für die Natur. Selbst zehn Tiere wären aus seiner Sicht kein Problem.
Wildtierbeauftragter: Elch würde sich hier wohlfühlen
Zwar könne theoretisch auch Verbiss - also das Abbeißen von Blättern oder Zweigen - Auswirkungen haben, doch Lang winkt ab: "Bei nur einem oder einigen Elchen stört das nicht. Das ist bei Rehen und Hirschen genauso. Wenn es hingegen Tausende wären, wäre das etwas anderes." Selbst eine kleine Elch-Population hält der Wildtierbeauftragte für unproblematisch. "Der Elch würde sich hier definitiv wohlfühlen und vermehren", ist Lang überzeugt. Voraussetzung dafür sei allerdings ein politischer und gesellschaftlicher Wille.
Der Wildtierbeauftragte Maximilian Lang empfiehlt, bei einer Begegnung Abstand zu halten und dem Elch mit Respekt zu begegnen:
- Landschaft: Wälder, feuchte Senken, junge Laubmischbestände
- Klima: Elche mögen keine Hitze und Trockenheit
- Nahrung: Kräuter, Knospen und Kiefernadeln
- Tradition: Elche waren bis ins 17. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet
- Elch hat im Schwarzwald keine Artgenossen
- Aufregung um Elch Emil in Österreich
Landschaft: Wälder, feuchte Senken, junge Laubmischbestände
Der Schwarzwald ist für den bis zu 600 Kilogramm schweren Einzelgänger grundsätzlich kein schlechter Ort. Es gibt ausgedehnte Wälder, feuchte Senken und junge Laubmischbestände mit Weiden, Birken und Espen - Pflanzen, die Elche besonders gern fressen. Auch der Mensch würde in solchen Gebieten wenig stören. Zudem brauchen Elche Flächen mit leicht zugänglichem Wasser, sagt Lang. "Das finden sie hier vielerorts, etwa entlang der Kinzig oder in Moorbereichen und Feuchtwiesen."
Klima: Elche mögen keine Hitze und Trockenheit
Auch das Wetter spricht für den Schwarzwald. Kühle Temperaturen und Schnee schrecken Elche nicht, im Gegenteil - sie sind ausgesprochene Kältespezialisten. "Und anders als viele denken, mögen Elche gemäßigtes, teilweise sogar raues Klima, keine Hitze und Trockenheit", erklärt Wildtierexperte Lang. Die Bedingungen im mittleren und nördlichen Schwarzwald kämen ihrem bevorzugten Habitat "ziemlich nahe".
Nahrung: Kräuter, Knospen und Kiefernadeln
Elche sind sehr anpassungsfähig, wenn es ums Futter geht. Sie ernähren sich laut Lang ähnlich wie Rehe. Im Sommer fressen sie vor allem Kräuter, Blätter und Wasserpflanzen, während im Winter junge Triebe, Zweige, Baumrinde, Knospen und Nadeln von Kiefern und anderen Bäumen auf dem Speiseplan stehen. "Elche bevorzugen energiereiche Nahrung wie junge Triebe und Wasserpflanzen." Das Angebot sei in vielen Regionen gut.
Tradition: Elche waren bis ins 17. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet
Ganz so ungewöhnlich ist ein Elch in Süddeutschland gar nicht. "Elche gehören ursprünglich auch zur heimischen Fauna", sagt Lang. Bis ins 17. Jahrhundert waren sie in Mitteleuropa weit verbreitet, bevor sie durch Überbejagung ausgerottet wurden. Heute existieren stabile Populationen an der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenze - und einzelne Tiere begeben sich immer wieder auf Wanderschaft. "Dadurch kommt es in den östlichen Bundesländern immer wieder zu einzelnen Sichtungen", so Lang.
Elch hat im Schwarzwald keine Artgenossen
Ein Elch wäre im Schwarzwald allerdings allein. Es gibt keine Artgenossen, also keine Elchkuh, mit der sich der Bulle zusammenschließen oder fortpflanzen könnte. Selbst wenn ein Tier einige Jahre überlebt, entstünde daraus keine Population. Nur wenn sich Wanderkorridore von den bestehenden Vorkommen in Bayern oder Tschechien bis nach Baden-Württemberg öffnen, könnte sich das langfristig ändern - bislang aber sind die Wege zu weit und zu gefährlich.
Aufregung um Elch Emil in Österreich
Erst kürzlich hatte woanders ein Elch für Aufregung gesorgt, nämlich in Österreich. Der Jungbulle namens Emil solle im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet heimisch werden, hatte es zu Monatsbeginn geheißen. Der Elch war für seine Umsiedelung betäubt worden. Zuvor hatte er sich Behördenangaben zufolge teils in stark besiedeltem Gebiet aufgehalten und beinahe eine Autobahn überquert. Der Elch sorgte über Österreich hinaus für Schlagzeilen.
Im Zuge der Narkotisierung des Tieres sei ein Gesundheitscheck erfolgt, hatte die oberösterreichische Landesrätin Michaela Langer-Weninger gesagt. Die Auswertung der Blutproben hätten Stress angezeigt. Ansonsten sei der Jungbulle aber fit und gesund. Nach Einschätzung der Tierärzte sei der Hype um den Elch anstrengend für das Tier gewesen, bilanzierte die Landesrätin.