Es wird ernst in Freiburg: Ab dem kommenden Jahr gibt es in der Stadt eine Verpackungssteuer. Für To-Go-Becher oder Pizzakartons zahlt man dann 50 Cent obendrauf. Parallel dazu startet Freiburg ihre sogenannte Mehrwegoffensive - ebenfalls ab dem ersten Januar 2026. Mit einem Mehrwegverbund will die Stadt Gastronomiebetrieben dabei unter die Arme greifen. Das System ist deutschlandweit einmalig.
Wie funktioniert der Mehrwegverbund?
Der Freiburger Mehrwegverbund organisiert den gesamten Kreislauf: von der Bereitstellung und Reinigung bis hin zur Pfandabrechnung. Aktuell bietet der Mehrwegverbund aber nur Becher an. Um Mehrwegalternativen für Pizzakartons und Pappschalen müssen sich die Betriebe vorerst selbst kümmern.
Bereits seit Anfang des Monats läuft eine Pilotphase für den Mehrwegverbund. Daran beteiligen sich zehn Betriebe mit 16 Filialen. Rund 1.000 Mehrwegbecher wurden bereits ausgegeben. Ob Gastronomiebetrieb, Bäckerei, Metzgerei, Tankstelle oder Supermarkt, ab erstem Januar können alle Freiburger Betriebe mit einsteigen.
Bisher sind vier Anbieter von Mehrwegbechern teil des Verbunds. Die Unternehmen sind deutschlandweit aktiv. Das besondere in Freiburg: Die Becher können nicht nur an den eigenen Standorten zurückgegeben werden, sondern bei allen teilnehmenden Stellen des Mehrwegverbunds.
Warum braucht Freiburg das Mehrwegsystem?
Nach Angaben der Stadt fallen in Freiburg täglich rund 4,5 Tonnen Abfall an, davon 45 Prozent Einwegverpackungen. Das will die Stadt ändern. Im Mai 2025 hat der Gemeinderat deshalb eine Verpackungssteuer und die Mehrwegoffensive beschlossen. In Tübingen gibt es die Verpackungssteuer bereits seit mehreren Jahren. Das Ziel: Immer mehr Kundinnen und Kunden sollen zur Mehrwegalternative greifen - weil es günstiger ist.
Die Vorteile des Mehrwegverbunds
Nach Einführung der Verpackungssteuer sparen Kundinnen und Kunden pro Getränk mit einem Mehrwegbecher 50 Cent. Ein weiterer Vorteil: Sie können ihren Kaffee an einem Ort kaufen und sobald sie ihn leer getrunken haben, an einem nahegelegenen, ganz anderen Ort den Becher wieder loswerden. So stellt es sich zumindest die Freiburger Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit vor. Damit diese Idee aufgeht, müssen aber möglichst viele Restaurants und Bäckereien mitziehen.
Freiburgs Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit zu den Vorteilen des Mehrwegverbunds:
Buchheit ist optimistisch, denn auch für die Betriebe gebe es einen großen Anreiz mitzumachen: "Der Hauptvorteil für die Betriebe ist eigentlich, dass sie nicht selbst spülen müssen", meint die Umweltbürgermeisterin. Wer am Mehrwegverbund teilnimmt, muss dreckige Becher nur sammeln. Zweimal wöchentlich werden sie dann abgeholt, gespült und sauber wieder ausgeliefert.
Freiburg unterstützt Betriebe finanziell
Auch finanziell unterstützt die Stadt die Gastronomie: Bis zu 90 Prozent der Kosten für die monatliche Teilnahme am Mehrwegverbund übernimmt die Stadt, maximal aber 2.500 Euro pro Betriebsstätte jährlich. Kosten für die Beteiligung an anderen Mehrwegsystemen werden in derselben Höhe übernommen. Neue Spülmaschinen werden mit bis zu 50 Prozent bezuschusst.
Zudem erhalten die Betriebe Schulungen, Aufsteller und Aufkleber, um Kundinnen und Kunden über die Mehrwegoption zu informieren. Die Becher selbst tragen eine einheitliche Kennzeichnung, die erkenntlich macht, dass sie Teil des Mehrwegverbunds sind.
Mehrwegschüsseln und -pizzakartons kommen frühestens 2027
Vor allem bei der Einführung von Mehrwegschüsseln gibt es noch Herausforderungen. Daher wartet die Stadt noch ab, diese im Mehrwegverbund einzubinden. Das Problem: "Hier spielen Lebensmittelhygiene und Logistik eine große Rolle", erklärt Robert Reiche von Conet Solutions. Er berät die Stadt in Sachen Mehrwegoffensive.
"Die Vielfalt an Speisen und Behältern erfordert individuelle Lösungen", so Reiche. Die sollen die Betriebe erst einmal eigenständig finden. Vorerst will die Stadt beobachten, wie sich die Verpackungssteuer auf das Verhalten der Konsumenten auswirkt.